Passion - 2013 | FILMREPORTER.de
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Passion

OriginaltitelPassion
GenreThriller
Land & Jahr Deutschland/Spanien/Frankreich 2013
FSK & Länge ab 16 Jahren • 97 min.
KinoDeutschland
AnbieterAscot Elite Entertainment Group
Kinostart02.05.2013
RegieBrian de Palma
DarstellerFrank Witter, Alexander Yassin, Leila Rozario, Ibrahim Öykü Önal, Polina Semionova, Gernot Alwin Kunert
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Brian de Palmas schöne Welt der Obsessionen

Christine (Rachel McAdams) ist eine erfolgreiche und gerissene Geschäftsfrau. Sie scheut nie davor zurück, ihre Mitarbeiter nach allen Rgeeln der Kunst auszubeuten. Für den Erfolg werden moralische Einwände beiseite geschoben - Skrupel sind ihr schlicht fremd. Auch ihre Mitarbeiterin Isabelle (Noomi Rapace) wurde mehrfach Opfer ihrer Intrigen. Als diese mit Christines früherem Geliebten eine Affäre beginnt, entbrennt zwischen den Frauen ein tödlicher Machtkampf.
"Passion" ist nicht nur der erste Spielfilm Brian de Palmas seit sechs Jahren, sondern nach "Mein Bruder Kain" aus dem Jahr 1992 auch der erste Thriller, den der ausgewiesene Experte des Genres inszeniert hat. Abermals erweist sich der US-Amerikaner dabei als Epigone (geistige Nachfolger) seines erklärten Vorbildes Alfred Hitchcocks. Diese Verwandtschaft äußert sich nicht nur in formaler Hinsicht, sondern auch in einem komplexen Geflecht aus thematischen und motivischen Querverweisen.

Wenn in "Passion" die Protagonistin etwa beim Geschlechtsverkehr ihr Gegenüber eine Maske tragen lässt, die ein Abbild ihres Gesichts ist, dann fühlt man sich unwillkürlich an Scotties Besessenheit in Hitchcocks "Vertigo - Aus dem Reich der Toten" erinnert. Die Verkleidung des Sexualpartners, um den eigenen ungewöhnlichen Trieben zu genügen, ist dabei das verbindende Element. Indem Scottie eine junge Frau in das Abbild seiner verstorbenen Geliebten verwandelt, wird dies zum manifestierten Ausdruck seines latenten Wunsches, mit einer Toten zu schlafen. Es handele sich um Nekrophilie, formulierte Hitchcock dieses zentrale Moment im berühmten Interview mit François Truffaut ("Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?"). In "Passion" verwandelt Christine ihre Liebhaber in eine Figur, die ihr ähnlich sehen, weil sie, um mit den Worten de Palmas zu sprechen, 'Sex mit sich selbst' haben will.

Bei Hitchcock haben viele motivische und thematische Elemente einen biographischen Hintergrund und sind Ausdruck nicht ausgelebter Obsessionen des Regisseurs. Auch de Palmas Studie über Macht und Ohnmacht, Schuld und Sühne ist mit persönlichen Erfahrungen behaftet. 'Als ich jung war, richtete sich in meiner eigenen Familie oft die Gewalt gegen Schwächere', antwortete der Regisseur, als er auf das Schuldgefühl Christines angesichts des Todes ihrer Zwillingsschwester angesprochen wurde. 'Mein Vater, meine Mutter und mein älterer Bruder Bruce nutzten ihre Macht aus. Ich war zehn Jahre alt, mein zweiter Bruder Bart war zwölf, aber er war sehr sensibel und verletzlich. Ich wollte ihn immer vor der Wut und Gewalt der Älteren beschützen. Aber das gelang mir nie, weil ich noch ein Kind war. Vermutlich rühren meine Schuldgefühle aus der Erinnerung an diese Zeit', so de Palma.

Neben Psycho-Thriller, der die labile menschliche Psyche zum Thema hat, ist "Passion" auch ein Film über den Reiz des Sinnlichen und der Schönheit. Er habe nie geleugnet, dass er lieber Frauen als Männer in Szene setze, so de Palma. In "Passion" ist es der schöne Schein seiner Hauptdarstellerinnen Rachel McAdams und Noomi Rapace, die das Auge des Betrachters gefangen nehmen. Dabei geht De Palma in seinem Remake weit über Alain Corneaus "Liebe und Intrigen" hinaus, indem er die sexuelle Anziehung zwischen den Figuren stärker akzentuiert. Während Corneau die Erotik allenfalls andeutet, zeigt de Palma die beiden Frauen in 'vollem Einsatz' (De Palma).

Der Reiz des Sinnlichen lässt sich in "Passion" auch auf der Ebene der Inszenierung nachweisen. Wie "The Black Dahlia" ist auch "Passion" eine Liebeserklärung an die stilisierte Ästhetik desFilm Noir. Nicht umsonst hat De Palma auf die Erfahrung seines Kameramanns José Luis Alcaine gesetzt. Der Spanier hat bereits für Pedro Almodóvar das Leiden und die Obsessionen der Figuren von höchst künstlichen und ästhetisch schönen Bildern eingerahmt. Bei "Passion" bewies er sich laut de Palma nicht nur als 'Meister', der die 'Kunst beherrscht, schöne Frauen auf der Leinwand noch viel schöner erscheinen zu lassen'. Er hat es auch geschafft, einen Film Noir 'in Farbe zu drehen'.
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