Filmkritik: Erzählerisches Event-Kino? | FILMREPORTER.de
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Feature

Kameramann Martin Langer und Regisseurin Hermine Huntgeburth am Set in Kenia
Liebe, Lust und Leiden in Kenia

Erzählerisches Event-Kino?

Erzählerisches Event-Kino statt ernüchternder Ethno-Film präsentiert Hermine Huntgeburth mit der Verfilmung des Bestsellers "Die weiße Massai" der Erfolgsautorin Corinne Hofmann. Die spannende Liebes-Affäre einer weißen Urlauberin aus der Schweiz mit einem jungen Kenianer ist der Stoff, aus dem romantische Frauenromane und erfolgreiche Kino-Adaptionen gewebt sind.
Von  Jean Lüdeke/Filmreporter.de, 11. September 2005

Folgt nach der großen Liebe zwangsläufig der Kampf der Kulturen?

Folgt nach der großen Liebe zwangsläufig der Kampf der Kulturen?

Am Anfang war das Feuer von Lust und Leidenschaft: Am Ende ihrer gemeinsamen Ferien in Kenia lernt Carola (Nina Hoss) den Samburu Lemalian (Jacky Ido) kennen. Hals über Kopf verschießt sie sich in den hoch gewachsenen stattlichen Krieger mit seiner traditionellen Stammes-Kleidung. Und das so konsequent, dass sie gleich den Rückflug storniert und Freund Stefan (Janek Rieke) allein in die Heimat zurück schickt. So bleibt sie allein in der Fremde, um nach Lemalian zu suchen. Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch die schwarzafrikanische Wildnis trifft sie die Deutsche Elisabeth (Katja Flint), die ihr hilft, ihre Liebe zu finden. Sie folgt ihm in sein Dorf Barsaloi und beschließt, ihrem alten Leben in der Schweiz endgültig den Rücken zu kehren.

Allen Widerständen zum Trotz baut sie sich in kargen Verhältnissen eine neue Existenz auf. Doch was als Liebe des Lebens, als Himmel auf Erden beginnt, erwächst immer mehr zu Carolas unerträglichen Last des Seins. "Dies ist der Bericht über meine im kenianischen Busch verbrachten vier Jahre. Ich folgte damals der großen Liebe meines Lebens und erfuhr Himmel und Hölle. Es wurde mein größter Überlebenskampf!", konstatiert Buchautorin Corinne Hofmann, deren Roman ein Jahr die Bestsellerlisten anführte und mittlerweile in 16 Sprachen übersetzt wurde.

Diesen Überlebenskampf hat sich Regisseurin Huntgeburth mit großer filmischer Präzision angenommen. Mit dem für deutsche Verhältnisse stattlichen Sieben-Millionen-Euro Budget drehte sie an den Originalschauplätzen in Kenia 46 Tage lang von September bis Dezember 2004. Neben der charismatischen Nina Hoss, die bislang vor allem in den minimalistischen Filmdramen von Christian Petzold glänzte, konnte der schöne Franzose afrikanischer Herkunft, Jacky Ido, für die Titelrolle gewonnen werden.

Gleichwohl erscheint der cineastische Trip in die Wirren der Wildnis-Liebe bisweilen so versatzstückartig wie die Produkt- und Dekor-Ausstellung einer afrikanischen Versand-Boutique. Die zieht den Betrachter mit ihren mystischen Figuren und glänzenden Ketten und magisch-horriblen Spektakeln - wie Beschneidungs -und Schlachtungsrituale - magisch in den Bann. Doch das eigentlich intensive Spannungs-Verhältnis, die Kollision der beiden Kulturen, kommt filmisch nicht genug zum Ausdruck.

Am Ende bleibt die Asche der ernüchternden Erkenntnis, dass Carolas sehnsüchtiger Trip ins weit entfernte Liebes-Walhalla zwar eine wichtige Lebenserfahrung wert ist, jedoch alles in allem, mit Verlust, Trennung und Rückkehr überhöht beglichen wird.
Jean Lüdeke/Filmreporter.de - 11. September 2005

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