Filmkritik: Fette Beute | FILMREPORTER.de
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Szene aus Der Fluch der Karibik
Die Piraten zurück: bunt, laut und erfolgreich!

Fette Beute

Groß, laut und teuer: Das nicht nur mit Effekten überladene Piratenabenteuer "Der Fluch der Karibik" ist der Kinofilm zu Disneys Themenparkspektakel "Pirates of the Caribbean". Doch Johnny Depp verhindert Schlimmeres. War es ein Anflug von Größenwahn? Erfolgproduzent Jerry Bruckheimer ("Armageddon") wollte es wieder einmal wissen: Mit dem Piratenfilm "Fluch der Karibik" versuchte er sich - unterstützt von Filmemacher Gore Verbinski ("The Ring") - ausgerechnet an dem Genre, das in den letzten Jahren regelmäßig an den Kinokassen unterging. Doch zur Überraschung vieler Spötter segelte der mit Horror-Elementen aufgepeppte Popcorn-Hit in den amerikanischen Kinocharts der Konkurrenz davon. Bruckheimer reibt sich ob des gelungenen Raubzugs schon die Hände und plant eine Fortsetzung.
Von  Rico Pfirstinger/Filmreporter.de, 28. August 2003

Keira Knightley in: Der Fluch der Karibik

Keira Knightley in: Der Fluch der Karibik

"Cutthroat Island" alias "Die Piratenbraut" erlitt vor acht Jahren am Box-Office dermaßen Schiffbruch, dass er die legendäre Produktionsfirma Carolco ("Rambo", "Terminator 2 - Tag der Abrechnung") gleich mit in die Tiefe riss. Seitdem gelten Piratenfilme in der Traumfabrik als Kassengift, an das sich höchstens lebensmüde Zocker wagen würden.

Zum Beispiel Jerry Bruckheimer (57): Der Produzent von Blockbustern wie "Armageddon" und "Pearl Harbor" kam den synergiefreudigen Disney-Managern gerade recht, als diese ihr Themenpark-Spektakel "Pirates of the Caribbean" in einen Kinofilm verwandeln wollten. Was Bruckheimer anfasst, wird zu Gold, und der vom Besucherrückgang in den Freizeitparks, sinkenden TV-Einschaltquoten und deftigen Kinoflops finanziell angeschlagene Mäusekonzern brauchte dringend einen Sommerhit. Bruckheimer warf Disneys Drehbuchvorschlag allerdings gleich über Bord und heuerte stattdessen das Autorenduo Ted Elliott und Terry Rossio an, das zuvor Trickfilmhits wie "Shrek - der tollkühne Held" aber auch Desaster wie "Der Schatzplanet" geschrieben hatte. Die beiden verpassten der simplen Piratenstory einen gleichermaßen gruseligen wie publikumsträchtigen Twist, doch Bruckheimers Geniestreich bestand am Ende darin, Hollywoods enfant terrible Johnny Depp in das Kostüm eines exzentrischen Piratenkapitäns zu stecken.

Orlando Blum und Johnny Depp in: Der Fluch der Karibik

Orlando Blum und Johnny Depp in: Der Fluch der Karibik

Der heißt Jack Sparrow und hegt einen tiefen Groll gegen seinen Kollegen Kapitän Barbossa (Oscar-Preisträger Geoffrey Rush), der ihm einst meuternd sein Piratenschiff "Black Pearl" gestohlen und ihn auf einer einsamen Insel zurückgelassen hatte. Doch Barbossa und seine Mannen hatten an Sparrows Schiff nicht lange Freude, denn ein Fluch verwandelte die Crew in untote Gesellen: Bei Tageslicht sehen sie wie normale Menschen aus, im Mondenschein dagegen skelettiert. Igitt! Um den Fluch zu brechen, brauchen die Zombies das Blut einer schönen Maid (Keira Knightley aus "Kick It Like Beckham"), die ehetechnisch dem hochnäsigen Hafengouverneur (Jonathan Pryce) versprochen ist, tatsächlich aber den brav-niedlichen Schmied Turner (Orlando Bloom) liebt. Klingt kompliziert? Ist es natürlich nicht, und in endlosen (Zwei-)Kämpfen und Seegefechten hat das Publikum viel Zeit, den nicht vorhandenen Sinn hinter der blutrünstigen (aber jugendfreien) Story zu ergründen. Auch die Digitaleffekte-Macher von Industrial Light & Magic ("Hulk") hatten wieder viel zu tun, und es hätte nicht geschadet, wenn das 140 Minuten lange Popcorn-Abenteuer kürzer ausgefallen wäre.

Zum Glück ist da noch Johnny Depp. Der sagte nicht nur Errol Flynn und Co. Adieu, sondern schuf mit Jack Sparrow eine vollkommen originelle Piratenfilmfigur, wie man sie so noch nie gesehen hat. Wie ein bekiffter Rockstar (Keith Richards stand angeblich Pate) taumelt er goldbezahnt und transvestitenhaft von Missgeschick zu Missgeschick. Sparrow ist ein Exzentriker, total plemplem und schmuddelig - und er ist der eigentliche Held des Films, dem man als Zuschauer mit einer Mischung aus Ekel und Faszination begegnet. Depp in "Der Fluch der Karibik" bei der Arbeit zuzusehen, ist schon allein das Geld für eine Kinokarte wert.

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