Retro-Starportrait: Heinz Erhardt - der Sprachjongleur | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Heinz Erhardt in "Kauf dir einen bunten Luftballon"
Schelm des Wirtschaftswunders wird 100

Heinz Erhardt - der Sprachjongleur

Im Jahr 2009 ist Heinz Erhardt 30 Jahre tot und hätte auch seinen 100. Geburtstag gefeiert. Letztere positive Sichtweise gefiele dem bürgerlichen Humoristen sicher besser: Erhardt war nicht nur der bekannteste und erfolgreichste Komiker der Wirtschaftswunderjahre. Mit seinen zeitlosen Gedichten und Filmkomödien ist er auch dem heutigen Publikum bekannt, wie seine Wahl zum zweitbesten Komiker 2007 durch eine ZDF-Umfrage belegt.
Von  Ulrich Blanché/Filmreporter.de, 30. Dezember 2017

Kauf dir einen bunten Luftballon (1961)

Kauf dir einen bunten Luftballon (1961)

Schelm kämpft sich nach oben
Der im lettischen Riga geborene Kabarettist Heinz Erhardt konnte erste Erfolge bereits vor dem Zweiten Weltkrieg und damit 20 Jahre vor seinem ersten Filmauftritt feiern. Sein Weg in den Komiker-Olymp war dennoch steinig und langwierig. So wurde Heinz von der umtriebigen Mutter und dem musikalischen Vater zu den Großeltern abgeschoben, wohin er immer wieder zurückkehrte, weil er sich dort am Wohlsten fühlte. Der Großvater verzieh dem schelmischen Enkel auch 15 Schulwechsel, Spottgedichte auf die Lehrer und das abgebrochene Abitur und setzte ihn als Nachfolger seiner Musikalienhandlung ein. Mit dieser Arbeit wurde der junge Heinz nicht glücklich. Parallel zum ungeliebten Broterwerb trat er in Kabaretts auf und hatte ein langsam aber stetig wachsendes Publikum. Seine Karriere führte vom Bühnenkabarettist über den Truppenunterhalter, den Radiomoderator bis zum Nebendarsteller in Spielfilmen.

Der letzte Fußgänger (1960)

Der letzte Fußgänger (1960)

Heinz Erhardt - das witzigste Wirtschaftswunder
National bekannt wurde er schließlich 1957 mit der Titelrolle in "Der müde Theodor". Von da an war er der deutsche Komiker schlechthin. Meist verkörperte er den positiv-gestimmten, gemütlichen, etwas scheinheiligen Spießbürger, der den rasanten gesellschaftlichen Wandel der Wirtschaftswunderjahre mit neckischem Herumblödeln, betont ungeschickten Posen und leichter Unterhaltungsmusik erträglicher machte. Seine Komik entstand auch durch die Doppeldeutigkeit bekannter Sprichwörter und Redensarten, die er überraschend umformte. Auch im Fernsehen wurde Erhardt schnell eine bekannte und feste Größe. Besonders die Rolle des Kleinbürgers Willi Winzig spielte er immer wieder sehr erfolgreich. Dennoch sah er das Fernsehen kritisch und stand trotz großen Lampenfiebers am liebsten auf der Bühne. Gerüchten zufolge trug der stark kurzsichtige Erhardt dort öfter eine Brille mit Fensterglas, um sein Publikum nicht sehen zu müssen.

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