Halbe Treppe - 2002 | FILMREPORTER.de

Halbe Treppe

OriginaltitelHalbe Treppe
GenreDrama, Komödie
Land & Jahr Deutschland 2002
Kinostart    03.10.2002 (DCM (Delphi Filmverleih))
FSK & Länge ab 12 Jahren • 111 min.
RegieAndreas Dresen
DarstellerSteffi Kühnert, Gabriela Maria Schmeide, Thorsten Merten, Axel Prahl, Julia Ziesche, Jens Graßmehl
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenNewsDVDsbewerten

Radiomoderator Christian (Thorsten Merten) und Frau Katrin (Gabriela Maria Schmeide) ist der Gesprächsstoff schon lange ausgegangen. Auch im Bett des Frankfurter Ehepaares läuft nicht mehr viel. Auch bei den befreundeten Kukowskis hängt der Haussegen seit einiger Zeit schief. Die feinstofflich orientierte Parfümverkäuferin Ellen (Steffi Kühnert) hat die in der Badewanne zwischengelagerten Eisbeine von ihrem Mann Uwe (Axel Prahl) und den fehlenden Sinn des Imbissbesitzer für das Feine im Leben ziemlich satt. So kann es nicht verwundern, dass Christian und Ellen eine Affäre beginnen. Die heimliche Beziehung fliegt schnell auf und das Familienleben auseinander. Christian und Ellen suchen eine gemeinsame Wohnung jenseits der Plattenbautristesse. Währenddessen versucht der enttäuschte Uwe verzweifelt mit Haushalt, Kindern und aufdringlichen Musikern zurechtzukommen. Er kann und will er die Ehe mit Ellen nicht aufgeben. Auch die von Christian betrogene Katrin wüsste mit ihrer Verzweiflung nicht wohin - wäre da nicht Uwe...

Halbes Leben auf der halben Treppe mit halben Schwung in Frankfurt/Oder. Da kann doch nur die graue postsozialistische Tristesse herauskommen!? Irrtum, denn Andreas Dresen ("Die Polizistin") und seine kleine Darstellerriege überzeugen mit einem fein portionierten Humor und vielen Zwischentönen. Nur über die Improvisation und mit Hilfe des Dramaturgen Cookie Zische näherte sich das Drehbuchfreie Filmprojekt seinem Thema: "Wie kann die immer stärker empfundene Tristesse in der Lebensmitte überwunden werden?" an. Die Annäherung ist gelungen. Mit Kitsch- und Klischeefreien natürlich wirkenden Dialogen schaffen sie den Spagat zwischen der dargestellten Tristesse auf der Leinwand und der gelungenen Unterhalten vor der Leinwand. Die eingestreuten Interviews mit den Protagonisten erzeugen eine halbdokumentarischen Atmosphäre. Die Künstlichkeit dieser eingestreuten Kommentare konterkarieren mit der realistischen Handlung. Auch die als Running Gag eingestreuten überaus frischen Musikeinlagen der '17 Hippies' stärken den fiktionalen Charakter des Spielfilms und unterstreichen den Kontrast zwischen den beiden Ebenen weiter. Nicht zuletzt dieser Kunstgriff machte "Halbe Treppe" auf der 51. Berlinale zu einem großen Überraschungserfolg, der mit einem Silberner Bär sowie dem Großen Preis der Jury belohnt wurde. Recht hatten Jury und Publikum mit ihrem Urteil und Recht hatte die Berlinaleleitung mit der Entscheidung diesen Film in den Wettbewerb zu nehmen. Wer sage da noch, der deutsche Film läge in Agonie? Das alles ohne Millionenschweres Budget, ohne digitale Overkilleffekte und ohne eine arrivierte Starriege! So macht der Kinobesuch Spaß.

Bewertung abgeben

Bewertung
7,8
8,0 (Filmreporter)     
 (4 User)

Meinungen

Es gibt noch keine Userkritik!
Amazon
Bücher, DVDs oder das neue Heimkino für Ihren Filmgenuss




 
 
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenNewsDVDsbewerten
© 2014 Filmreporter.de