Retronews: Machwerk über Robert Koch | FILMREPORTER.de
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Der Stern, August 1939, Nr. 33, Cover
Entdecker des Tuberkulose-Erregers

Machwerk über Robert Koch

Nach der Fertigstellung von Hans Steinhoffs Werk "Robert Koch, der Bekämpfer des Todes" trafen die Stern-Redakteure Hauptdarsteller Emil Jannings in seinem prächtigen Besitztum am Wolfgangsee, um mit ihm über seine Rolle zu sprechen. Was sie dort erfahren, hat jedoch wenig mit dem wahren Hintergrund des Projekts zu tun. Das Drama kommt im September 1939 in die deutschen Kinos.
Von  Belinda Grimm/Filmreporter.de,  8. August 2018

Emil Jannings mit Wellensittich

Emil Jannings mit Wellensittich

Mängel der Regie
Emil Jannings schloss erst kürzlich die Dreharbeiten zu seinem Film über Robert Koch ab. Hans Steinhoffs Werk über den berühmten Wissenschaftler, der 1884 den Erreger des Tuberkulose-Virus entdeckte, warf Fragen auf. So gingen viele Leserbriefe ein, die untrügliche Mängel der Regie kritisierten. Beispielsweise soll die Brille des echten Robert Kochs bedeutend schmaler gewesen sein.

Darauf angesprochen räumte Jannings Abweichungen zum Original ein. Allerdings wehrte er sich gegen den Vorwurf, dass es sich bei dem im Film verwendeten Mikroskop um eine Nachahmung handeln solle. Schließlich wurde das Instrument vom Robert Koch Institut zur Verfügung gestellt. Es handele sich um das Originalgerät, mit dem Robert Koch die Tuberkuloseerreger entdeckt hat. Auch der Gebrauch des medizinischen Werkzeugs mit offenen Augen sei korrekt. Namhafte Ärzte hätten Jannings versichert, dass man mit beiden geöffneten Augen mikroskopieren könne.

Tierfreund Emil Jannings

Tierfreund Emil Jannings

Propaganda statt Unterhaltung
Emil Jannings hätte sich nicht nur mit den Tücken der Regie beschäftigen, sondern auch mehr Zeit mit dem Studium seines Themas verbringen sollen. Bei Hans Steinhoffs Robert Koch handelt es sich nämlich weniger um den genialen Wissenschaftler, als um eine Führerfigur. Der Arzt wird in dem propagandistischen Biopic als Genie dargestellt, der sich sein Wissen nicht erarbeitet, sondern intuitiv angeeignet hat. Typisch für diese Art von politisch motivierten Filmen aus der NS-Zeit sind ihre brutale und menschenverachtende Sprache. So werden Zweifler als "Parasiten" und "Kanaken" bezeichnet. Medizinische Ausdrücke wie Tuberkuloseerreger werden durch martialische Begriffe wie "Gegner" ersetzt, die "aufgespürt" und "ausgerottet" werden müssen.

Wenn sich letzten Endes das "bahnbrechende Neue" durchsetzt und das veraltete Regime ablöst, spiegelt das die Ideologie des Nationalsozialismus wider, der die schwache, aber demokratische Grundkonstruktion der Weimarer Republik abgelöst hat. Kochs flammende Schlussrede diente dazu, die aggressive Stimmung in Deutschland anzuheizen und wurde deshalb von den Alliierten nach dem Krieg gekürzt.
Belinda Grimm/Filmreporter.de - 8. August 2018
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