Plötzlich Gigolo - 2013 | FILMREPORTER.de
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Plötzlich Gigolo

OriginaltitelFading Gigolo
GenreKomödie
Land & Jahr USA 2013
Kinostart    06.11.2014 (Concorde Filmverleih)
FSK & Länge ab 0 Jahren • 91 min.
RegieJohn Turturro
DarstellerJohn Turturro, Woody Allen, Vanessa Paradis, Liev Schreiber, Sharon Stone, Sofía Vergara
Homepage http://www.facebook.com/pages/Fading-...
http://www.fadinggigolo-derfilm.de
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Woody Allen vermittelt John Turturros Liebesdienst

Buchladenbesitzer Murray (Woody Allen) hat eine Idee, wie sein und der Geldbeutel seines besten Freundes, Blumenhändler Fioravante (John Turturro), wieder aufgefüllt werden könnten. Seine Hautärztin (John Turturro) ist auf der Suche nach einem erotischen Abenteuer und denkt dabei an eine delikate Ménage à trois. Sie, ihre Freundin Selima (Sofía Vergara) und ein Mann wären die perfekte Konstellation. Am Finanziellen soll das Unternehmen nicht scheitern.

Murray wittert ein lukratives Geschäft und wendet sich mit dem Anliegen an Fioravante. Im Gegensatz zu ihm sei sein Freund schließlich im besten Alter. Der bescheidene Blumenverkäufer ist alles andere als begeistert von der kruden Idee. Er sei kein Typ für amouröse Abenteuer und sehe nicht einmal besonders gut aus. Dennoch lässt er sich auf den Deal ein und wächst mit seiner schüchternen und melancholischen Art bald zu einem modernen Don Juan heran, der sich für seine Liebesdienste reichlich entlohnen lässt. Als er die junge Witwe Avigal (Vanessa Paradis) kennenlernt, droht dem florierenden Geschäft das Ende.
John Turturro ist mit seiner fünften Regiearbeit das Kunststück gelungen, Woody Allen zu einem seiner selten gewordenen Auftritte als Schauspieler zu überreden. Der Meister hatte sich in den letzten Jahren vor der Kamera rar gemacht, spielte allenfalls in seinen eigenen Filmen mit, wobei er selbst hier meist nur noch als komischer Sidekick zu sehen war, so in "Scoop - Der Knüller" und "To Rome with Love". Auftritte für andere Regisseure hat der Filmemacher so gut wie ganz eingestellt.

Allens Einfluss, der neben seiner Aufgabe vor der Kamera auch am Drehbuch ein Wörtchen mitzureden hatte (siehe das Interview mit John Turturro auf Filmreporter.de), tut "Fading Gigolo" einerseits gut; die Tragikomödie versprüht viel von dem Charme seiner eigenen Filme. Andererseits gereicht sie dem Film zum Nachteil, da Turturro daran scheitert, dem Werk seinen eigenen Stempel aufzudrücken und auf halben Wege zwischen Eigenständigkeit, Hommage und Kopie des Vorbildes stecken bleibt.

Wie Allens Filme lebt auch "Plötzlich Gigolo" sehr von der Atmosphäre, die von der stimmungsvollen Musik einerseits, der nicht minder stimmungsvollen Kameraarbeit von Marco Pontecorvo (dem Kameramann von Turturros "Passione!"), dem Schauplatz New York und der melancholischen, in der Welt verlorenen und an ihr verzweifelnden Charakteren bestimmt wird. Die Unvereinbarkeit von Lebenstraum und Wirklichkeit und die damit zusammenhängende Melancholie durchzieht Turturros tragikomischen Film von Anfang bis Ende. Allenfalls die Figur Murrays schafft es, mit der für Allen typischen Leichtigkeit angesichts alltäglicher und existentieller Probleme einen Gegenpol zur allgemeinen Tristesse zu bilden.

Während Allens Murray für die komischen Akzente des Films sorgt, ist Turturros Blumenhändler Mittelpunkt und Herz der Tragikomödie. Fioravante ist ein einsamer und schüchterner Mann, der wie sein Freund von der schnelllebigen Welt von heute nach und nach verschluckt wird. Mit seiner melancholischen und charmanten Art übt er trotz seines unauffälligen Äußeren eine große Anziehungskraft auf seine Kundinnen aus. Sharon Stone und "Modern Family"-Darstellerin Sofía Vergara spielen diese Frauen, die nur scheinbar strahlende und selbstbewusste Schönheiten sind, im Innern vielmehr eine große Empfindsamkeit erkennen lassen.

Kulminationspunkt von Turturros unglücklichen, sich an den Lebensverhältnissen reibenden Menschen ist die von Vanessa Paradis gespielte Witwe. In der Begegnung zwischen dem Gigolo und der jungen Frau, die von Tradition und Glauben zur Trauer um ihren verstorbenen Mann angehalten wird und dafür ihre Gefühle opfern muss, kristallisiert sich das zentrale Thema von "Plötzlich Gigolo".

Es geht Torturro um das Menschliche in einer immer anonymer werdenden Welt, um die Sehnsucht des Einzelnen nach Leben und Freiheit, nach Intimität und Geborgenheit. Das ist der Grund, wieso bei ihm New York, eine der schnelllebigsten und pulsierendsten Städte der Welt, so seltsam unmodern und verstaubt wirkt. Turturro, der Traditionalist und Romantiker des Kinos, beschwört und sucht die Werte einer vergangenen Zeit. In den kleinen Läden und Geschäften, bei Menschen mit elementaren Sehnsüchten, findet er den kümmerlichen Rest des Essentiellen.
Plötzlich Gigolo

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John Turturro in Doppelfunktion an seinem Arbeitsplatz

Interview:  Intim: John Turturro wird "Plötzlich Gigolo"

Dass John Turturro nicht nur ein großer Schauspieler ist, sondern auch als Regisseur eine gute Figur macht, hat er längst bewiesen....
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