Faust - 2010 | FILMREPORTER.de
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Film: Faust

                             
Medium: Kauf-DVD
OriginaltitelFaust
GenreDrama
Land & Jahr Russland 2010
Verkaufsstart    08.05.2012 (MFA+ Film Distribution)
FSK & Länge ab 16 Jahren • 133 min.
RegieAlexander Sokurow
DarstellerJohannes Zeiler, Anton Adasinsky, Isolda Dychauk, Georg Friedrich, Hanna Schygulla, Antje Lewald
Links IMDB
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DVD Extras

Trailer • Interview Alexander Sokurow (mit freundlicher Genehmigung von 3sat-Kulturzeit) • Behind the scenes • Trailershow

Inhalt

Faust (Johannes Zeiler) ist ein genialer Gelehrter, der aber wie viele im 19. Jahrhundert an Hunger zugrunde zu gehen droht. Als er bei einem Pfandleiher Geld aufnehmen will, macht er die Bekanntschaft eines Wucherers (Anton Adasinsky). Dieser weicht dem Wissenschaftler nicht mehr von der Seite.

Gemeinsam ziehen sie durch die Stadt. Neben dem Elend der Bevölkerung begegnet Faust auch viel Schönem. In einem öffentlichen Bad trifft er auf das grazile Gretchen (Isolda Dychauk) und verliebt sich in sie. Dem gemeinsamen Glück stehen jedoch viele Hindernisse im Weg. Nicht nur ist Faust viel älter als das Mädchen, er ist auch für den Tod ihres Bruders verantwortlich.

Kritik

Mit "Faust" schließt der eigenwillige russische Regisseur Aleksandr Sokurov seine Tetralogie über die menschliche Hybris ab. Während sich "Moloch" (1999), "Stier" (2001) und "Sonne" (2005) jeweils mit historischen Vorbildern befassten (Hitler, Lenin, Hirohito) widmet sich Sokurov im vierten Teil einer literarischen Figur. Gemeinsamkeiten zwischen den Charakteren lassen sich dennoch ausmachen. Wie sich die historischen Gestalten als Götter auf Erden wähnten und letztlich an ihrem Menschsein scheiterten, ist sich auch Faust seiner geistigen Überlegenheit bewusst, jedoch vom Zustand der Welt zerrieben wird.

"Faust" ist eine Adaption von Johann Wolfgang von Goethes gleichnamiger Tragödie, wobei Sokurov zwischen Werktreue und radikaler Neuinterpretation schwankt. Es finden sich bekannte Szenen wie Auerbachs Keller und auch ganze Textpassagen wie "Habe nun, ach!". Ansonsten biegt Sokurov den Stoff, wie es ihm beliebt. Mephisto heißt nicht mehr Mephisto und auch bei der ersten Begegnung mit Faust entpuppt er sich nicht als "des Pudels Kern".

Eine der radikalsten Änderung betrifft die Titelfigur und den thematischen Kern der Geschichte. Während Goethes Faust sich seiner Kleinheit im Weltganzen bewusst ist und nach der allumfassenden Weisheit dürstet, ist Sokurovs geistiger Überflieger ganz im Irdischen gefangen. Das Materielle und die Betonung des Körperlichen ziehen sich denn auch wie ein Faden durch den Film. Armut und Mangel sind die Zeichen der Zeit. Obwohl "Faust" in der Goethezeit angesiedelt ist, mutet seine Welt mittelalterlich an. Die Menschen leiden Hunger, betteln um Almosen. Der körperliche Verfall, der Tod sind omnipräsent. Schon die ersten Bilder zeigen Faust beim Sezieren einer Leiche. Mephistos, des Teufels Körper ist keiner menschenähnliche Gestalt nachempfunden, sondern eine widerliche undefinierbare Abart.

Für Sokurov ist die Welt nicht schön, sondern ausgesprochen hässlich. Das Leben ist kein Vergnügen, kein Sinnenrauch, sondern würdeloses Leiden. Er macht kein Hehl daraus, dass der Mensch in der Hölle beheimatet ist. Präsent und wirksam auf der Welt ist nur der Teufel, die Anwesenheit Gottes ist nicht spürbar. Der Tod als Wegscheiden von der Erde wohin auch immer ist eine Erlösung.

Das Elend der Welt zeigt Sokurov durch formale Mittel. Optische Verzerrungen, extreme Farbfilter, die das Gefilmte wie durch einen Schleier erscheinen lassen, eine sogartige Tonspur aus Gesprochenem und Musikalischem sind Ausdrucksformen einer aus den Fugen geratenen Welt. Andererseits ist die Form nicht nur repräsentatives Mittel, sondern wird durch die Überakzentuierung als solche sichtbar gemacht, sodass das Körperliche der Welt mit der filmischen Materialität korrespondiert. So oder so, mit "Faust" hat Sokurov erneut unter Beweis gestellt, dass er zu den formal eigenwilligsten Filmemachern des zeitgenössischen Kinos zählt. Die Subjektivität seiner Weltanschauung und seiner Gestaltungsmittel stehen in direkter Linie zum Werk Andrej Tarkowskijs, Sokurovs erklärtem Vorbild. Nicht zuletzt diese künstlerische Kompromisslosigkeit hat 2011 auch die Jury der Filmfestspiele von Venedig unter dem Vorsitz von Darren Aronofskys zu schätzen gewusst, als sie "Faust" mit dem Goldenen Löwen als besten Film auszeichneten.

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