Retro-Starportrait: Greta Garbos Einsamkeit | FILMREPORTER.de
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Greta Garbo
I just want to be alone...

Greta Garbos Einsamkeit

War sie der Hollywoodstar, die Diva oder einfach nur eine einsame Frau? War der Rückzug aus der Öffentlichkeit nur Show, um den Mythos zu verstärken? Diese Frage wird sich wohl nie aufklären lassen. Tatsache ist, dass Greta Garbo in ihrer gesamten Karriere lediglich 14 Interviews gab, und die wurden doppelt und dreifach abgesichert. Von ihrem Privatleben drang nichts an die Öffentlichkeit. Sie verabscheute Premieren, Pressekonferenzen und öffentliche Auftritte. Sie liebte ihre langen Spaziergänge durch New York - allein!
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de, 20. August 2018

Ninotchka

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Ihre Scheu vor Fotografen und Journalisten machte sich früh bemerkbar - schon als Garbo gemeinsam mit William H. Daniels erste Stummfilme drehte. In "Fluten der Leidenschaft" aus dem Jahr 1926 sorgte der Kameramann dafür, dass die Drehorte hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt wurden. Bisher war es üblich, dass Bekannte, Neugierige oder andere Schaulustige durchaus mal am Set erschienen. Doch die Anwesenheit fremder Personen verstörte die Garbo. Wie sie später bemerkte, litt ihre Konzentration darunter. Daniels war es auch, der die Ausdrucksstärke der Schauspielerin entdeckte und diese in ihrer vollen Strahlkraft in extremen Nahaufnahmen auf die Leinwand bannte.

In einigen von Garbos Stumm- und Tonfilmen weisen die weiblichen Hauptfiguren jene Attitüden auf, für die auch die Schauspielerin berühmt wurde. In "Unsichtbare Fesseln", ihrem zweiten Werk außerhalb Schwedens im Jahr 1929, spaziert die weibliche Hauptfigur, die aufgrund ihrer Ideen als fortschrittliche Frau gilt, häufig allein im Regen. Jahre nach Beendigung ihrer Karriere wird Madame Garbo des öfteren in New York gesehen, wie sie alleine durch die Stadt spaziert. In "Menschen im Hotel" 1932 fiel einer ihrer berühmtesten Filmsätze: "I want to be alone, I just want to be alone". Das Drehbuch sprach ihr aus dem Herzen. Es fällt nicht schwer, diese Worte auf Greta Garbo zu übertragen, kennt man ihre Haltung gegenüber Öffentlichkeit und Medien. Oft wurde der Inhalt auch missverstanden. Was sie tatsächlich meinte, war, sie wolle vor allem von der Presse in Ruhe gelassen werden. Ihr Privatleben ging niemandem etwas an.

Natürlich führte ihre Zurückgezogenheit immer wieder zu Spekulationen über die "Göttliche". Greta Garbo erhielt ihren Beinamen unter anderem nach geschicktem Marketing der Filmindustrie. Die Filmmanager hatten schnell erkannt, welche magische Anziehungskraft von der beinahe makellosen Schönheit ausging. Noch während ihrer aktiven Schauspielkarriere stieg sie zur Legende auf. Dieses Image funktionierte kurioserweise gerade wegen der konsequenten Abwesenheit der Garbo in den Medien. Dadurch fingen Neider an, Geschichten um sie und ihr Privatleben zu spinnen. So munkeln Insider, sie wäre Teil einer Gruppe lesbischer Hollywoodstars gewesen. Einen Beweis dafür gab es nie. Dennoch fragt man sich, was in der attraktiven Schauspielerin, die selbst eine Einladung zum Abendessen von Königin Elisabeth II. von England ausschlug, all die Jahre vorgegangen ist. Als ihr die Queen in einem handschriftlichen Brief eine kleine, intime Runde zusicherte, lehnte Garbo mit der Begründung ab, sie habe kein passendes Kleid zum Anziehen.

Diese Konsequenz hielt die Schauspielerin bis zu ihrem Tod im Jahr 1990 konsequent durch. In den seltenen Momenten, in denen sie sich auf der Straße zeigte, trug sie stets einen großen Krempenhut und eine schwarze Sonnenbrille, um möglichst unerkannt zu bleiben. In dieser Maskerade lebte sie abwechselnd in den USA und Europa. Ständig hoffte man auf einen kleinen Skandal oder Ausrutscher, um die "Göttliche" in Erregung oder Aufruhr zu sehen. Doch keiner dieser Wünsche ging in Erfüllung. Greta Garbo ließ das letzte Fünkchen ihrer Öffentlichkeit, das sie durch ihre Schauspielerei noch besaß, bei ihrem Rückzug aus dem Filmgeschäft 1941 zurück. Nie wieder sollte sie einen Film drehen, obwohl sie sich vor Angeboten kaum retten konnte und die Weltöffentlichkeit nach einem weiterem Garbo-Werk schrie.
Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de - 20. August 2018

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