Retro-Starportrait: Scheusal Werner Krauß | FILMREPORTER.de
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Werner Krauß
"Caligari" wird Hitlers Liebling

Scheusal Werner Krauß

Werner Krauß war selten ein positiver Held - meist eher das Scheusal: Im Theater wie im Film gab er oft geistig und körperlich deformierte Kreaturen. Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde seine Person genauso dämonisiert wie sie vorher bejubelt wurde. Nur acht von mehr als 130 Filmen drehte der Charakterdarsteller Krauß zwischen 1933 und 1945. Besonders seine sechs Juden-Rollen im antisemitischen Propaganda-Film "Jud Süß" prägen die heutige Wahrnehmung seine schauspielerischen Verdienste und Person.
Von  Ulrich Blanché/Filmreporter.de,  4. April 2018

Werner Krauß in Die Hölle der Jungfrauen

Werner Krauß in Die Hölle der Jungfrauen

Werner Krauß - der Getriebene
Werner Krauß brennt von Anfang an für das Schauspiel. Aus gutbürgerlichem Pfarrershause stammend, soll der 1884 geborene Krauß Lehrer werden. Weil er zu viel Zeit als Statist am örtlichen Theater verbringt, wird er vom Unterricht ausgeschlossen und tingelt ohne Abschluss mit Wandertheatern durch die deutsche Provinz. Von Max Reinhardt, dem wichtigsten Regisseur seiner Zeit, wird er ab 1913 zunächst als Zweitbesetzung und mit Nebenrollen bedacht. Schon ein Jahr später wendet er sich dem neuen Medium Film zu und spielt mehrere Rollen an der Seite von Emil Jannings, den er im Laufe seiner langen Karriere immer wieder treffen wird. Von Anfang an spielt er in den Melodramen, Detektiv-, Sitten- und Aufklärungsfilmen abstoßende, verkommene und leicht debile Widerlinge. So gibt er in "Die Bettlerin von St. Marien" den Buckeljörg, in "Dida Ibsens Geschichte" den sadistischen Peitschenschwinger Galen, den chinesischen Rauschgifthändler Nung-Tschang in "Opium" oder in "Totentanz" einen mordlüsternen Krüppel.

Werner Krauß als Cyrano de Bergerac

Werner Krauß als Cyrano de Bergerac

Der böse Werner Krauß
Seinen internationalen Durchbruch hat Werner Krauß nach dem Ersten Weltkrieg mit "Das Cabinet des Dr. Caligari". Seine von expressiver Mimik und starker Körpersprache geprägte Darstellung des Schaustellers und Irrenarztes zählt heute noch zu seinen bekanntesten. Der Stummfilm ist sein Medium - hier kann Krauß mit seiner physischen Präsenz wirken und in immer neue Rollen und Kostüme schlüpfen. Dennoch bleibt er oft klischeehaft dämonisch, wie als Scapianelli in "Der Student von Prag". Doch Werner Krauß kann der Festlegung auf derartige Scheusal-Rollen entgehen. Immer wieder spielt er auch ambivalentere oder sogar positive Parts wie in "Scherben", wo er den Verführer seiner Tochter tötet oder dem Lustspiel "Alt-Heidelberg", wo er einen liberalen Hauslehrer spielt. Diese Rolle hatte er zuvor schon am Theater gegeben.

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