Retronews: Virtuose Oskar Werner | FILMREPORTER.de
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Oskar Werner in einer Szene aus "Hamlet".
"Hamlet" der A-Klasse

Virtuose Oskar Werner

Wenn sich der Vorhang im Theater an der Josefstadt schließt, steht für die Zuschauer fest: Oskar Werner ist der beste Hamlet-Darsteller aller Zeiten. Die Intensität, mit der er den dänischen Prinzen spielt, lässt alle Vorgänger vergessen. Die Leistungen von Hans Jaray, Albin Skoda und sogar Englands besten Shakespeare-Akteur Laurence Olivier verblassen angesichts seiner Darstellungsweise. Nicht umsonst zählt Werner zu den talentiertesten deutschen Nachwuchsschauspielern.
Von  Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de, 12. November 2017

Das Cover der Filmrevue aus dem Jahr 1956.

Das Cover der Filmrevue aus dem Jahr 1956.

Er spielt nicht, er ist Hamlet
Im engen schwarzen Mantel steht Oskar Werner regungslos im Halbschatten der Bühne. Nur sein Gesicht ist im hellen Licht zu sehen. Der Darsteller verschmilzt mit seiner Figur. Das schlanke Antlitz ist von Schwermut gekennzeichnet, die großen Augen starren ins Leere. Plötzlich erwacht die Figur zum Leben. Zum Vorschein kommt der junge, tatendurstige Prinz Hamlet. Werner spielt den vom Wahnsinn getriebenen Prinzen mit beängstigender Perfektion. Glatt könnte man glauben, er ist der wahre Hamlet.

Schließlich kommt es zum Höhepunkt des Abends. Bosheit, Ironie und beißender Spott kennzeichnen Hamlets Monolog. Das Publikum wartet in beklemmender Stille. Jeder Seufzer, jedes Wort und jede Geste passen sich perfekt in die Szenerie ein. Derzeit befindet sich die Hamlet-Truppe auf Tournee durch die deutsche Bundesrepublik. Nach diesem Engagement soll Werner eine Kinorolle übernehmen. Dem Magazin Film Revue aus dem Jahr 1956 (Jahrgang 10, Heft 22), ist jedoch nicht bekannt, ob es tatsächlich mit einer Filmrolle klappte.

Oskar Werner in "Fahrenheit 451"

Oskar Werner in "Fahrenheit 451"

Leben fürs Theater
Für seine Schauspielkunst wird Oskar Werner von Arthouse-Fans bewundert. Seine Leistungen in Werken wie "Jules und Jim" und "Das Narrenschiff" verhalfen ihm zu internationaler Beachtung. Obwohl er auch als Leinwanddarsteller Erfolge erntete, zog es ihn immer wieder auf die Bühne. "Ich bin verheiratet mit dem Theater, aber meine Geliebte ist das Kino", soll er einst gesagt haben. Werners Darstellung in François Truffauts "Fahrenheit 451" brachte ihm Weltruhm. Leider bedeutete es gleichzeitig das Ende der produktiven Zusammenarbeit mit Truffaut. Aufgrund künstlerischer Differenzen trennten sich ihre Wege.
Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de - 12. November 2017
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