Filmkritik: Transcendence: Naniten und sedierte Wissenschaftler | FILMREPORTER.de
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Transcendence
Zukunfts-Thriller von "Inception"-Kameramann Wally Pfister

Transcendence: Naniten und sedierte Wissenschaftler

In einem Zukunfts-Thriller von "Inception"-Kameramann Wally Pfister darf Johnny Depp einen eher gelangweilten als gefährlichen verrückten Wissenschaftler geben. Seine fast schon humanistisch geprägte Figur hat dabei ihre Allmachtsphantasien leider nicht im Griff und muss - trotz guter Ansätze - ihr Betriebssystem wieder herunterfahren. Eine Sci-Fi-Geschichte, die mit tollen Bildern und guten Darstellern beginnt, aber im Laufe der - leider auch vorhersehbaren - Handlung immer mehr langweilt.
Von  Andreas Pflieger, Filmreporter.de, 16. Mai 2014

Johnny Depp noch in Fleisch und Blut... ("Transcendence")

Johnny Depp noch in Fleisch und Blut... ("Transcendence")

Die Story fängt gut an...
Es hätte so schön werden können. Ein paar erstklassige Schauspieler, einige davon regelmäßig als Charaktermimen unterwegs. Ein klasse Kameramann, Wally Pfister ("Inception", "Dark Knight"), als Regisseur. Und ein Drehbuch, über das vieles gemunkelt wurde, dessen Autor aber schon jetzt als heißes Eisen im Sci-Fi-Genre gilt. Auch Story fängt gut an: Mit einem Paul Bettany, der durch ein Zukunfts - Los Angeles wandelt, was offensichtlich von der Natur zurückerobert wurde. Die Technik funktioniert scheinbar auch nicht mehr wie früher, was sich zeigt, als der von Bettany gespielte Computer-Wissenschaftler Max Waters sein Mobiltelefon aus der Tasche kramt - es aber keine Netze mehr gibt.

Dann kommt die Rückschau, die mit der Hauptfigur des Films, Dr. Will Caster (Johnny Depp) beginnt. Der hat sein Leben – und das seiner Frau Evelyn (Rebecca Hall) - ganz der Erforschung der künstlichen Intelligenz verschrieben. Er bastelt an einer Art Super-Computer, der nicht nur menschliche Emotionen verstehen und umsetzen kann, sondern sogar selbst solche aufbauen soll - also nicht nur ein besonders schlauer, sondern auch besonders einfühlsamer Computer.

Johnny Depp und Regisseur Wally Pfister am Set von "Transcendence"

Johnny Depp und Regisseur Wally Pfister am Set von "Transcendence"

Zauberlehrling als Blofeld
Praktischerweise wird der semi-verrückte Professor bald darauf Opfer eines heimtückischen Attentats einer Gruppe Technik-skeptischer Terroristen. Dies gibt seiner Frau den Grund, seinen im Koma liegenden Geist mit der Maschine zu verbinden um ihren Mann so am "Leben" zu erhalten. Natürlich fährt der Geist von Will Caster in die Maschine, die schon sehr eigene Vorstellungen entwickelt und vor allem zuerst einmal sehr viel Geld braucht.

Die Figur des Verrückten Wissenschaftlers ist im Bereich Sci-Fi/Horror nicht wegzudenken - vor allem, wenn es sich um soziale oder sonstige Utopien jedweder Couleur dreht. Hier ist der Wissenschaftler zwar auch irgendwie wahnsinnig, hat dabei aber eigentlich nur Gutes im Sinn. Eher Zauberlehrling als Blofeld sozusagen. Allerdings, und hier setzt die Schwäche des Films nach dem durchaus interessanten Beginn ein: Johnny Depp spielt den selbsternannten Retter der Menschheit derart verschlafen, dass man seiner Figur das notwendige Feuer, was für deren Glaubwürdigkeit unabdingbar ist, schlicht nicht abnimmt. Nachdem die Bewusstseinsströme des eigentlich toten Wissenschaftlers eine eigene Persönlichkeit entwickeln - in Form sogenannter Naniten, die den Geist des Wissenschaftlers in quasi jede Form von Materie ermöglichen, sozusagen der kleinstmöglichen Bewusstseinsform - steigt irgendwann auch der fügsamste Technik-Jünger aus dem verstiegenen Plot aus. Die gottgleiche Allmacht von Dr. Caster wirkt dann letztlich nur mehr hohl und nicht angsteinflößend. Schade.
Andreas Pflieger, Filmreporter.de - 16. Mai 2014

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