Retronews: Vergeudet Ingrid Andree ihre Begabung? | FILMREPORTER.de
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Ingrid Andree
Verheizt das Kino seine Talente?

Vergeudet Ingrid Andree ihre Begabung?

Verheizt der Film die Schauspieler? Dies fragt sich die Film Revue am 20. Januar 1959. Nutzt er echte Talente für sein Schaugeschäft aus, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen sind? Mit diesen Fragen rührt die Zeitschrift nicht nur an das Verhältnis von Kunst und Geschäft im Film. Sie beleuchtet zugleich auch die Situation der Schauspielerin Ingrid Andree im zeitgenössischen deutschen Kino.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de, 22. Oktober 2014

Ingrid Andree in "Primanerinnen"

Ingrid Andree in "Primanerinnen"

Verkaufen und verkauft werden
Es gebe gewiss Fälle, in denen der Film einen Schauspieler unter seinem Wert verkauft. Aber diese Fälle seien erstens nicht so häufig und zweitens gebe im Kino immer zwei Parteien, "die eine die verkauft und die andere, die verkaufen lässt". Ein Schauspieler, der keinen Film machen wolle, könne zum Fernsehen oder zum Theater gehen - und dort einen schlimmen Reinfall erleben. Denn auch in "deren Küche wird nur mit Wasser gekocht", schriebt die Film Revue.

Dass sich im Kino Qualität und Talent durchsetzen, dafür steht beispielhaft Ingrid Andree. Als sie zum Film kam, hatte sie Schauspielschule und erste Theatererfolge schon hinter sich. Nach ihrem erfolgreichen Kino-Start mit "Primanerinnen" war sie an mehreren Produktionen beteiligt - mit ihrem Talent setzte sie sich immer wieder durch. Jetzt kann sich die Schauspielerin in der Adaption von Shakespeares "Hamlet" durch Helmut Käutner erneut behaupten. Das Fazit von Film Revue: "Nur was Hölzern ist, kann verheizt werden. Wer den zündenden Funken in sich hat, brennt aus sich selbst weiter - auch beim Film."

Ingrid Andree und Gisela von Collande in der Hauptmann-Adaption "Die Ratten"

Ingrid Andree und Gisela von Collande in der Hauptmann-Adaption "Die Ratten"

Die Liebe zum Theater
Helmut Käutners Shakespeare-Verfilmung "Der Rest ist Schweigen" ist einer der letzten Kinoerfolge der 1931 in Hamburg geborenen Schauspielerin Ingrid Andree. In der nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelten Adaption agiert sie an der Seite von Hardy Krüger und Peter van Eyck. Danach konzentriert sie sich vor allem auf das Theater und Fernsehen. Seit 1969 werden ihre Fernsehauftritte seltener und Andree tritt fast nur noch auf der Bühne auf. Von 1967 bis 1970 ist sie Teil der Münchner Kammerspiele, von 1971 bis 1980 Ensemblemitglied am Thalia-Theater Hamburg. Zu den weiteren Stationen ihrer Theaterlaufbahn gehört auch das Schauspielhaus Köln. Daneben ist Andree auch als Synchronsprecherin tätig. Seit 1986 ist sie Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg. Erst 2010 ist die Hamburgerin wieder in einer Kinoproduktion zu sehen. Unter der Regie von Damir Lukacevic spielt sie in "Transfer".
Willy Flemmer, Filmreporter.de - 22. Oktober 2014
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