Retro-Starportrait: Grantler mit Herz: Hans Moser | FILMREPORTER.de
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Hans Moser in "Jetzt schlägt's 13!"

Hans Moser in "Jetzt schlägt's 13!"

Harte Schale, goldenes Herz
Bereits zu Stummfilmzeiten steht Hans Moser mehrfach vor der Kamera. Meist spielt er subalterne Figuren wie Dienstmänner oder Gerichtsdiener. Größere Rollen bleiben ihm einstweilen versagt. Während das Aufkommen des Tonfilms Ende der 1920er Jahre manch altgedientem Stummfilmstar zu schaffen macht, erweist es sich für Moser als Glücksfall. Beruht seine darstellerische Wirkung doch darauf, neben mimischen und ausladenden gestischen Mitteln auch seine eigentümliche Sprechweise einsetzen zu können. Binnen kurzem werden Mosers Nuscheln und wienerisches Raunzen zu unverwechselbaren Markenzeichen. Seinem Typ entsprechend wird er im Film zum Inbegriff des schrullig-geizigen Kleinbürgers mit harter Schale und goldenem Herzen. Einen seiner ersten Tonfilm-Auftritte hat er 1931 als Partner des jungen Heinz Rühmann: In der Verwechslungskomödie "Man braucht kein Geld" spielt Moser einen Amerika-Auswanderer, der bei seiner Rückkehr in die alte Heimat irrtümlich als reicher Erbonkel hofiert wird.

Hans Moser im Kampf mit Theo Lingen ("Jetzt schlägt's 13!")

Hans Moser im Kampf mit Theo Lingen ("Jetzt schlägt's 13!")

Komiker und Menschendarsteller
Obwohl regelmäßig beim Film beschäftigt, gelangt Hans Moser zunächst nicht über den Status des originellen Chargenspielers hinaus. Das ändert sich Mitte der 1930er Jahre, als Hunderte deutscher Filmschaffender vor rassischer und politischer Verfolgung durch die Nationalsozialisten ins Ausland fliehen müssen. Der gleichzeitig wachsende Bedarf an Filmlustspielen zur Ruhigstellung und Ablenkung der deutschen Bevölkerung katapultiert Moser in die vorderste Reihe der Kinostars. Vor allem seine gemeinsamen Auftritte mit Kollegen wie Heinz Rühmann und Theo Lingen kommen bestens an. Ob nervöser Gastwirt in "Der Himmel auf Erden", neureicher Schallplattenproduzent in "Ungeküsst soll man nicht schlafen gehn" oder umtriebiger Gutsbesitzer in "Der Mann, von dem man spricht": Moser begeistert ein Millionenpublikum. Vereinzelt erhält er auch Gelegenheit, sein Können als behutsamer Menschendarsteller unter Beweis zu stellen. So verkörpert er 1936 in "Das Gäßchen zum Paradies" einen verdrießlichen Prager Hundefänger, der sich in Gesellschaft eines Waisenjungen zum Menschen- und Tierfreund wird. Was die von Hans Moser dargestellten Figuren interessant macht und zeitlos erscheinen lässt, ist ihr persönlicher Entwicklungsprozess im Verlauf der jeweiligen Filmhandlung. Nicht selten wandelt sich Protagonist Moser so vom chaotischen Sausebraus zum geläuterten Zeitgenossen.

Hans Moser hoch zu Ross

Hans Moser hoch zu Ross

Publikumsliebling unter Druck
Mosers berufliche wie persönliche Situation ändert sich schlagartig, als seine österreichische Heimat Mitte März 1938 von Wehrmachtstruppen besetzt und Teil des Deutschen Reiches wird. Zwar stehen Mosers komödiantische Qualitäten auch bei den nationalsozialistischen Machthabern hoch im Kurs. Reichskanzler Adolf Hitler gilt sogar als enthusiastischer Verehrer des Wiener Schauspielers. Dennoch darf Moser nur mit Sondergenehmigung des Berliner Propagandaministeriums beim Film arbeiten. Grund dafür ist Mosers Ehe mit seiner jüdischen Frau Blanca. Obwohl er von den Nationalsozialisten zur Scheidung genötigt wird, hält Moser seiner Frau die Treue. In einem persönlichen Brief an Adolf Hitler bittet er sogar darum, Blanca Moser von den für Juden geltenden Bestimmungen auszunehmen. Doch das Gnadengesuch bleibt ohne Wirkung. Um der Judenverfolgung in Wien zu entgehen, emigriert Blanca nach Budapest. Erst im Oktober 1944 kehrt sie zu ihrem Mann nach Wien zurück. Die privaten Sorgen Hans Mosers gehen mit einem beruflichen Höhenflug einher. In den Kriegsjahren dreht der Schauspieler Film auf Film, alles in allem vordergründig unpolitische Unterhaltung. Dass Moser 1939 im Schwank "Das Ekel" einen notorischen Nörgler spielt, den erst eine disziplinarische Gefängnisstrafe zum brauchbaren Staatsbürger macht, entspricht allerdings nur allzu merklich den Vorgaben der nationalsozialistischen Propaganda.

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