Retro-Starportrait: Einer, der alles kann | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Billy Wilder
Billy Wilder, Multitalent mit Humor

Einer, der alles kann

Gebot Nummer eins: Du darfst das Publikum niemals langweilen! Unter dieser Prämisse zauberte Billy Wilder einige der besten Filme aller Zeiten auf die Leinwand, egal ob Komödie, Drama, Gerichtsthriller oder Kriegsfilm. Durch seine Vielseitigkeit machte er sich bereits in den 1950er und 60er Jahren zur Hollywood-Legende und schuf Filme, die noch heute Jung und Alt begeistern.
Von  Bettina Friemel/Filmreporter.de, 10. April 2018

Tony Curtis und Jack Lemmon in "Manche mögen's heiß"

Tony Curtis und Jack Lemmon in "Manche mögen's heiß"

Echter Goldjunge
Die Klassiker "Manche mögen's heiß", "Zeugin der Anklage" und "Boulevard der Dämmerung" haben außer dem schwarz-weiß Format noch eine andere Sache gemeinsam: ihren genialen Regisseur und Drehbuchautor Billy Wilder. Der vielseitige Meister der spritzigen Geschichten mit oft skurrilen Figuren fühlte sich in jedem Genre zuhause und prägte die Filmwelt wie kaum ein anderer. Kein Wunder, dass er zu Lebzeiten nicht nur häufiger Gast, sondern gleich einundzwanzigfacher Nominierter bei den Academy-Awards war. Immerhin sechs Oscars konnte er ergattern, wovon er alleine drei für "Das Apartment" (1960) erhielt. Damit gehört er zu den wenigen, die für einen Film in den Kategorien Bestes Drehbuch, Beste Regie und Bester Film mit der Trophäe nach Hause gehen konnten.

Regisseur Fred Zinnemann

Regisseur Fred Zinnemann

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Kontakte zur Filmbranche knüpfte Samuel Wilder bereits zu Schulzeiten, ohne es zu ahnen. Nachdem er während des Ersten Weltkrieges 1916 mit seiner Familie im Alter von zehn Jahren aus Angst vor der russischen Armee von Galizien nach Wien umsiedelte, ging er mit dem späteren Regie-Star Fred Zinnemann in dieselbe Klasse. Von da an verband die beiden eine enge Freundschaft, die sie über all die Jahre weiterhin pflegten. Nach der Matura nannte sich Wilder auch offiziell Billie - so rief ihn seine Mutter bereits als Kind - und verdiente sich sein Geld als Reporter für die Wiener Boulevardblätter "Die Stunde" und "Die Bühne". Ein Interview mit dem Jazzmusiker Paul Whiteman inspirierte ihn 1926 zu einer Reise nach Berlin, wo er die nächsten Jahre seine Zelte aufschlug. Dort lebte er im Stadtteil Schöneberg zur Untermiete Wand an Wand neben einer ständig rauschenden Toilette. Und wieder trat ein Mann aus der Filmbranche in sein Leben. Der Direktor der Maxim-Film stand eines Nachts in Unterhose vor seinem Bett, nachdem er aus dem Schlafzimmer einer Nachbarin flüchten musste. Wilder nutzte die peinliche Situation schamlos aus und drängte ihm sein Drehbuch auf.

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