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Sir Laurence Olivier
Adel verpflichtet: Laurence Olivier

Sagen Sie Larry

Shakespeare-Mime und Charakterdarsteller Sir Laurence Olivier wird während seiner langen Karriere elf Mal für den Oscar nominiert und bereits 40-jährig zum Ritter geschlagen. Er wird als einer der großen englischsprachigen Schauspieler des 20. Jahrhunderts geachtet. Dennoch legte er immer Wert darauf, von allen schlicht mit Larry angesprochen zu werden. Die schauspielerische Laufbahn des Briten reichte über 6 Jahrzehnte, von 1926 bis zu seinem Tod im Jahr 1989.
Von  Ulrich Blanché/Filmreporter.de,  9. Januar 2018

Vivien Leigh kniet vor Laurence Olivier

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Aus Kim wird Larry wird Sir Laurence
Zur Schauspielerei kommt Laurence Olivier auf eher ungewöhnliche Art. Sein Vater, der Kleriker Gerard Kerr Olivier, nennt ihn liebevoll Kim und erzieht ihn streng katholisch. Dennoch bestimmt er, dass der 17-jährige Laurence eine Ausbildung zum Schauspieler machen soll, was zu dieser Zeit als brotlose und auch etwas anrüchige Kunst gilt. Schon zwei Jahre später kann Kim am Theater erste Erfolge verbuchen und spielt 1930 seine erste Filmrolle in der Krimikomödie "Too Many Crooks". In dieser Zeit avanciert Laurence Olivier zu einem der anerkanntesten Shakespeare-Mimen Großbritanniens.

Der englische Dramatiker Charles C. Bennett sagt bereits 1927 über Oliviers natürliche Art, Shakespeare zu zitieren, sie wirke, als denke er sich den Text tatsächlich in diesem Moment aus. Seinen Durchbruch hat er am Theater 1935 als Romeo in "Romeo und Julia". Wenige Jahre zuvor lehnt er den Vorschlag eines Filmstudios ab, sich Larry Olivier zu nennen. So sehr er in persönlichen Konversationen auf Larry wert legt - später bricht er sogar Unterhaltungen ab, wenn er anders angesprochen wird - so sehr war ihm auch das vornehmere "Laurence" als offizieller Name lieb. Jahre später spekuliert der 1947 geadelte Sir Laurence Olivier noch, dass seine Karriere als "Larry" sicher schlechter verlaufen wäre.

Richard III

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Verpasste Chancen
Trotz seines Oscar und der elf Nominierungen sowie diverser Golden Globes, Emmys und BAFTA-Awards ist Laurence Olivier mit seiner Leistung oft unzufrieden und geradezu unglücklich. Laut seinem Sohn Richard Olivier sei er ohne Arbeit regelrecht depressiv geworden. Aus verschiedenen Gründen kann er eine Reihe von interessanten Rollen nicht annehmen. So reist Larry beispielsweise 1933 unter den Augen der Öffentlichkeit nach Amerika, nur um von Hollywoods damals größtem Star Greta Garbo als Partner in "Königin Christine" abgelehnt zu werden. Dermaßen gedemütigt kehrt er nach Hause, die Rolle geht an Greta Garbos Liebhaber John Gilbert. So kann zumindest gemutmaßt werden, dass die Absage eher persönliche - denn berufliche Gründe hatte.

Des weiteren spielt er aus unterschiedlichen Gründen Rollen nicht, die anderen Kollegen große Erfolge brachten. So lehnt Larry auf Rat seinen Agenten 1962 die Rolle von Humbert in Stanley Kubricks Skandalfilm "Lolita" ab, wofür ihm James Mason dankbar sein dürfte. Auch die Rolle des italienischen Prinzen in Luchino Viscontis "Der Leopard" bekommt er nicht, weil der Produzent auf Burt Lancaster setzte. Die berühmteste Rolle, die Olivier - diesmal wegen Krankheit - nicht erhält, ist 1972 die des Don Corleone in "Der Pate". Obwohl Larry bereits fleißig den italienischen Akzent übte, wurde Marlon Brando in dieser Rolle unsterblich. In den Jahren bis zu seinem Tod im Jahre 1989 stand Olivier kaum mehr auf der Bühne, war aber bis zuletzt für Film und Fernsehen tätig.
Ulrich Blanché/Filmreporter.de - 9. Januar 2018

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