Tarnation - 2003 | FILMREPORTER.de
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Tarnation

OriginaltitelTarnation
GenreDokumentarfilm
Land & Jahr USA 2003
Kinostart    08.06.2006 (Arsenal Filmverleih)
FSK & Länge ab 12 Jahren • 88 min.
RegieJonathan Caouette
DarstellerJonathan Caouette, Renée Leblanc, Adolph Davis, Rosemary Davis, David Sanin Paz, Greg Ayres
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Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenGalerieDVDsbewerten

Tarnation erzählt die unglaubliche Leidensgeschichte von Renée Leblanc und ihrem Sohn Jonathan Caouette. Bis zum Alter von zwölf Jahren hat Renée eine glückliche Kindheit, bekommt nicht nur von ihren Eltern Bestätigung, macht sich als regional bekanntes Kindermodel einen bescheidenen Namen. Doch dann fällt sie beim Spielen vom Dach des Hauses ihrer Eltern, ist vorübergehend sogar gelähmt. Als Therapie empfehlen die Ärzte den Eltern Elektroschocks, die der Verschreibung über einen langen Zeitraum auch nachkommen. Hinzu kommen starke Psychopharmaka. Renée lernt zwar wieder laufen, doch durch die grausame Therapie erkrankt sie schließlich an Schizophrenie. Bereits in jungen Jahren wird sie schwanger. Der Vater des Kindes verlässt sie, noch bevor er von der Schwangerschaft erfährt. Aufgrund ihrer Krankheit ist sie unfähig, ihren Sohn selbst großzuziehen. Diese Aufgabe müssen die Großeltern übernehmen, die damit heillos überfordert sind. Die schwierigen Verhältnisse gehen auch an Jonathan nicht spurlos vorüber, schließlich wird auch bei ihm eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Das Leiden hat die Generationenschwelle überwunden.
Die Story von "Tarnation" hat alle Elemente eines bewegenden Psychodramas. Leider handelt es sich nicht um ein fiktives Drama, sondern die wahre Geschichte von Jonathan Caouette und seiner Mutter Renée Leblanc. "Tarnation" heißt übersetzt "verdammt"!. Mit dreißig Jahren hat Jonathan Caouette die Erlebnisse seiner Kindheit zu diesem Dokumentarfilm verarbeitet. Von der internationalen Filmpresse wird er für das Werk als Erneuerer des Genres gefeiert. Bereits mit elf Jahren fängt er an, seine Erlebnisse auf Super-8 festzuhalten, inszeniert auch eigene, fiktionale Stoffe. Diese Materialien, Fotos, Anrufbeantworteraufnahmen und unzählige andere Erinnerungsstücke bilden eine Collage seines Schicksals von seiner Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Um eine emotionale Distanz zu den schrecklichen Erlebnissen zu schaffen, berichtet der Regisseur Jonathan von der Figur Jonathan in der dritten Person, kommentierende Texttafeln schaffen eine zusätzliche Ebene. Dies verweist auch auf die in seiner Jugend diagnostizierte Persönlichkeitsstörung, die von einer krankhaften Selbstwahrnehmung geprägt ist. Das objektivierende Erzählen gehört zu den therapeutischen Maßnahmen, die Jonathan helfen sollen, sein Trauma besser zu verarbeiten. So wird die Dokumentation nicht nur zu einem Bericht seiner Geschichte, sondern auch zu einem Therapieversuch. Entstanden ist eine Art Tagebuch, die dem Zuschauer eine Intime Verbindung zur Hauptfigur ermöglicht. Dies geschieht etwa durch die farbliche Verfremdung der Bildmaterialien, durch die Untermalung mit Songs und Kommentaren der Hauptfiguren und insgesamt durch das Parallelmontage unterschiedlicher Materialien. Entstanden ist die Doku an einem ganz normalen Apple-Computer und einem handelsüblichen Computerprogramm. Independent-Regisseur Gus Van Sant hat den Film entdeckt und gefördert, mehrere Preise haben seine Expertise gestützt. So die Auszeichnung als bester nicht-fiktionaler Film der US-amerikanischen National Society of Film Critics.
Tarnation

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Die Story von "Tarnation" hat alle Elemente eines bewegenden Psychodramas. Leider handelt es sich nicht um ein fiktives Drama, sondern die wahre Geschichte von Jonathan Caouette... mehr
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