Liebe mich - wenn du dich traust - 2003 | FILMREPORTER.de
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Liebe mich - wenn du dich traust

OriginaltitelJeux D'Enfants
GenreDrama
Land & Jahr Frankreich/Belgien 2003
Kinostart    12.08.2004 (Alamode Film)
FSK & Länge ab 12 Jahren • 93 min.
RegieYann Samuell
DarstellerGuillaume Canet, Marion Cotillard, Thibault Verhaeghe, Joséphine Lebas-Joly, Emmanuelle Grönvold, Gérard Watkins
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Absurdität, Überhöhung, Verspieltheit, Groteske

Irgendwo, in einer belgischen Stadt. Die achtjährigen Julien Janvier (Guillaume Canet) und Sophie Kowalski (Marion Cotillard) sind Klassenkameraden. Julien stammt aus gediegen-geordneten Verhältnissen, Sophie lebt in einer tristen Siedlung, sie wird als Polakin gehänselt. Zwei Welten. Als Sophie eines Morgens auf dem Schulweg wieder von den anderen Kindern traktiert wird, ihre Sachen in den Pfützen landen und der Schulbus bereits wartet, da kommt Julien zu ihr, hilft und schenkt ihr eine Spieldose, ein Blech-Karussell. Die beiden schließen einen Pakt miteinander, der sie ein Leben lang aneinander binden wird, und fortan gilt: "Top oder flop", wer traut sich mehr, wer wagt mehr als der andere?

Ein Spiel, aus dem manchmal bis an die Grenzen reichender Ernst wird, ein existentielles Spiel. Zehn Jahre später, da ahnen sie längst, dass es nicht nur Freundschaft ist, was sie verbindet, sondern Liebe. Aber sie können es sich nicht zugestehen. Und spielen das Spiel weiter. Sie geht in Unterwäsche zur Prüfung, er verführt eine der anderen Prüflinge. Beides waren Wetteinsätze. Dann gehen sie andere Bindungen ein, Julien heiratet, Kinder kommen. Wieder vergehen zehn Jahre. Dieses Mal wissen sie es, sind sich sicher: Sie lieben sich..."Top oder flop?"
Für Yann Samuell dürfte jemand wie der ältere Regie-Kollege Jean-Pierre Jeunet ("Die fabelhafte Welt der Amélie", 2001) Vorbild-Funktion haben. Das Universum von "Jeux d'enfants", das ist jenem von "Delicatessen" (1991) oder "Stadt der verlorenen Kinder" (1995) sehr verwandt. Absurdität, Überhöhung, Verspieltheit, Groteske - das verbindet Samuell mit Jeunet. Das Exzentrische schlägt sich dabei sowohl im Inhalt als auch in der Form, der Visualität, der Bildsprache nieder.

Doch was bei Jeunet von einer Leichtigkeit ist, und selbst die absurdesten Situationen als natürlich gegeben akzeptieren lässt, das mag bei Samuell nicht recht aufgehen. Yann Samuell, der hier auch allein für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, hat sein Liebesdrama derart durchstrukturiert, dass das Reißbrett an dem die Geschichte entworfen wurde in vielen Szenen geradezu sichtbar ist. "Jeux d'enfants" ist ein durch und durch verkopfter Film, ein Konstrukt, bei dem es nicht um das erzählte Leben der beiden Protagonisten geht, sondern darum, wie die Räume und Häuser und Plätze aussehen, an denen sie sich aufhalten. Bei Jeunet bereichert das Artifizielle, bei Samuell belastet es. Selbst, als Juliens krebskranke Mutter im Sterben liegt, sind dem Regisseur das Dekor, die Ausstattung, die Kamerabewegungen wichtiger als das, was inszeniert wird. Und irgendwann, da beginnen die "Top oder flop"-Wetten des Paares, anstrengend zu werden. Nein, nicht noch eine Katastrophe, denkt man unweigerlich, nicht noch mal die Spieldose als Existenz-Einsatz. Jetzt, wo Hollywood ruft, da mag genau das richtig sein: Form statt Inhalt.

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