Feature zu Film: Monsieur Claude erobert das Kino | FILMREPORTER.de
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Monsieur Claude und seine Töchter
Katharinas Highlights 2014 & 2015

Monsieur Claude erobert das Kino

Filmreporter.de hat die Berliner Filmkritikerin Katharina Dockhorn gefragt, was ihr persönliches Resümee des Filmjahres 2014 ist und auf welche Filme im Jahr 2015 sie sich besonders freut. Dass eine französische Komödie in ihrer Gunst ganz vorne liegt, war wenig verwunderlich. Darüber, dass Lars von Trier sie nicht überzeugte, wird in der Redaktion noch kontrovers diskutiert. Leider setzten die großen Studios und auch die deutschen Komödienfabriken mit wenigen Ausnahmen auf Massenware ohne Tiefgang. Gut, dass Sönke Wortmann
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  6. Januar 2015

Emma Schweiger und Didi Hallervorden in "Honig im Kopf"

Emma Schweiger und Didi Hallervorden in "Honig im Kopf"

Hat die Lacher auf seiner Seite: Monsieur Claude und seine Töchter
"Monsieur Claude und seine Töchter" (kann online etwa bei Maxdome.de bezogen werden) heißt überraschend der Liebling der deutschen Kinofans im Jahre 2014. Knapp vier Millionen Zuschauer lockte die charmante Komödie an, in der die multikulturelle Pariser Gesellschaft auf die bornierten Vorstellungen des konservativen und katholischen Bürgertums im Tal der Loire prallt. Frankreichs Komödienexport beherzigt wie die absurde Odyssee des einfältigen "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" durch die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts die alte Weisheit, das in jeder guten Komödie eine große Tragödie steckt. Diese Balance gelingt deutschen Regisseuren zu selten - Matthias Schweighöfer und Til Schweiger punkten in "What a Man" oder "Honig im Kopf" weiter mit infantilem Humor ohne Tiefgang. Besserung ist leider nicht in Sicht.

Dafür hat Sönke Wortmann, der Vater des deutschen Komödienwunders vom Anfang der 1990er, mit "Frau Müller muss weg" zu alter Stärke gefunden. Das Publikum lacht ab Januar 2015 Tränen, wenn die Eltern von Grundschülern unter dem Druck, dass ihre Sprösslinge den Sprung aufs Gymnasium schaffen sollen, die freiwillige Demission der Klassenlehrerin verlangen. Auch "The Interview" ist ein Muss für 2015, nicht nur um jenen zu trotzen, die die Freiheit der Kunst mit Anschlägen auf Kinos bedrohen. Die Story über ein Attentat von zwei oberflächlichen amerikanischen Boulevardjournalisten auf den nordkoreanischen Diktator hält genüsslich einer Nation den Spiegel vor, die selbstverständlich den Weltgendarm spielt und in der der Politikthemen in Nachrichtensendungen unter die 10-Prozent-Marke gefallen ist! Ob Sony den Film in Deutschland noch rausbringt und ob im Kino oder nur digital, steht allerdings noch nicht fest. Uns wollte Sony jedenfalls keine Auskunft geben.

Höhere Gewalt (Når dyrene drømmer, 2014)

Höhere Gewalt (Når dyrene drømmer, 2014)

Verantwortung, Schuld und Sühne: Ida und Höhere Gewalt
Bei den Dramen kommen die besten Filme des Jahres 2014 aus Europa. Da ist zum einen "Ida" von Pawel Pawlikowski, das Porträt einer 18-jährigen Novizin, die im Polen des Jahres 1962 mit ihrer jüdischen Identität konfrontiert wird. Über das Einzelschicksal hinaus stellt der Regisseur allgemeingültige Frage nach Verantwortung, Schuld und Sühne und berührt das Tabuthema des latenten polnischen Antisemitismus. Bei der präzisen Auslotung der Gefühle aller Protagonisten hält der Schwede Ruben Östlund in "Höhere Gewalt" mit. Er beobachtet den Konflikt in einer Familie nach einer Naturkatastrophe. Während die Mutter ihre Kinder vor den Schneemassen einer Lawine schützt, rettet Tomas nur sein Handy.

Beide Filme gelten als Favoriten bei der Kür der Auslands-Oscars und der Golden Globes. Für Lars von Triers "Nymph()maniac" reichte es nicht mal zur Nominierung. Und das ist gut so. Das frauenfeindliche Drama provozierte mit freizügigen Szenen jeder nur denkbaren Art von Sex um des Provozierens willen. Wie Lars von Trier 2014 ist Andreas Dresen mit "Als wir träumten" zur Berlinale eingeladen. Dort feuert die Geschichte um die verlorene Generation von Jugendlichen aus den Neuen Bundesländern nach der Wende im Februar ihre Weltpremiere.

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