American Sniper - 2014 | FILMREPORTER.de
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©Warner Bros.

American Sniper

OriginaltitelAmerican Sniper
GenreAction
Land & Jahr USA 2014
Kinostart    26.02.2015 (Warner Bros. Pictures)
FSK & Länge ab 16 Jahren • 132 min.
RegieClint Eastwood
DarstellerBradley Cooper, Kyle Gallner, Cole Konis, Ben Reed, Elise Robertson, Luke Sunshine
Homepage http://www.americansnipermovie.com
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Clint Eastwoods höchst fragwürdiger Kriegsfilm

Chris Kyle (Bradley Cooper) hat schon als Kind (Cole Konis) von seinem Vater (Ben Reed) den Umgang mit Waffen gelernt. Der hatte ihm einst auch beigebracht, dass es drei Sorten von Menschen gibt: 'Schafe, Wölfe und Schäferhunde'. Schafe, die von Wölfen angegriffen und von Schäferhunden beschützt werden. Dass der Vater Recht hat, erfährt Chris bald am eigenen Leibe.

Als die US-Botschaften in Afrika Ende 1998 Ziele terroristischer Angriffe werden, meldet sich der junge Rodeo-Reiter freiwillig beim Militär. Bald nach den für die USA traumatischen Terroranschlägen am 11. September 2001 wird er bei den Navy-SEALS zum Scharfschützen ausgebildete Soldat in den Irak geschickt, wo er mit seinen gezielten zum Rückgrat seiner Einheit wird. Während zu Hause seine Frau Renae (Sienna Miller) auf ihn wartet, wird Chris im Irak als Legende gefeiert.
Clint Eastwoods Kriegshymne "American Sniper" liegt die gleichnamige Autobiographie Chris Kyles zugrunde und das ist das größte Problem seines umstrittenen Kriegsfilms. Mag das Werk filmisch zumindest zeitweise überzeugen, ist es als Schilderung von Krieg, Leid und Zerstörung mehr als problematisch. Der Regisseur und sein Drehbuchautor Jason Dean Hall ("Paranoia - Riskantes Spiel") nehmen konsequent die Perspektive des Kriegsveteranen an, ohne sich auch nur ansatzweise von dessen militaristischen Positionen zu distanzieren. Die Folge ist eine derart vereinfachte Sicht auf die Ereignisse, dass man sich über die Bild gewordene Naivität wundern müsste, wenn dahinter nicht eine geschickt versteckte politische Haltung stehen würde.

Aus Kyles Sicht, der im Irak mehrere Kampfeinsätze hatte, ist nicht nur die Welt in Täter, Opfer und Beschützer aufgeteilt. Auch der asymmetrische Krieg zwischen den westlichen Ländern und den islamistischen Terroristen ist alles andere als komplex und undurchschaubar. Nein, eine der größten geopolitischen Probleme der Gegenwart liegt ganz einfach auf der Hand: hier die Guten, die nichts Schlimmes ahnen, dort die Bösen, die Kinder für ihre Ziele instrumentalisieren und ihnen mit Bohrmaschinen die Schädel zertrümmern; hier der Frieden, dort die Bedrohung; auf der einen Seite die Aktion, die Terroranschläge auf die USA und ihre institutionellen Einrichtungen, auf der anderen Seite die Reaktion, der notwendige Kriegseinsatz.

Aus der grundsätzlichen Überzeugung heraus, seine Familie und sein Vaterland, die westlichen Werte, ja die gesamte bedrohte Welt vor dem Bösen zu schützen, geht auch Kyle in den Irak. Selbst als er aus dem Dienst entlassen wird, kehrt er immer wieder zum Kriegsschauplatz zurück. Das Motiv der freiwilligen Rückkehr des Soldaten an die Front hat zuletzt auch Kathryn Bigelow in ihrem weitaus differenzierteren Kriegsdrama "Tödliches Kommando" behandelt. Während Bigelow ein feinfühliges Psychogramm einen Mannes zeigt, für den der Krieg zu einer Droge geworden ist und der ohne den Adrenalin-Rausch im Angesicht der Todesgefahr nicht mehr leben kann, wird Kyle ausschließlich von seiner verblendeten Weltrettungsmission angetrieben.

Diese Überzeugung mag das Recht des Porträtierten sein, das Fragwürdige an "American Sniper" ist, dass Eastwood und Hall keinerlei Anstalten machen, dessen simple Weltsicht zu hinterfragen. Auch dass der 'erfolgreichste' Scharfschütze des US-Militärs bei seinen mehr als 160 offiziellen Tötungen - die inoffizielle Zahl soll angeblich bei über 250 liegen - auch nur eine Fehlentscheidungen getroffen haben könnte, blenden sie komplett aus. Alle gezielt getöteten Feinde waren gerechtfertigt und mit jedem Toten, der ein potenzieller Mörder war, wurde das Leben eines US-Soldaten gerettet. Nur einmal wird von einem Kameraden Kyles angedeutet, dass einer der Getöteten statt einer Waffe einen Koran in der Hand gehalten haben mag. Nein, es war eine Waffe, entgegnet der unerschütterliche Soldat. Sagt es, wischt das Problem vom Tisch - und Eastwood und Hall nehmen es hin.

Grauzonen und Ambivalenzen sind in der naiven Heldenverklärung Eastwoods nicht erwünscht. Während die anhaltenden post-traumatischen Probleme des Soldaten ein Standardmoment des Antikriegsfilms ist, ist der Veteran in "American Sniper" allenfalls ein Mann mit leicht erhöhtem Blutdruck. Das passt zur dünnen Psychologisierung der Figur ebenso wie die Tatsache, dass das Drehbuch es versäumt, Kyles Handlung hinreichend zu motivieren. Dass der nicht nur wegen des Pflichtgefühls wiederholt in den Krieg gezogen, sondern - wie Bigelows Protagonist - dem Rausch des Morbiden erlegen sein oder gar Freude am Töten von Feinden empfunden haben könnte, findet sich selbst in allgemein zugänglichen Online-Portalen. Eastwood und Hall sparen das und viele weitere strittige Punkte aus dem Leben des 'tödlichsten Scharfschützen der USA' bewusst aus. Sie problematisieren ihren umstrittenen Protagonisten nicht, ganz einfach weil das ihre Heldenstilisierung oder gar ihre propagandistische Intention vereiteln würde.
American Sniper

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