Retro-Starportrait: Grantler mit Herz: Hans Moser | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Hans Moser in Hallo Dienstmann
Ein echter Wiener geht nicht unter

Grantler mit Herz: Hans Moser

Wien 1938. Der 'Anschluss' Österreichs ans Deutsche Reich ist vollzogen. Unterhaltungsfilme, die vom grauen Alltag der nationalsozialistischen Diktatur ablenken sollen, haben Hochkonjunktur. Hans Moser und sein deutscher Kollege Heinz Rühmann stehen für das Lustspiel "13 Stühle" vor der Kamera. Ungebetener Zaungast der Dreharbeiten ist NS-Reichskommissar Josef Bürckel. Moser gerät in Panik: Da seine Ehefrau Blanca Jüdin ist, fürchtet er Repressalien des Regimes.
Von  Michael Wenk,  8. August 2018

Hans Moser

Hans Moser

Heinz Rühmann versucht zu vermitteln und informiert Bürckel in einer Drehpause über Mosers Befürchtungen. Der Reichskommissar lässt ausrichten, Moser stehe unter seinem persönlichen Schutz und könne ihn tagsüber jederzeit anrufen. Hinter vorgehaltener Hand reagiert Moser voller Argwohn auf das Angebot: "Tagsüber? Und was mache ich bitte nachts?"

Die Tragikomik der eingangs beschriebenen Situation könnte Bestandteil eines typischen Hans Moser-Films sein. Denn Kleinbürger, die der Willkür der Obrigkeit trotzen, gehören von jeher zu den Paraderollen des am 6. August 1880 als Johann Julier in Wien geborenen Schauspielers. Von Mitte der 1930er bis in die 1960er Jahre zählt Hans Moser zu den beliebtesten Stars des deutschsprachigen Unterhaltungsfilms. Kauzigkeit und Griesgrämigkeit der von ihm in über 150 Filmen dargestellten Charaktere lassen ihn als Anti-Typ zu strahlenden Leinwandhelden wie Hans Albers oder Willy Birgel erscheinen. Doch diese oberflächliche Wahrnehmung täuscht. Denn auch Moser spielt im Film seine ganz persönliche Heldenrolle: Die des Überlebenskünstlers und Alltagshelden.

Hans Moser in "Jetzt schlägt's 13!"

Hans Moser in "Jetzt schlägt's 13!"

Jahre bitterer Armut
Schauspieler Hans Moser ist die Summe seiner leidvollen Erfahrungen zu Beginn seiner Laufbahn. Früh fasst der Sohn eines akademischen Malers den Entschluss, seine Tätigkeit in der Lederwarenhandlung aufzugeben und zum Theater zu gehen. Beim Hofschauspieler Josef Moser nimmt er Sprechunterricht und übernimmt dessen Familiennamen als Teil seines Künstlernamen. Hans Mosers erste 30 Theaterjahre gestalten sich mühevoll: Mit 17 Jahren landet er an Provinzbühnen, wo er sich als Statist und Chorsänger verdingt. Erste Sprechrollen ebnen ihm den Weg ans Wiener Theater in der Josefstadt. Doch die Möglichkeiten des nur 1 Meter 57 großen Moser, sich dort darstellerisch zu entfalten, sind begrenzt: Seine Auftritte erschöpfen sich in Chargen- und Kinderrollen. 1907 verlässt Moser das Josefstädter Theater und tingelt als Mitglied diverser Wanderbühnen durch Österreich-Ungarn. Jahre bitterer Armut folgen. Der Durchbruch als anerkannter Charakterdarsteller scheint in weite Ferne gerückt. Moser ist bereits 45 Jahre alt, als ihn 1925 erneut ein Ruf ans renommierte Theater in der Josefstadt ereilt. Durch seine jahrzehntelange Tätigkeit bei Bühne, Kabarett und Operette darstellerisch gereift, macht Moser als volkstümlicher Komödiant in Stücken von Nestroy, Arthur Schnitzler und Ödön von Horváth von sich reden. Die zeitgenössische Presse sieht in ihm den 'jüngsten und letzten wienerischen Hanswurst'.

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