Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague - 2010 | FILMREPORTER.de
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Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague

OriginaltitelDeux de la Vague
AlternativTwo in the Wave
GenreDokumentarfilm
Land & Jahr Frankreich 2010
Kinostart    28.04.2011 (barnsteiner-film)
FSK & Länge ab 6 Jahren • 95 min.
RegieEmmanuel Laurent
DarstellerAnouk Aimée, Jean-Pierre Aumont, Charles Aznavour, Jean-Paul Belmondo, Jacqueline Bisset, Jean-Claude Brialy
Homepage http://www.godard-trifft-truffaut.de
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailerGalerieDVDsbewerten

Detailliertes Porträt zweier Kino-Rebellen

François Truffaut und Jean-Luc Godard gehörten zu den Wegbereitern des neuen Kinos, das sich Ende der 1950er Jahre unter der Bezeichnung Nouvelle Vague gegen das Kino der Qualität, wie es Truffaut abfällig formulierte. Ausgehend von Vorbildern im europäischen Kino und Tendenzen im Erzählfilm Hollywoods strebten sie ein Filmverständnis an, das Produkt eines an allen Strippen ziehenden Künstlers sein muss. Das theoretische Grundgerüst erwarben sich die Kino-Erneuerer als Kritiker. In diesem Beruf formulierten sie bereits ihre Ideen und Ideale, es diente so auch als Ausbildung für ihre spätere Berufung als Filmemacher. Im zeitgenössischen Film glaubten sie all das zu sehen, was falsch ist aber auch wie es richtig gemacht werden müsste. Es war eine Zeit des Sehens und der Reflexion, eine Zeit der Idealisierung aber auch eine Zeit großer Feindschaften. Die Liebe zum Kino war dabei immer das verbindende Element, die die gegensätzlichen Persönlichkeiten zusammenschweißte. Es konnte aber zu dem Keil werden, der diese trennte. Eine dieser Freundschaften behandelt die gelungene Dokumentation "Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague" von Emmanuel Laurent.

Truffaut und Godard gehörten von den Mitgliedern der Nouvelle Vague sicher zu deren charismatischsten Persönlichkeiten. Sowohl als Kritiker, als auch als Filmemacher waren sie von einer unbedingten Leidenschaft für den Film geprägt, ihre Forderungen an das Kino waren oft sehr radikal. Der gemeinsame Weg der Künstler hielt jedoch nicht lange. Bereits nach den ersten Filmen, die sie durch gegenseitige Unterstützung realisierten, gingen sie wieder getrennter Wege. Der Grund waren veränderte Auffassungen des Films. Während Truffaut weiter ästhetisch innovatives Kino und nichts als Kino machen wollte, wurde Godard von den gesellschaftlichen und politischen Ereignissen der Zeit mitgerissen, so dass er im politischen Kino das neue Ideal sah. Anhand von Archivaufnahmen, seltenen Fotografien sowie Filmausschnitten lässt Regisseur Laurent die Geschichte dieser Freundschaft und die Ursache des Bruchs Revue passieren. Dabei beleuchtet er auch ihre Zeit als Kritiker, gibt Einblicke in ihr komplexes Werk und versäumt es nicht, am Wesen des neuen Kinos, als das die "Nouvelle Vague" bis heute gilt, zu rühren.
Mit "Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague" hat Emmanuel Laurent eine vielschichtige Dokumentation geschaffen, der es gelingt, alle wesentlichen Aspekte der Freund- und Gegnerschaft von François Truffaut und Jean-Luc Godard anzusprechen. Die Beziehung der beiden Filmemacher wurde durch ihre Filme definiert. Wie die Verbindung der beiden Filmemacher wieder zerbrach wird differenziert und mit Sinn für Details behandelt. Einen besonderen Fokus legt Laurent auf die Leidenschaft Godards und Truffauts für den zeitgenössischen Film. Das Werk bewunderter Filmemacher wie Roberto Rossellini, Ingmar Bergman, Jean Renoir wird ebenso angesprochen, wie Fritz Lang, der in einem Interview mit Goddard zu Wort kommt.

Dass "Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague" in diesen Passagen zu einigen Verkürzungen neigt, ist sicher nicht die Schuld Laurents, sondern auf die für Godard, Truffaut und Co. typische abstrahierte Wahrnehmung von Film zurückzuführen. Gefallen lassen muss sich Laurent allerdings den Vorwurf, dass das von den Filmemachern angefeindete Kino der Qualität zu kurz kommt. Ausführlich wird in der Dokumentation nur über das Ideal gesprochen, das Bild des Hollywoodfilms oder des profillosen französischen Films bleibt blass. Gegen was empörten sich die jungen Wilden? Was veranlasste sie zu ihren teils heftigen Angriffen gegen die Vertreter des Qualitätskinos? Etwas mehr Transparenz wäre hier angebracht gewesen.

Damit bleibt letztlich auch das Bild der "Nouvelle Vague" diffus. Zwar wird klar herausgearbeitet, dass sich diese vor allem durch das Unmittelbare und das Authentische, den Schritt mit der Kamera aus den Studios auf die Straße auszeichnete, doch insgesamt greift dieser an sich richtige Ansatz zu kurz. Dieses Manko ist angesichts der vielen Themen, die Laurent anschneidet, nicht schwerwiegend. Aufgewogen wird es zudem durch den wunderbaren Blick auf die Protagonisten der Zeit. Einer davon ist auch Jean-Pierre Léaud. Das Ringen Godards und Truffauts um diesen Schauspieler, der in ihren Filmen mehrfach mitwirkte, besticht nicht nur durch seine Detailfülle, sondern ist auch faszinierend zu beobachten.
Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague

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