Swing - 2002 | FILMREPORTER.de
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Swing

OriginaltitelSwing
GenreMusikfilm, Drama
Land & Jahr Frankreich 2002
Kinostart    19.09.2002 (Arsenal Filmverleih)
FSK & Länge 90 min.
RegieTony Gatlif
DarstellerOscar Copp, Lynn Red Williams, Tchavolo Schmitt, Mandino Reinhardt, Abdellatif Chaarani, Fabienne Mai
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Max (Oscar Copp), der seinen Urlaub bei der Großmutter in Straßburg verbringt, verliebt sich zunächst in die Musik der Manouche, der französischen Sinti und bald darauf auch in die frechmelancholische Swing. Jede freie Minute verbringt der Zehnjährige in dem heruntergekommenen Bonlieu Straßburgs. Dort wohnen die Manouche in Wohnwagen und Mietskasernen zwar ärmlich aber beileibe nicht armselig. Miraldo (Tchavolo Schmitt), der Max das Gitarrenspiel beibringen will, lehrt ihm mit dem Herz und den Ohren zu spielen und nicht mit dem Kopf. Im Austausch für die Lehrstunden hilft Max seinen neuen Freunden beim Briefverkehr mit den Ämtern, denn der Gitarrenvirtuose kann weder richtig lesen noch schreiben. Ein ereignisreicher Sommer hat begonnen.
Erste Liebe, Swing manouche, das Leben mit dem Herzen erfühlen, das sind die Eckpunkte von "Swing". Regisseur Tony Gatlif thematisiert die Welt der Roma und Sinti in all seinen Filmen. Gatlif, selbst ein halber 'Zigeuner', portraitiert mit viel Einfühlungsvermögen die Lebensweisen, Gebräuchen und Gesetzte des nicht immer fahrenden Volkes. Im Mittelpunkt seiner Filme steht jedoch stets ihre Musik. Sein Meisterwerk "Latcho Drom" etwa, der in Deutschland leider nur auf Festivals zu bewundern war, verweigert sich fast vollständig klassischen Dialogen und Handlungsstränge, er ist ganz der Musik und des getriebenen Volkes gewidmet. Die Musik der französischen Sinti, der Manouche, steht in Tradition von Django Reinhardt (1910-1953), der mit seinem legendären Quintette du Hot Club De France den Jazz in das musikalisches Vermächtnis seines Volkes implantierte. Immer noch sehr zurückgenommen, aber stärker als in seinen bisherigen Filmen setzt Gatlif auf eine Rahmenhandlung. Wie bereits bei "Gadjo Dilo" hat es bei Gatlif Tradition, Max, einen Gadjo (Nichtzigeuner) zu seinem Hauptprotagonisten zu machen. Dass der im Problemviertel Neuhof gedrehte Film die Gewalt und das soziale Elend ausblendet, ist bedauerlich. Aber es war nie Gatlifs Ansinnen, die stark ausgeprägten negativen Klischees über sein Volk wiederzukäuen. Die schönen, nie hektischen Bilder der idyllischen Rheinauen und der Swing manouche ergänzen sich ideal. Der Rhythmus des Swing prägt den Film fast durchgängig, er begleitet ihn, verbindet die etwas stockend erzählte Rahmengeschichte und macht dem Zuschauere Appetit auf ein Konzert von Tchavolo Schmitt, dessen Gitarrensoli durchweg begeistern. Es gilt "Swing" mit offenen Augen, Ohren und Herzen zu genießen. Und noch ein Tipp am Rande: in Strassbug findet jedes Jahr ein Musikfestival mit Roma und Sinti aus der ganzen Welt statt. Hier lässt sich der Swing manouche in allen seinen Ausprägungen erleben.

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