Retro-Starportrait: Pendler zwischen den Welten | FILMREPORTER.de
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Gar nicht kitschig sind die Anfänge seines Schaffens in Hollywood. Im Jahr 1937 vor den Nationalsozialisten aus Deutschland nach Kalifornien geflohen, verfremdet Sierck dort erst einmal seinen Namen. In Hamburg, Leipzig und Berlin hat er sich zuvor als Theaterintendant, sowie aufstrebender Filmmacher erste Sporen verdient und auch die deutsch-schwedische Schauspielerin Zarah Leander erfolgreich protegiert. Als Douglas Sirk versucht er in Hollywood zunächst als Drehbuchautor Fuß zu fassen, erhält erst 1943 mit "Hitler's Madman" von den Metro-Goldwyn-Meyer Studios einen ersten Regieauftrag.

Wegen der Hetzjagd des Komitees für unamerikanische Aktivitäten zieht Sirk 1949 für kurze Zeit nach Deutschland. Desillusioniert von der unkreativen Neuausrichtung der deutschen Nachkriegsfilmindustrie kehrt er im Jahr darauf jedoch wieder nach Amerika zurück. In den folgenden Jahren inszeniert er in kurzen Abständen mit "Was der Himmel erlaubt" (1955), "In den Wind geschrieben" (1956) und "Zeit zu lieben und Zeit zu sterben" (1958) drei seiner berühmtesten Melodramen. 1959 verlässt er Hollywood endgültig um am Theater in München zu arbeiten. In einer weihnachtlich schneedurchstöberten Nacht lauert ihm dort Rainer Werner Fassbinder mit dem Anliegen auf, doch bitte sein Drehbuch zu "Händler der vier Jahreszeiten" (1974) zu lesen. Sirk gibt dem Flehen nach. Später gesteht Fassbinder, hätte Sirk das Drehbuch missfallen, wäre dies zugleich das Ende seiner hoffnungsvollen Karriere als Regisseur gewesen.

Vom intellektuellen Autorenkino seiner Zeit gelangweilt, fasziniert den bundesdeutschen Filmrevoluzzer besonders die humane Zärtlichkeit in Sirks Inszenierungen. Mit "Angst essen Seele auf" dreht Fassbinder im Jahr 1974 fast ein deutsches Remake von "Was der Himmel erlaubt". Sein großer Bewunderer ist es auch, der den erfahrenen Melodramatiker für eine Gastdozententätigkeit an der Hochschule für Fernsehen und Film in München empfiehlt, wo Sirk noch einige Jahre lehrt, bevor er 1987 in Lugano verstirbt.
Timo Buschkämper, Filmreporter.de - 9. Mai 2017

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