Die Spur des Fremden - 1946 | FILMREPORTER.de
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Die Spur des Fremden

OriginaltitelThe Stranger
GenreDrama, Thriller
Land & Jahr USA 1946
FSK & Länge 95 min.
RegieOrson Welles
DarstellerEdward G. Robinson, Loretta Young, Orson Welles, Philip Merivale, Richard Long, Konstantin Shayne
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Konventionell inszenierten Krimi von Orson Welles

Die idyllische Kleinstadt Harper in Connecticut, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Der nette Charles Rankin (Orson Welles) möchte die hübsche Lehrertochter Mary (Loretta Young) heiraten. Doch am Vorabend ihrer Hochzeit kommt ein furchtbarer Verdacht auf: Ist Rankin in Wirklichkeit der ehemalige KZ-Kommandant Franz Kindler? Versteckt er sich nur hinter der Maske des Biedermanns? Der engagierte FBI-Mann Wilson (Edward G. Robinson) versucht, Licht in das Dunkel zu bringen.
Als Orson Welles 1946 "Die Spur des Fremden" drehte, war sein Einfluss in Hollywood bereits vollständig demontiert. Fünf Jahre zuvor hatte er mit seinem Debüt "Citizen Kane" eines der größten Meisterwerke der Filmgeschichte geschaffen, sich zugleich aber zur Persona non grata gemacht. Seine Verhohnepiepelung des Medienzaren William Randolph Hearst kam ihn teuer zu stehen: Hearst, der sich vollkommen zurecht in der Figur Kane wiedererkannte, setzte alles daran, Welles' Film zu vernichten - in der Folge wurde der Regisseur gemieden und drangsaliert wie kein anderer in der Geschichte Hollywoods.

"Der Glanz des Hauses Amberson" wurde 1942 gegen Welles' Willen umgeschnitten und inhaltlich verstümmelt, neue Projekte finanziert zu bekommen, war für das einstige Wunderkind fast unmöglich. Mit seinem dritten Film wollte Orson Welles die Wogen glätten. "Die Spur des Fremden" sollte als konventioneller, geradliniger Krimi seine Reputation als unkalkulierbares Risiko zurechtrücken und dringend benötigtes Geld in die leeren Taschen spülen. Die Folge war ein Werk, dem die innovativen Qualitäten eines Orson-Welles-Films weitgehend fehlen. Zwar geht Welles hier einmal mehr seiner Lieblingsfrage nach Fakt und Fiktion, Echtheit und Fälschung nach, jedoch stets auf dem Niveau eines Krimis von der Stange. Verglichen mit späteren Off-Hollywood-Werken wie "Othello", "Der Prozess" oder "F wie Fälschung" bleibt "Die Spur des Fremden" blass. Für Welles selbst war sein einziger konventioneller Film auch der einzige, den er für wirklich misslungen hielt. Und den Weg zurück ins Hollywood-Establishment konnte er ihm auch nicht ebnen.

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