Retro-Starportrait: Heinz Rühmann | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Heinz Rühmann
Naiver Schelm oder trauriger Clown?

Heinz Rühmann

Das man nicht besonders groß sein muss, um im Film die Herzen der Frauen zu brechen, hat Heinz Rühmann bewiesen. Wenn er mit einschläfernder Stimme davon singt, wie stürmisch und leidenschaftlich er doch sei, schmilzt auch heute noch manches Herz dahin. Sein Publikum gewinnt er mit seinem verschmitzten Lächeln im Ufa-Klassiker "Die Drei von der Tankstelle" und als braver Soldat Schwejk. Für viele ist seine Paraderolle aber die des Schlingels Pfeiffer in der "Die Feuerzangenbowle". Folgen wir der Spur Heinz Rühmanns durch das 20. Jahrhundert...
Von  André Weikard/Filmreporter.de,  7. Juni 2017

Heinz Rühmann

Heinz Rühmann

Tragischer Lebensbeginn
Geboren wird Heinrich Wilhelm Rühmann in Essen, wo sein Vater am Hauptbahnhof ein Hotel betreibt. Als die Gäste während des Ersten Weltkriegs ausbleiben, gibt die Familie das Unternehmen auf. Rühmanns Eltern lassen sich scheiden, der Vater begeht 1916 Selbstmord. Der junge Heinz ist zu diesem Zeitpunkt vierzehn Jahre alt. Die Familie zieht nach München.

Der Legende nach soll Rühmann als Dreijähriger Szenen aus Illustrierten nachgestellt haben. Während der Schulzeit wird das Theater zu seiner Obsession. Der Primaner bringt Stunden damit zu, vor dem Spiegel zu posieren, und hat selbst doch erst einige Märchenvorstellungen gesehen. Theaterlehrer Friedrich Basil, der später auch Adolf Hitler Unterricht in Deklamation und Rhetorik geben wird, lässt sich nach mehrfachem Vorsprechen erweichen und nimmt den jungen Mann als Schüler an. Der bekommt unter diesen Umständen das Einverständnis seiner Mutter, die Schule zu verlassen und hat seine Profession gefunden.

Die Drei von der Tankstelle

Die Drei von der Tankstelle

Stepptanz mit Theo Lingen
Schon nach einem halben Jahr holt ihn der Direktor des Breslauer Theaters, Richard Gorter an sein Haus. Die ersten Lacher, die der kleingewachsene Heinz auf der Bühne erntet, kommen leider an Stellen, an denen keine vorgesehen sind. Nach einem Jahr läuft sein Vertrag angesichts der mangelnden Begabung fürs dramatische Fach nicht verlängert.

Nach Stationen in Hannover - wo Theo Lingen ihm das Stepptanzen beibringt - Bremen und Braunschweig, gelingt es dem Nachwuchsschauspieler aber, sich doch noch in der deutschen Theaterlandschaft zu etablieren. Engagements in München und in Berlin, wo er mit Marlene Dietrich auf der Bühne steht, folgen. Angetan hat ihm aber nicht der blonde Vamp aus dem Norden, sondern die Münchner Kollegin Maria Bernheim. 1924 heiratet Heinz Rühmann die Schauspielerin, die für ihre Liebe den Beruf erstmal an den Nagel hängt - Rühmann ist eben konservativ.

1927 ist das Jahr, in dem der frisch gebackene Ehemann seinen ersten Spielfilm dreht. Als er gemeinsam mit seiner Mutter den Stummfilm "Das deutsche Mutterherz" anschaut, ist sie so entsetzt von den gespielten Bosheiten ihres Sohnes, dass sie ernsthaft krank wird. Für die zehntägigen Dreharbeiten bekommt der Nachwuchsstar eine Gage von fünfzig Mark pro Tag. Drei Jahre später handelt er für seine nächste Rolle schon stolze 7.000 Mark aus. "Die Drei von der Tankstelle" mit dem Schlager "Ein Freund, ein guter Freund" bringt einen enormen Popularitätssprung. Die Filmoperette wird in drei Sprachen gedreht und ist ein Vorläufer des US-Musicals.

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