Jeder stirbt für sich allein - 2016 | FILMREPORTER.de
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©X Verleih/Marcel Hartmann

Jeder stirbt für sich allein

Medium: Kauf DigiHD
OriginaltitelAlone in Berlin
GenreDrama
Land & Jahr Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2016
Verleih ab    18.05.2017 (Warner Home Video)
FSK & Länge ab 12 Jahren • 99 min.
RegieVincent Pérez
DarstellerEmma Thompson, Daniel Brühl, Brendan Gleeson, Mikael Persbrandt, Katharina Schüttler, Louis Hofmann
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Daniel Brühl ringt gegen den Nationalsozialismus

Berlin jubelt, denn Frankreich hat kapituliert. Hitlers Armeen eilen von Triumph zu Triumph. Viele Familien zahlen einen hohen Preis für die Siege des nationalsozialistischen Deutschlands. Ihre Männer und Söhne sind im Krieg, Gefallene sind zu beklagen. Jegliches öffentliches Aufbegehren gegen den Eroberungsfeldzug ist verstummt. Jeder Nachbar, jeder Arbeitskollege könnte ein Spitzel sein.

Die Quangels haben sich eigentlich mit den politischen Verhältnissen in Deutschland arrangiert, sie halten sich raus. Als sie die Nachricht vom Tod ihres Sohnes erreicht, wollen sie nicht länger untätig bleiben. Der Schreinermeister Otto (Brendan Gleeson) schreibt Postkarten, in denen er Hitlers Krieg anprangert. Er deponiert diese an öffentlichen Orten im gesamten Stadtgebiet Berlins - seine Frau Anna (Emma Thompson) steht Schmiere. Sie hat große Angst. Auf jeden Akt des Widerstands steht der Tod.

Die Gestapo ist bald alarmiert, denn viele Karten werden sofort abgegeben. Der ehrgeizige Kommissar Escherich (Daniel Brühl) folgt ihren Spuren und erkennt ein Muster, mit dem er den Wohnort der Quangels immer mehr einkreist.

Bei den Verhören des Paares gibt Mikael Persbrandt einen brutalen Bilderbuch-Nazi - warum findet der deutsche Film die Darsteller für die fiesen Schufte derzeit eigentlich nur noch in Schweden? Daniel Brühl, Brendan Gleeson und Emma Thompson prägen mit ihrem präzisen, leisen Spiel das Drama, das auch eine große Liebesgeschichte erzählt. Denn mit dem gemeinsamen Engagement erwacht zwischen den Hauptfiguren auch die Liebe erneut.
Der Film von Vincent Pérez, der uns zuvor "Peau d'Ange - Engel weinen nicht" und "In deiner Haut" vorgelegt hat, basiert auf dem ersten deutschen Nachkriegsroman über den Widerstand im eigenen Land. Kurz vor seinem Tod hat Schriftsteller Hans Fallada auf Anregung des späteren DDR-Kulturministers Johannes R. Becher die Geschichte von Otto und Elise Hampel zu einem 900 Seiten starken Wälzer verarbeitet, Vor einigen Jahren wird der Roman dann in den angelsächsischen Ländern sowie Frankreich entdeckt und entwickelt sich zum Bestseller.

Fallada schreibt von einem Kapitel des deutschen Widerstands, das in der DDR bejubelt und in der BRD lange im Abseits steht. Auch im vereinten Deutschland tun sich die Filmemacher schwer, den Protesten aus den Reihen der Arbeiter ein Gesicht zu geben. Zuletzt ist dies der mit deutscher Beteiligung entstandenen Bestseller-Verfilmung, "Die Bücherdiebin" gelungen, an diese oft stillen Proteste zu erinnern und sie für die Nachwelt begreifbar zu machen.

Perez liefert eine werkgetreue Adaption, was die Fakten betrifft. Die Quangels wachsen mit jeder Karte. Sie sind aus ihrer Lethargie erwacht. Doch das Abarbeiten der Begebenheiten in der gediegenen Kulisse von Görlitz und der stets frisch gefegten Berliner Straße das auf dem Gelände von Studio Babelsberg entstanden ist, wo jeder Trümmerstein wohl geordnet in der Sonne glänzt, ist zu wenig, um nachhaltig zu beeindrucken.

Der Regisseur verzichtet auf jegliche Zwischen- und Grautöne und verrät letztlich sogar die Intention Falladas, der ein vielschichtiges Psychogramm der Atmosphäre in der deutschen Hauptstadt zeichnet, in der Nachbarn vor den Denunziationen der Nachbarn Angst haben. Bei Perez sind alle Menschen im Grund ihres Herzens gut - einschließlich der Polizei. Nur ein paar hart gesottene Nazis sind die Verbrecher, keine sehr historische Position.

Das klingt nach Schema F und langweilt. Diktaturen schaffen ein Anpassungsdruck auf allen Ebenen der Gesellschaft, ein Netz von Mitläufern und Spitzeln. Vincent Perez Ansatz gehört erzählerisch in die Mottenkiste. Ihm fehlt eine frische Idee, wie man diese Geschichte dem heutigen Kinopublikum erzählt.
Jeder stirbt für sich allein

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Jeder stirbt für sich allein: Erster Trailer

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