Submarine - 2010 | FILMREPORTER.de
Filmreporter-RSS
©Kool Filmdistribution

Submarine

OriginaltitelSubmarine
GenreKomödie
Land & Jahr Großbritannien/USA 2010
Kinostart    17.11.2011 (Kool Filmdistribution)
FSK & Länge ab 12 Jahren • 96 min.
RegieRichard Ayoade
DarstellerSally Hawkins, Darren Evans, Claire Cage, Gemma Chan, Yasmin Paige, Craig Roberts
Homepage http://www.submarine-film.de
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenNewsTrailerGaleriebewerten

Großartig erzähltes und bebildertes Spielfilmdebüt

Oliver Tate (Craig Roberts) befindet sich in einer schwierigen Phase seines jungen Lebens. Von allen Seiten wird der 15-jährige von Problemen bedrängt. In der Schule ist er nicht gerade der beliebteste und wird von Mitschülern schon mal gemobbt. Um dem Frust zu entfliehen träumt er sich oft in eine ausgeschmückte Fantasiewelt. In einem seiner Tagträume stellt er sich zum Beispiel vor, wie sein plötzlicher Tod nicht nur seine Mitschüler - vor allem die weiblichen - erschüttert, sondern geradezu eine landesweite Trauer auslöst.

Als Olivers Gefühle für Mitschülerin Jordana (Yasmin Paige) von dieser erwidert werden, bekommt er endlich die Aufmerksamkeit, nach der er sich sehnt. Doch die Beziehung der beiden steht unter einem schlechten Stern. Oliver plagen noch ganz andere Sorgen. Um die Ehe seiner Eltern Jill (Sally Hawkins) und Lloyd (Noah Taylor) steht es schlecht. Nicht nur ist Oliver aufgefallen, dass die beiden schon seit Monaten nicht mehr miteinander intim gewesen sind. Er verdächtigt seine Mutter zudem, eine Affäre mit ihrem früheren Geliebten Graham (Paddy Considine) zu haben. Weil Oliver seine ganze Kraft daran setzt, die Ehe seiner Eltern zu retten, droht seine Liebe zu Jordana zu zerbrechen. Denn die hat auch ein Drama zu bewältigen...
Die Adaption von Joe Dunthornes Romanvorlage "Submarine - Ich, Oliver Tate" ist Richard Ayoades Spielfilmdebüt. Die erzählerische Fantasie des Coming-Of-Age-Dramas ist geradezu überbordend. Seit François Truffaut hat es in der Filmgeschichte kaum einen Regisseur gegeben, der mit einer so verspielten Leichtigkeit mit einem Filmstoff umgegangen ist. Der Schauspieler, Musikvideo-Regisseur und Stand-Up-Comedian Ayoade ist allem Anschein nach ein großer Film verrückter, denn die Spuren seiner Vorbilder finden ihre Entsprechung in einem intertextuellen Spiel aus Verweisen und Anknüpfungen. Vor allem ist die wunderbare Tragikomödie eine Hommage an die Ästhetik der Nouvelle Vague, wobei Ayoade erzählerisch und motivisch immer wieder an Truffaut anknüpft. Der junge Protagonist steht zwischen den Fronten der elterlichen Schlammschlacht. Das Meer ist der Zufluchtsort des in seiner Freiheit beschränkten Jugendlichen, dazu sind etliche Motive Zitate aus dem Klassiker "Sie küssten und sie schlugen ihn". Auch bei Ayoade hat die Musik einen besonderen Stellenwerk, die er wie sein Vorbild entweder leitmotivisch oder als Akzentuierung der Zwischentitel einsetzt. Neben Truffaut könnte Jean-Luc Godard für Ayoades ambitionierten Film Pate gestanden haben. Die farblichen Abblenden erinnern etwa an das Farbspiel in "Die Verachtung", mit dem Godard mit antiillusionistischer Geste vom nackten Körper Brigitte Bardots ablenkte wollte. Ayoade selbst bringt in einem Interview auch Eric Rohmer mit dessen "Die Liebe am Nachmittag" als Vorbild ins Spiel sowie das Werk des Inders Satyajit Ray.

Das Spiel aus Reverenzen und Zitaten ist nicht nur Selbstzweck, es findet auch dramaturgisch seine Verankerung. Oliver, der illusionierte Held von "Submarine", lebt sein Leben nicht nur, er sieht es auch wie in einem Film in seiner Fantasie ablaufen. Ayoade akzentuiert das, indem er Lebenssituationen und Erfahrungen des Jugendlichen immer wieder als Film im Film inszeniert. Olivers Welt - in "Submarine" ist das nicht nur die Welt aus den Augen eines verunsicherten Heranwachsenden, sondern auch eine, in der die Grenzen zwischen Vorstellung, Illusion, Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Oft weiß man als Zuschauer nicht auf welcher Ebene sich die Erzählung befindet, im Kopf Olivers oder in dessen gelebter Erfahrung. Dann wiederum trennt Ayoade die beiden Welten, indem er Olivers Träume in die Erzählung einstreut. Der Alptraum um einen Wasserfall ist in diesem Zusammenhang in der filmischen Gestaltung und im motivischen Einfall ein kleines Meisterstück des Traumkinos.

"Submarine" ist herrlich unbestimmt. Mag die Handlung irgendwo außerhalb Londons angesiedelt sein, wie ein englischer Kritiker schrieb, so stößt man bei deren zeitlichen Bestimmung an Grenzen. Er habe "Submarine" nicht in eine bestimmte Epoche ansiedeln wollen, so Ayoade, weil das die Geschichte mit Informationen und Details anreichern würde, die ihr nicht bekämen. "Submarine" sollte vielmehr ein bisschen wie ein Märchen sein. Das macht Sinn, trifft sich doch das verklärte Märchenhafte mit der etwas verschobenen Fantasie- und Traumwelt Olivers.

Letztlich muss auch der größte Fantast sich der Realität stellen. Und so handelt "Submarine" auch von den ganz reellen Problemen von Jugendlichen, den Frusterfahrungen und Enttäuschungen beim Erwachsen-Werden, den Wonnen und Komplikationen der Liebe, dem ersten Kuss und dem ersten Sex. Wie Oliver sich der Realität stellt und selbst ein Auge für die Probleme seiner Eltern bekommt, so weitet auch Ayoade seinen Blick auf die Wirklichkeit aus.

Bei all der formalen Verspieltheit, bei allem Unbestimmten und Märchenhaften ist "Submarine" auch eine Bestandsaufnahme der sozialen Realität Englands. In Olivers schulischer Erfahrungen spiegelt sich eine kritische Haltung gegenüber den Verhältnissen in englischen Schulen. Die hohe Gewaltbereitschaft und die Desorientierung der Schüler wertet Ayoade als Folgeerscheinung einer fehlgeleiteten Erziehung. Die Eltern Olivers und seiner Mitschüler, wie Ayoade in kleinen Zwischentönen erkennen lässt, haben mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen und vergessen darüber die Sorgen ihrer Kinder. Dennoch betrachtet Ayoade sie immer auch mit einem kleinen Augenzwinkern - so ernst die Verhältnisse auch sein mögen. So skurril komisch sieht man das Traurige selten im Kino. Nicht zuletzt diese Leichtigkeit in der Weltanschauung, die sich mit der spielerischen Erzählweise des Films trifft, macht dieses Spielfilmdebüt so wertvoll.
Submarine

Bewertung abgeben

Bewertung
7,0 (Filmreporter)     
 (0 User)

Meinungen

Es gibt noch keine Userkritik!

Trailer: 

Submarine

Oliver Tate (Craig Roberts) plagen große Sorgen. In der Schule zählt er nicht zu den beliebtesten Schülern und wird immer wieder von Mitschülern gemobbt....  Clip starten
Amazon
Bücher, DVDs oder das neue Heimkino für Ihren Filmgenuss




 

Galerie:  Submarine

Richard Ayoades Spielfilmdebüt "Submarine" überzeugt vor allem mit seiner Erzählfreude, die an die Ästhetik der Nouvelle Vague erinnert. Ayoade schlägt dabei aber... mehr
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenNewsTrailerGaleriebewerten
© 2018 Filmreporter.de