I'm Still Here - 2010 | FILMREPORTER.de
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I'm Still Here

OriginaltitelI'm Still Here
AlternativI'm Still Here: The Lost Years of Joaquin Phoenix; Untitled Joaquin Phoenix Documentary
GenreDokumentarfilm
Land & Jahr USA 2010
Kinostart    11.08.2011 (Koch Films)
FSK & Länge ab 16 Jahren • 106 min.
RegieCasey Affleck
DarstellerJoaquin Phoenix, Antony Langdon, Larry McHale, Casey Affleck, Jack Nicholson, Billy Crystal
Homepage http://www.imstillheremovie.com
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenNewsGalerieDVDsbewerten

Wunderbare Fake-Dokumentation mit Joaquín Phoenix

Die Schauspielerei ist ein hartes Geschäft. Ständig steht man unter der Beobachtung der Medien - jede einzelne Bewegung und Begegnung wird bewertet. Oft landet man in einer Schublade, aus der man kaum herauskommt. Das gilt auch für Joaquín Phoenix. Der Schauspieler hat sein Image als Charaktermime satt und meint, nicht mehr die Figur Joaquín Phoenix darstellen zu wollen. Stattdessen wolle er etwas machen, dass seine wahre Identität darstelle: Hip Hop.

Als er im Herbst 2008 seinen Entschluss öffentlich macht, muss er sich vielen Fragen stellen. So nimmt Musiker und Hip Hop-Produzent Sean Combs Phoenix zunächst nicht ernst, als dieser mit ihm ein Album aufnehmen will. In David Lettermans "Late Show" wird er sogar mit den Worten "Joaquín, es tut mir sehr leid, dass du heute Abend nicht hier sein konntest" verabschiedet. Doch Phoenix gibt nicht auf. Er kämpft für seine Glaubwürdigkeit und verfolgt weiter seinen Traum vom erfolgreichen Hip-Hopper.
Mit "I'm Still Here" geht Joaquín Phoenix ("Walk the Line") ein großes Wagnis ein: Würde er es schaffen sich in der Öffentlichkeit zwei Jahre lang zu verstellen? Schließlich hätte das gemeinsame Vorhaben mit Schwager Casey Affleck ("Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel") durch eine einzige falsche Bemerkung schief gehen können. Gemeinsam planen sie ab Frühjahr 2008 eine Fake-Dokumentation über Phoenix' vermeintliche Hip-Hop-Ambitionen. Sie wollten aufzeigen, wie absurd hoch die Bedeutung von Authentizität in der Film- und Medienbranche sei und wie unwichtig dabei die Realität ist. Dies ist Phoenix und Affleck inhaltlich und formal hervorragend gelungen.

Archivaufnahmen aus dem Fernsehen kombiniert Affleck in seinem Regiedebüt mit privaten Archivbildern Phoenix' und Aufnahmen seines Camcorders. Durch bewusst schlecht gesetztes Lichts und wackelige Aufnahmen treibt der Filmemacher den gewünschten Realismus-Effekt seiner Doku auf die Spitze. Ähnlich ist es mit Phoenix' Verhalten in der Öffentlichkeit. Dessen Auftreten erinnert stark an die von Sacha Baron Cohen ("Brüno") verkörperte Figur Borat: Genau wie dieser, nähert er sich seinen Mitmenschen mit übertriebener Natürlichkeit und deckt so Dinge auf, die man unter normalen Umständen nur sehr oberflächlich hätte betrachten können. In Phoenix' Fall ist es die Frage der Authentizität und Wahrhaftigkeit. Diese zählt im Show-Geschäft mehr als alles andere. Dass es meist völlig egal ist, ob man das was man macht wirklich ernst meint, zeigt "I'm Still Here". Denn aufgrund seiner Beharrlichkeit wird Phoenix in Talk Shows, Diskotheken und sogar von Musik-Produzent Sean Combs eingeladen und mit seinem angeblichen Vorhaben ernst genommen. Dies führt immer wieder zu absurd komischen Situationen. So auch als Combs entsetzt feststellt, wie schlecht Phoenix singen kann.

Trotz des Wissens, dass es sich bei "I'm Still Here" um eine gefakte Dokumentation handelt, die von Anfang an detailliert geplant war, fragt man sich immer wieder, ob das Dargestellte wirklich gespielt ist. Zu real wirkt es, wenn Phoenix von Heulkrämpfen geschüttelt zusammenbricht oder versucht Ben Stiller ("Tropic Thunder") abzuwimmeln. Seit der Premiere im Herbst 2010 auf den Filmfestspielen in Venedig, betont Affleck immer wieder, dass alles von der Kamera aufgenommene gestellt sei. Erst wenn das Gerät nicht mehr lief oder Phoenix nicht in der Öffentlichkeit stand, habe dieser seine Rolle ruhen lassen.

Es kann durchaus sein, dass Aussagen wie diese zum 'Plot' des Film-Duos gehören. Ganz unabhängig, was davon stimmt: Zweifellos gehört die Inszenierung von Phoenix' als Möchtegern-Hip-Hopper, zu seinen besten Schauspielleistungen. Denn wer schafft es sonst über solch einen Zeitraum, Mitmenschen in so einer Ganzheit zu narren und glaubwürdig zu wirken? Dies führt erneut zur Hauptaussage des Streifens: Für die Glaubwürdigkeit und realistische Wirkung einer Person ist es unwichtig, ob das Dargestellte echt ist, oder nicht. Entscheidend ist immer die Inszenierung.
I'm Still Here

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Galerie:  I'm Still Here

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