Taras Welten - 2009 | FILMREPORTER.de
Filmreporter-RSS
©Paramount Pictures

Taras Welten

OriginaltitelUnited States of Tara
GenreTV-Serie, Komödie
Land & Jahr USA 2009
RegieCraig Gillespie, Craig Zisk, Tricia Brock
DarstellerToni Collette, John Corbett, Rosemarie DeWitt, Keir Gilchrist, Brie Larson, Patton Oswalt
Homepage http://www.sho.com/site/tara/home.do
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenNewsDVDsbewerten

Gelungene Serie mit facettenreicher Toni Collette

Im Grunde führt Tara Gregson (Toni Collette) ein ganz normales Familienleben. Die Mutter und Ehefrau hat einen verständnisvollen Mann (John Corbett) und zwei aufgeweckte Kinder (Brie Larson und Keir Gilchrist), mit denen sie glücklich in einem Vorort von Kansas City lebt. Allerdings hat Tara ein Problem. Sie leidet an einer Dissoziativen Identitätsstörung. Sobald sie in eine stressige Situation gerät, kommt eine ihrer multiplen Persönlichkeiten zum Vorschein.

Zunächst schlummern drei Alter Egos in ihr, die sich immer wieder ihren Weg an die Oberfläche bahnen. Mal wird sie zum aufreizenden Teenager namens T, mal zur 1950er-Vorzeigehausfrau Alice. Manchmal verwandelt sie sich auch in Buck, einen flegelhaften Veteran des Vietnamkrieges. Im Laufe der Zeit gesellen sich weitere alternative Persönlichkeiten hinzu. Dadurch wird ein normales Familienleben immer wieder erschwert. Doch andererseits: was ist schon normal?
Die Frage nach Normalität steht von Anfang an im Fokus von "Taras Welten". Dramaturgisch nähert sich die Serie auf geschickte Weise dem Thema an. Als Zuschauer befinden wir uns von der ersten Episode an mitten im Familiengeschehen. Eine Erklärung für die unvermittelten Identitätswechsel der titelgebenden Protagonistin bekommen wir zunächst nicht. Was für uns befremdlich wirkt, wird von Taras Umfeld mit einer erfrischenden Selbstverständlichkeit hingenommen. Die alternativen Persönlichkeiten der Mutter und Ehefrau werden in gewisser Weise als weitere Familienmitglieder betrachtet, die immer mal wieder vorbeischauen. Auf diese Weise wird unsere Perspektive auf das, was normal ist und was nicht, auf clevere Weise auf den Kopf gestellt.

Die dramaturgische Herangehensweise erinnert an das einfühlsame Drama "Lars und die Frauen" von Craig Gillespie, der auch bei mehreren Episoden von "Taras Welten" für die Regie verantwortlich zeichnet und als beratender Produzent fungiert. Auch in seinem zuvor inszenierten Regiedebüt wird das abnorme Verhalten des Protagonisten von der Umwelt nicht nur akzeptiert, sondern zunehmend als selbstverständlicher Lebensumstand betrachtet. Erst im weiteren Verlauf der Serie erfahren wir nach und nach, was es mit den wechselnden Persönlichkeiten Taras auf sich hat. Der eigentliche Kern des Problems, die in der Kindheit vermutete Ursache für ihre Identitätsstörung bleibt uns allerdings ebenso verborgen, wie der Heldin. Die Suche danach zieht sich wie ein roter Faden durch die episodenübergreifende Handlung.

Neben der reizvoll umgesetzten Prämisse überzeugt die Serie durch ihre Figurenzeichnung, der man deutlich die Handschrift Diablo Codys anmerkt, die "Taras Welten" basierend auf einer Idee von Steven Spielberg entwickelt hat. Wie schon bei ihrer Leinwandkomödie "Juno" ist die Autorin auch hier darauf bedacht, dass neben der schillernden, von Toni Collette hervorragend gespielten Titelheldin auch die Nebenfiguren glänzen können. Zudem zeigt Cody erneut ihr Gespür für witzige Dialoge, die der Serie trotz der dramatischen Untertöne eine heitere Stimmung verleihen. Das passt zum liberalen Grundtenor von "Taras Welten", die wie so viele andere US-Serien die Dynamik des alltäglichen Zusammenlebens amerikanischer Mittelklasse-Familien in den Mittelpunkt rückt. Im Falle von Codys Serie wird die Familie zum beinahe utopischen Ort der Selbstverwirklichung, an dem nicht nur der Sohn in Ruhe und mit dem Wohlwollen der Eltern herausfinden kann, ob er homo- oder heterosexuell ist. Es ist ein Ort, an dem sich selbst ein Mensch mit multiplen Persönlichkeiten frei entfalten kann. Nein, das ist wahrlich kein Normalzustand. Es ist der Idealzustand.
Taras Welten

Bewertung abgeben

Bewertung
6,0 (Filmreporter)     
 (0 User)

Meinungen

Es gibt noch keine Userkritik!
Amazon
Bücher, DVDs oder das neue Heimkino für Ihren Filmgenuss




 
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenNewsDVDsbewerten
© 2017 Filmreporter.de