Retro-Starportrait: Flucht vor der Vergangenheit | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Eva Bartoks hübsches Gesicht in einem riesigen Kognak-Glas.
Eva Bartok greift nach den Sternen

Flucht vor der Vergangenheit

Eva Bartoks Stern verliert seinen Glanz genau so schnell wie er aufgegangen war. In den 16 Jahren ihrer kurzen Karriere dreht sie nahezu 40 Filmen. Die zierliche Brünette mit dem sympathischen Akzent steht zusammen mit Stars wie Burt Lancaster, Ivan Desny, Karlheinz Böhm oder Curd Jürgens vor der Kamera. Talent und Schönheit sind der Schlüssel zu ihrem Erfolg. Früh entdeckt die gebürtige Ungarin den fördernden Effekt der Medien. Offenherzig und für die Zeit äußerst provokant erzählt sie von ihrer schwierigen Kindheit in Ungarn und ebenso offen von abenteuerlichen Liebesaffären. Wollte sie um jeden Preis in der Öffentlichkeit stehen oder quälte sie nur das Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung?
Von  Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de, 11. Juli 2017

Eva Bartok auf dem Trapez für "Rummelplatz der Liebe "

Eva Bartok auf dem Trapez für "Rummelplatz der Liebe "

Die Kriegsjahre waren hart
"Aber wenn ich läse in Zeitung 'Eva Bartok hat Blitzkarriere gemacht', so könnt' ich hinein beißen in Vorhang, weil ist so falsch". Grammatikalisch nicht ganz korrekt, aber umso bestimmter klärt 1956 Eva Bartok das Missverständnis um den Beginn ihre Karriere auf. Harte Arbeit und viele Rückschläge muss die gebürtige Ungarin hinnehmen, bevor sie ihren internationalen Erfolg genießen darf. Gerne vergessen die Journalisten die zwei Jahre, die sie ohne Rollenangebote überstehen musste. Eine harte Zeit für die angehende Schauspielerin, die sie sogar an ihrer Berufung zweifeln lässt. Doch so leicht will sie nicht aufgeben.

Die Kriegsjahre in Ungarn haben sie einiges gelehrt. Ihr Vater war Jude und verschwand spurlos im Tumult des Krieges. Die Restfamilie war auf sich allein gestellt. Um dem Konzentrationslager zu entgehen, heiratet Eva einen Nazi-Offizier. Als eine "endlose Reihe von Vergewaltigungen, schlimmer als der Tod" beschreibt sie die Erfahrungen ihrer ersten Ehe. Nach dem Krieg wird die Ehe aufgrund ihrer Minderjährigkeit annulliert. Doch die Erinnerungen lassen sich nie vertreiben.

Eva Bartok und Bernhard Wicki

Eva Bartok und Bernhard Wicki

Welt des Glamours
Eva versucht sich als Schauspielerin. In der Welt des Glamours sucht sie Ablenkung und Vergessen. Doch das kommunistische Regime ihrer Heimat macht eine Karriere unmöglich. Bartoks erster Film "Mezei próféta" aus dem Jahr 1947 wird in Ungarn verboten. Nach dem Rückschlag wartet das Schicksal mit einem glücklichen Zufall auf. Sie lernt ihren Landsmann Alexander Paal kennen, erfolgreicher Filmproduzent, der sie nach England bringt. Nach dem gemeinsamen Drama "Fünf Mädchen und ein Mann" wird die Ehe geschieden. Der Film bringt ihr auch nicht den erhofften Durchbruch, denn aus finanziellen Gründen kommt er nicht in die Kinos.

Ein anderer ungarischer Exilant tritt Eva Bartoks Leben. Alexander Korda nimmt sie unter seine Fittiche. Der Präsident von MGM-England besorgt ihr einen Sprachlehrer und ein regelmäßiges Einkommen. Rollenangebote bleiben jedoch weiter aus. Ihr dritter Ehemann hilft in der verzweifelten Situation weiter. Später wird die Boulevardpresse die Zweckmäßigkeit ihrer Heirat hervorheben, doch von ihrem nächsten Gatten - PR-Fachmann William Wordsworth - lernt sie den Umgang mit den Medien. Er rät ihr, kein gesellschaftliches Ereignis auszulassen. Mit ihrem durchaus ansprechenden Aussehen würde Eva früher oder später Aufmerksamkeit erregen.

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