Retro-Starportrait: Halbstark: Horst Buchholz | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Horst Buchholz
Berliner Steppke wird Weltstar

Halbstark: Horst Buchholz

Ein Straßenjunge aus dem Berliner Arbeiterviertel Neukölln erobert die internationale Kinoszene: Was sich auf den ersten Blick wie ein Filmstoff liest, wird für Horst Buchholz Mitte der 1950er Jahre wahr. Der 1,77 m große Junge mit den flackernden Augen und dem frechen Grinsen avanciert zu einem der beliebtesten deutschen Leinwandstars. Was das junge Publikum an dem flamboyanten Schauspieler so fesselt ist der von Buchholz verkörperte Freiheitsdrang und die Sehnsüchte seiner Generation. Doch hinter der Glamour-Fassade des Mädchenschwarms verbirgt sich ein lange gehütetes Geheimnis.
Von  Michael Wenk, 12. November 2017

Horst Buchholz beim Spazieren mit Myriam Bru

Horst Buchholz beim Spazieren mit Myriam Bru

Deutscher James Dean
September 1956. Im Essener UFA-Palast findet die Premiere des von "Die Halbstarken" statt. Als "Warnung für alle jungen Menschen" deklariert, schildert der Film den Alltag einer Gruppe Jugendlicher. Die Söhne und Töchter kleinbürgerlicher Eltern haben das Spießerleben ihrer Familien satt und machen als "Halbstarke" die Stadt unsicher. Ihr Anführer ist Freddy Borchert, der von einem Leben ohne Gängelung und dem großen Reichtum träumt. Er wird von dem damals 23-jährigen Horst Buchholz gespielt. Als Typ passt Buchholz perfekt zu jenem Bild, das sich das gediegene Kinopublikum der Nachkriegszeit von einem Großstadtrebellen macht: Das exotische Gesicht von Buchholz spiegelt Unberechenbarkeit und Aufsässigkeit. Sein schmaler, drahtiger Körper signalisiert Nervosität und Angriffslust. Von Buchholz geht jene Ausstrahlung aus, die in späteren Jahren als 'Coolness' bezeichnet werden wird. Kein Wunder, dass die Filmbranche ihn schon bald als den 'deutschen James Dean' vermarktet. Buchholz hat nicht die Statur des klassischen Leinwandhelden. Sein Rollenfach ist der großspurige Gassenjunge, der Freibäder und Espressobars zu seinen Revieren zählt. In "Endstation Liebe" kann Buchholz 1957 beweisen, dass er seiner Paraderolle auch sensiblere Seiten abzugewinnen vermag: Er spielt Vorstadtcasanova Mecky, der um einer Wette willen einer jungen Fabrikarbeiterin nachstellt und in ihr die Liebe seines Lebens findet.

Horst Buchholz trägt "Sissi" auf Händen.

Horst Buchholz trägt "Sissi" auf Händen.

Blitzstart mit "Himmel ohne Sterne"
Zu Beginn seiner Karriere sind es Äußerlichkeiten, die Horst Buchholz zu ersten Filmengagements verhelfen. Aufgrund seiner slawisch anmutenden Gesichtszüge erhält er 1955 die Rolle des sowjetischen Soldaten Mischa in Helmut Käutners Ost-West-Drama "Himmel ohne Sterne". Die Figur ist insofern typisch für Buchholz, als sie bereits Merkmale späterer Rollen aufweist: Ein grimmiges Äußeres, lautstarkes Auftreten, Naivität und Hilfsbereitschaft. So wird Mischa zum selbstlosen Fluchthelfer an der deutsch-deutschen Grenze und bezahlt sein humanitäres Engagement mit dem Leben. Gleich mit seiner ersten größeren Leinwandrolle legt 'Hotte', wie der am 4. Dezember 1933 geborene Buchholz von Publikum und Presse liebevoll genannt wird, einen Blitzstart hin. Für seine schauspielerische Leistung in "Himmel ohne Sterne" erhält er 1956 das Filmband in Silber als bester Nachwuchsdarsteller. Fast sämtliche von Buchholz dargestellte Figuren stehen im Widerspruch zu bürgerlichen Normen und Werteordnung ihrer Zeit. In "Robinson soll nicht sterben" spielt er 1956 den ungeratenen Sohn des englischen Schriftstellers Daniel Defoe, der durch Hilfsbereitschaft und Herzensgüte eines von Romy Schneider dargestellten Mädchens auf den rechten Weg zurückfindet. Im Jahr darauf vereint Helmut Käutners Pariser Komödie "Monpti" die beiden Jungstars erneut vor der Kamera. Diesmal stehen sie im Mittelpunkt einer tragisch endenden Romanze zwischen einem verlotterten Studenten und einer armen, doch kapriziösen Näherin.

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