Retro-Starportrait: Grenzgänger Roberto Rossellini | FILMREPORTER.de
Filmreporter-RSS

RETRO Feature

Roberto Rossellini
Pionier der ungeschönten Wirklichkeit

Grenzgänger Roberto Rossellini

Obwohl vom strengen Katholizismus seiner Zeit geprägt, wird Roberto Rossellini zum Wegbereiter des neorealistischen italienischen Films. Seine anfängliche Nähe zu Benito Mussolini sowie die skandalträchtige Verbindung mit der schwedischen Schauspielerin Ingrid Bergman tragen ihm den Ruf eines Grenzgängers ein. Als er am 3. Juni 1977 in seiner Geburtsstadt Rom einem Herzinfarkt erliegt, stirbt mit ihm auch seine Vision, mithilfe der unerschütterlichen Kraft des Films die schonungslose Seite des Lebens in ihrer Komplexität einzufangen. Für den Förderer des jungen Federico Fellini steht zeitlebens die kritische Darstellung des Unterschichtenmilieus im Zentrum seines Schaffens.
Von  Timo Buschkämper, Filmreporter.de, 31. Mai 2018

Rom, offene Stadt

Rom, offene Stadt

Anfänge mit fadem Beigeschmack
Vater Angelo Giuseppe Rossellini ist der Architekt des ersten römischen Lichtspielhauses, weshalb der junge Roberto schon früh mit dem Film in Berührung kommt. In seiner Funktion als Geräuschemacher verdient er sich neben dem Studium der Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte Studiengeld und erste Sporen am Set. In einem seiner ersten Kurzfilme "Prélude à l'après-midi d'un faune" lässt er sich von dem französischen Komponisten Claude Debussy und dessen gleichnamigen Orchesterstück inspirieren. Vor allem seiner damaligen Freundschaft mit Vittorio Mussolini, dem Sohn Benito Mussolinis und damaligen Chef der italienischen Filmindustrie, ist es zu verdanken, dass der Nachwuchsregisseur in der Branche Fuß fassen kann. Sein Drehbuch zu "Luciano Serra pilota" wird noch von Goffredo Alessandrini realisiert, kurz darauf jedoch schwingt Roberto persönlich den Regiestab. Seine sogenannte faschistische Trilogie entsteht unter dem merklichen Einfluss des faschistischen Regimes Mussolinis.

Roberto Rossellini

Roberto Rossellini

Der Durchbruch
Nach der Befreiung Roms durch die alliierte Truppen vollzieht Rossellini eine ideologische Kehrtwende. Mithilfe des jungen Federico Fellini entsteht 1944/45 "Rom, offene Stadt", das den moralischen Widerstand in Zeiten des Krieges zum zentralen Thema macht und Rossellinis Weltruf begründet. Der Film wird zum Manifest des italienischen Neorealismus. Im Jahr darauf thematisiert er die Befreiung Italiens vom Faschismus in seinem Episoden film "Paisà", an dessen Drehbuchgestaltung unter anderem der Schriftsteller Klaus Mann beteiligt ist. In dessen Heimat ist Rossellinis wohl schonungslosestes Zeitdokument auch verortet. "Deutschland im Jahre Null" aus dem Jahr 1948 spielt an Originalschauplätzen im zerbombten Nachkriegs-Berlin. Mit Laiendarstellern bildet Rossellini die fatalen Fortwirkungen des von den Nazis propagierten Sozialdarwinismus eindringlich ab - ein Film mit nachhaltiger Schockwirkung.

Seite: 1 Seite vor >>

Zum Thema

Porträt zu Roberto Rossellini

Roberto Rossellini

Schnitt, Darsteller, Regisseur, Drehbuch, Produzent
Geboren wurde der Mitbegründer des Neorealismus 1906 in Rom. Eine Laufbahn als Filmemacher schwebte dem jungen Rossellini zunächst nicht vor. Als... weiter
Die Rote

Weitere Retrofeatures: Eigenständige Ruth Leuwerik

"Die Trapp-Familie" ist Ruth Leuweriks einziger internationaler Erfolg. Die... weiter
Regisseur Fred Zinnemann

Fred Zinnemann

Immer wieder gibt es Filme, die zu Klassikern werden. Sie sind nicht mehr aus dem... weiter
James Stewart ist: Der Mann aus Laramie

Aufrechter Amerikaner: James Stewart

Für sein Vaterland setzt er im Krieg sein Leben aufs Spiel, auf der Leinwand zeigt er... weiter
© 2018 Filmreporter.de