Retro-Starportrait: Brautjungfer Sir Alfred Hitchcock | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Alfred Hitchcock
Hollywoodlegende mit Hang zur Phobie

Brautjungfer Sir Alfred Hitchcock

Mit der Bemerkung "Immer nur Brautjungfer, nie die Braut" kommentiert Sir Alfred Hitchcock den Umstand sechsmal für den Oscar nominiert gewesen zu sein, ihn aber nie gewonnen zu haben. Für den legendären Filmemacher ist dies noch zu Lebzeiten eine schallende Ohrfeige, für die zuständige Academy of Motion Picture Arts and Sciences ein unverzeihliches Versäumnis. Doch auch ohne die kleine Goldstatuette bleibt der Verschmähte einer der wichtigsten Pioniere des internationalen Films und sein Werk ein unauslöschliches Zeugnis zeitloser Leinwandmomente.
Von  Timo Buschkämper, Filmreporter.de,  5. Dezember 2017

Die Vögel

Die Vögel

Unverwechselbarer Stil
Hitchcock gilt als einer der großen Stilisten des Kinos. Er war berüchtigt für seine Pedanterie am Set und dem Hang zur absoluten künstlerischen Kontrolle. In seinen Thrillern verbindet sich knisternde Spannung mit feinsinnigem Humor. Wiederkehrende Motive wie Angst, Schuld oder Identitätsverlust bilden den roten Faden in seinem 53 Spielfilme umfassendem Gesamtwerk. Die Figurenzeichnung ist stark an Charakterzüge des Regisseurs angelehnt und bildet damit persönliche Eigenschaften und Phobien des Regisseurs leinwandgetreu ab. Neben der Vorliebe für Blondinen und Antihelden ist er ein Verfechter der Psychoanalyse nach Sigmund Freuds. Seine Darbietungen weisen zahlreiche Verbindungslinien zwischen Sex und Gewalt auf. Zudem gestattet er artverwandten Ausprägungen wie Fetischismus und Voyeurismus einen breiten dramaturgischen Entfaltungsraum. Aus Mangel an geeigneten Statisten sprang Jungregisseur Hitchcock bei seinen ersten Arbeiten selbst als Komparse ein und entwickelt, mit dem sogenannten Cameo-Aufritt, eines seiner Markenzeichen aus.

Alfred Hitchcock zeigt

Alfred Hitchcock zeigt

Jugendjahre und erste Filmerfahrung
Im Jahr 1899 im Londoner Vorort Leytonstone als jüngster Sohn eines Gemüsehändlers geboren, leidet der kleine Alfred schon früh unter seinem kleinen Wuchs und seiner schnell wachsenden Korpulenz. Kinder sind grausam in ihrer Beurteilung Gleichaltriger und der angehende Regisseur verlebt eine weitgehend einsame Kindheit. Mit dem unvollendeten College und den Kursen in Technischem Zeichnen und Kunstgeschichte an der Londoner Kunstakademie bleibt die akademische Ausbildung unvollendet. In seiner Freizeit studiert der Heranwachsende mit Begeisterung Fahr- und Stadtpläne und vertreibt sich die Zeit mit Belletristik, Theater- und Kinobesuchen. Auch seinem Interesse für Kriminalistik geht Hitchcock nach, er verfolgt juristische Mordprozesse als Gerichtsbesucher.

Bei der Londoner Zweigstelle von Paramount wird er 1920 als Zeichner von Zwischentiteln angestellt. Durch seine gelungenen Überarbeitungen von Drehbüchern wird er bald Regieassistent und nimmt die Aufgaben eines Produktionsleiters wahr. Mit seiner Regiearbeit "Der Mieter" gelingt ihm 1926 in Großbritannien ein erster Durchbruch. Die junge Filmindustrie des Landes feiert Hitchcock als hoffnungsvollen Regiestar. Im gleichen Jahr heiratet Hitchcock seine Cutterin Alma Reville. Zwei Jahre später wird Tochter Patricia geboren.

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