Fünf Uhr am Nachmittag - 2003 | FILMREPORTER.de
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Fünf Uhr am Nachmittag

OriginaltitelPanj é asr
Untertitel(AKA At Five in the Afternoon)
GenreDrama
Land & Jahr Iran/Frankreich 2003
Kinostart    01.07.2004 (Alamode Film)
FSK & Länge ab 6 Jahren • 105 min.
RegieSamira Makhmalbaf
DarstellerAgheleh Rezaïe, Abdolgani Yousefrazi, Razi Mohebi, Marzieh Amiri
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Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenGaleriebewerten

Das Land liegt nach dem Krieg gegen Russland, dem jahrelangen Bürgerkrieg, der nicht minder destruktiven Regierungszeit der Taliban und dem amerikanischen Rachefeldzug in Trümmern. Die Afghanen empfinden die neue Zeit nicht nur als Befreiung. Sie suchen nach einer Unterkunft, einem Jobs oder einfach nur Lebensmitteln zum Überleben. Gleichzeitig streben sie jedoch auch nach Bildung, versuchen ihre in den Grundfesten erschütterte Gesellschaft wieder aufzurichten.

So möchte Noqreh (Agheleh Rezaïe) die erste Präsidentin Afghanistans werden, doch selbst der Weg zur Schule ist für die couragierte junge Frau ein kompliziertes Unterfangen. Nicht nur, dass die meisten Männer sich Frauen im öffentlichen Leben nicht vorstellen können und vor allem ältere Männer sich bereits beim Anblick einer unverschleierte Frau entsetzt abwenden, auch ihr Vater (Abdolgani Yousefrazi) ist sehr konservativ. Der gottesfürchtige Kutscher hat mit der verzweifelten Schwiegertochter Leihlomah (Marzieh Amiri) und ihrem unterernährten kranken Säugling genug Sorgen, überdies ist sein Sohn - ein Lastwagenfahrer - von der letzten Tour nicht zurückgekehrt. Neben der Sorge um sein Wohlergehen fehlt der bettelarmen Familie das Einkommen. Aus Rücksicht für den Vater zieht sich Noqreh erst auf dem Schulweg die hochhackigen Schuhe an, erst unterwegs hebt sie den Schleier ihrer schwarzen Burka und stolziert mit dem Sonnenschirm zur Schule.
Die Perserin Samira Makhmalbaf präsentiert eine differenzierte Sicht auf Afghanistan. Die Träume und Pläne der durchaus optimistischen Protagonistin kontrastiert mit dem Schicksal ihrer Familie. Die Afghanen sind völlig auf sich selbst gestellt, trotz der auch für Frauen und Mädchen wiedereröffneten Schulen und der von den Talibanfesseln befreiten Gesellschaft fehlt es dem Land an wirtschaftlichen Perspektiven und einem gesellschaftspolitischen Grundkonsens. "Fünf Uhr am Nachmittag" brilliert mit ausdrucksstarken, symbolhaften Bildern. Makhmalbaf gelingt mit der traurigen, gleichzeitig kuriosen Geschichte ein tiefer, dabei stets humorvoller Blick in die Seele der geschundenen Gesellschaft. Sie vermeidet grobe Schwarz-Weiß-Malerei oder grobe polemische Angriffe auf den orthodoxen Islam afghanischer Prägung. Nachdem uns bereits Siddiq Barmak mit "Osama" ein einfühlsames Mädchenschicksal nahegebracht hat, bereichert und vervollständigt Makhmalbaf mit ihrem preisgekrönten Drama unser Wissen über die archaische Gesellschaft Afghanistans. Der Lohn für das poetische Drama sind der Spezialpreis der Jury sowie der Preis der ökumenischen Jury in Cannes 2003.

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Die Perserin Samira Makhmalbaf präsentiert eine differenzierte Sicht auf Afghanistan. Die Träume und Pläne der durchaus optimistischen Protagonistin kontrastiert mit dem... mehr
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