Retro-Starportrait: Unsterblicher Narziss | FILMREPORTER.de
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Der Schwarm aller Frauen - mit Cowboyhut und ernstem Blick.
Mythos James Dean lebt

Unsterblicher Narziss

Eigentlich war der 30. September 1955 wie jeder Tag in Kalifornien: sonnig, warm und wolkenlos. James Dean ist in seinem silbernen Porsche Spyder auf dem Highway unterwegs zu einem Rennen in Salinas. Um 15.30 Uhr wird er in Bakersfield wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt. Gegen 17 Uhr kauft er sich in einem Laden einen Apfel und eine Cola. Knapp 45 Minuten später rast der 24-Jährige an einem menschenleeren Wüstenabschnitt in den Tod - und wird unsterblich.
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de,  6. September 2018

James Dean

James Dean

Wenn ein Mann eine Brücke zwischen Tod und Leben schlagen kann...
Ich meine, wenn er auch nach seinem Tod weiterlebt...
dann war er ein großer Mann!'
(James Dean kurz vor seinem Tod)

"Ich hatte mit so etwas gerechnet", sagt der Starfotograf Phil Stern heute. "Seine exzessive Abenteuerlust und sein ständiges Verlangen nach mehr mussten ihn zwangsläufig in Schwierigkeiten bringen." Kennen gelernt hatten sich die beiden Jahre vor seinem Tod, als der aufstrebende Jungschauspieler ihm auf seinem Motorrad die Vorfahrt nahm. "Wir gingen einen Kaffee trinken, lachten schon kurz danach über den Vorfall und landeten schließlich im Fotostudio. So war Jimmy eben." Aus der flüchtigen Bekanntschaft entstanden einige von Deans besten Portraits, unter anderem eine mimische Interpretation von Komödie und Tragödie. Lustig und traurig, schillernd und düster, leichtlebig und schwermütig - zwischen diesen Extremen pendelte auch sein Leben. Dean war ein Suchender, der trotz seines Weltruhm alleine blieb. Ein Einzelgänger, der mit gerade mal 24 Jahren seinen Traum lebte - und trotzdem nie wirklich glücklich werden konnte.

Der Schauspieler in seiner Lieblingsrolle als Rennfahrer.

Der Schauspieler in seiner Lieblingsrolle als Rennfahrer.

"Ich will berühmt werden - so schnell es nur irgendwie geht"
Als einziger Sohn einer Farmerfamilie in Marion, Indiana, geboren, erzieht ihn seine Mutter zu einem kreativen Talent. Er nimmt Tanzunterricht, spielt Geige und gelegentlich Theater. Doch die trügerische Harmonie nimmt ein jähes Ende, als die Weltwirtschaftskrise den Vater zur Zahntechnik und die Familie nach Kalifornien treibt. Als er neun Jahre alt ist, stirbt seine Mutter überraschend an Krebs. Der Vater ist überfordert und steckt den traumatisierten neunjährigen Jimmy mit dem Sarg seiner Mutter in einen Zug Richtung Heimat. Von da an lebt er auf der Farm seines Onkels in Fairmount. "

Jimmy beteiligte sich an allem, was Publikum anzog", erinnert sich sein jüngerer Cousin Marcus Winslow. "Theateraufführungen, Debattierrunden und Sportevents. Er brauchte das Publikum. Trotzdem ahnte damals niemand, dass er später mal Filmstar werden würde." Der Vater stellt sich gegen seine Ambitionen, doch Jimmy geht seinen Weg, schmeißt das Jura-Studium, setzt alles auf eine Karte und zieht nach New York, dem damaligen Mekka der TV-Industrie. Als jüngstes Mitglied wird er in das "Actors Studio" von Lee Strasberg aufgenommen und trifft dort zum ersten Mal auf Marlon Brando, Idol und Konkurrent in einem. Dean geht dreimal pro Tag ins Kino, studiert die Karrieren großer Stars und arbeitet an seinen eigenen Fähigkeiten. In den Folgejahren spielt er in über dreißig TV-Shows, doch Fernsehen ist noch nicht Massenmedium und sein Erfolg nur regional. Er wird sich selbst der härteste Kritiker. Seinen Zieheltern schreibt er damals: "Ich will euch stolz machen und berühmt werden - so schnell es nur irgendwie geht."

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