Retro-Starportrait: Pendler zwischen den Welten | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Szene aus Douglas Sirk-Film
Douglas Sirk - Deutscher Meister des Melodrams

Pendler zwischen den Welten

"Ich möchte sie alle sehen, die 39 Filme, die Sirk gemacht hat", wünschte sich Rainer Werner Fassbinder. "Ich habe sechs Filme von Sirk gesehen. Es waren die schönsten der Welt dabei." Aufgrund dieser Lobpreisung kommt Douglas Sirk in Deutschland zu verspäteten Ehren. Wer ist der Verkannte, dessen Filme Pedro Almodóvar, Jean-Luc Godard und der Münchener Filmpionier Fassbinder für die besten halten, die je gedreht wurden?
Von  Timo Buschkämper, Filmreporter.de,  9. Mai 2017

Szene aus Douglas Sirk-Film

Szene aus Douglas Sirk-Film

Mit den großen Melodramen des amerikanischen Kinos verbinden eingefleischte Cineasten den Namen Hans Detlef Sierck. Und doch verbirgt sich hinter dieser unscheinbaren Fassade des Hollywoodregisseurs, der seine Nachfolger so nachhaltig inspirierte. Mit seinen neuartigen, mittlerweile charakteristischen Farb- wie Handlungskompositionen gilt er wichtigster Repräsentant des amerikanischen Kinos der 1950er Jahre. Die Leinwandbilder eines neuartigen, modernen Amerikas, das mit strahlenden Autolackfarben und stilvollen Werbetafeln besticht, macht den gebürtigen Hamburger zu einem Vorreiter der internationalen Pop-Art Bewegung.

Auf der anderen Seite sind seine Darbietungen schon damals als women's weepies - kitschige Schmachtfetzen - verschrien. Mit dem Vorwurf der schnöden Trivialität seiner Kunst sieht sich der Filmemacher zeitlebens konfrontiert, wobei der kritische Blick auf das mittelständisch kleinbürgerliche Amerika oftmals übersehen wird. Vor betont artifiziellen Kulissen agieren seine empfindsamen Charaktere in einer pessimistischen Welt und wehren sich vehement gegen den Konformismus gesellschaftlicher Normen. Mithilfe dieser Stilmittel verhilft er späteren Kinogrößen wie Rock Hudson und Lauren Bacall zu glanzvollen Auftritten im Kindesalter ihrer Karrieren.

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