Retro-Starportrait: Grenzgänger Roberto Rossellini | FILMREPORTER.de
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Stromboli

Stromboli

Ingrid Bergman und ein neuer Skandal
In einem Brief preist sich Ende der 1940er Jahre eine junge schwedische Schauspielerin dem römischen Filmemacher an. Sie wäre multilingual und eine Bewunderin seiner Schaffenskunst. Ingrid Bergmans Ruf bleibt nicht unerhört und so entsteht die Trilogie der Einsamkeit. Sie umfasst die Werke "Stromboli", "Europa 51" und "Reise in Italien". Als Zentralmotiv eint sie die existenzielle Alleinstellung des Individuums. Im Zuge der Zusammenarbeit verlieben sich der Regisseur und seine nordische Protagonistin ineinander. Ein Umstand, der zu einem Aufschrei der Entrüstung führt. Speziell in den konservativen Kreisen der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und Italien provoziert die Liebesbeziehung bigotte Moralisten. Als Grund wird der Umstand angeführt, dass der katholische Rossellini noch mit der Schauspielerin Marcella De Marchis verheiratet ist und die protestantische Bergman ihren Ehemann, den Zahnarzt Petter Lindström sowie die gemeinsame Tochter für die neue Liebe sitzen lässt. Unbeirrt der harschen Reaktionen folgen die Frischverliebten dem Werben Amors, kappen ihre Ehen und heiraten 1950. Als Konsequenz kann Rossellini mit seinen Filmen in den USA auf Jahre nicht mehr Fuß fassen. Sieben Jahre später ist alles vorbei und Ingrid Bergman lässt sich scheiden, da Rossellini sie angeblich künstlerisch einenge, jedoch ist zu diesem Zeitpunkt mit Sonali Senroy DasGupta bereits eine neue Frau in das Leben des Regisseurs getreten.

Roberto Rossellini - 4 Filme

Roberto Rossellini - 4 Filme

Spätwerk und Fazit
Rossellini lernt DasGupta während einer Reise nach Indien kennen. Vor Ort dreht er für das italienische und französische Fernsehen eine zehnteilige Fernsehreihe, die einen realistischen Blick auf den Subkontinent gewähren soll. In einem Mix aus Dokumentation und Spielfilm entsteht schließlich, das von der Serie "L'India vista da Rossellini" inspirierte "Indien, Mutter Erde". Von da an widmet er sich vermehrt der Arbeit fürs Fernsehen, zudem betätigt sich Rossellini in Rom und Neapel auch als Theater- und Opernregisseur. Sein letztes Werk ist der Dokumentarfilm "Beaubourg, centre d'art et de culture Georges Pompidou" in seinem Todesjahr. Bis zuletzt durchzieht der künstlerische Grundgedanke, dass nur im Glauben die völlige Freiheit hergestellt sei, sein Werk. Lebemann Rossellini ist Vater von sieben Kindern, darunter auch Tochter Isabella, die ihrerseits auf eine Schauspielkarriere von Weltruf zurückblicken kann. Er liebt schnelle Autos und steuert zusammen mit seinem Bruder, dem Komponisten und Dirigenten Renzo Rossellini, den Großteil der Musik zu seinen Filmen selbst bei. Was bleibt ist ein großer Individualist und Pionier der europäischen Filmgeschichte, der allerdings den moralischen Grundprinzipien seines Schaffens im realen Leben hin und wieder unterlegen ist.
Timo Buschkämper, Filmreporter.de - 31. Mai 2018

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