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James Mason
IRA-Rebell auf der Flucht

James Mason ausgestoßen

Mit melancholischen oder unsympathischen Rollen wurde er zum Star. In "Ausgestoßen" darf James Mason wieder einen solchen Außenseiter verkörpern. Sein dunkles, betont männliches Gesicht vermittelt eine bedrohliche Brutalität und so ist es nicht verwunderlich, dass er für den Part eines IRA-Rebellen geradezu maßgeschneidert ist. Unter der Regie von Carol Reed darf man einen hochklassigen Film aus England erwarten, der eine scharfe soziale Anklage zum Thema hat.

James Mason

James Mason

Brutale männliche Anziehungskraft
Wie die Zeitschrift Neue Filmwelt in ihrem 2. Heft 1948 berichtet, ist James Mason der ideale Schauspieler für die Verkörperung des gefährlichen Revolutionärs Johnny McQueen. Er ist das Herz und Hirn einer Gruppe von irischen Umstürzlern. Als Anführer dieser sich stets im Untergrund bewegenden Organisation, plant er einen Überfall. Mit Hilfe der Beute will er die Zukunft der Gruppe sichern und weitere Aktivitäten gegen die englische Besatzungsmacht durchführen. Um sich vor seinen Häschern zu schützen, versteckt er sich im Haus von Kathleen (Kathleen Ryan) und ihrer Mutter. Doch etwas geht schief und Johnny wird verletzt.

Der Film führt uns auf eine wilde Jagd durch Kneipen und Spelunken Belfasts und zwingt uns, Johnnys Angst mit flatternden Herzen mitzuerleben. James Masons große Augen sind hier noch weiter aufgerissen als sonst. In ihnen spiegelt sich seine wunde Seele wieder. Gedreht wurde das spannende Drama zum Teil an Originalschauplätzen in Nordirland. Die Verlagerung des Gewichts in seelische Bezirke und die Zergliederung seiner Helden und Situationen erinnern in ihrer Subtilität an französische Vorbilder.

Beinahe-James-Bond James Mason.

Beinahe-James-Bond James Mason.

Bösewicht und Friedensapostel
Für James Mason waren Rollen als Bösewicht eine echte Herausforderung, denn in Wirklichkeit war er ein friedliebender Mann. Dies ging so weit, dass er den Kriegsdienst im zweiten Weltkrieg aus Gewissensgründen verweigerte. Diese Einstellung nahmen ihm viele übel, unter anderem seine eigene Familie, die seine Entscheidung nicht verstehen konnte. "Ausgestoßen" wurde ein großer Erfolg, sowohl für Mason als auch für seinen Regisseur. Carol Reed drehte anschließend die Kassenschlager "Kleines Herz in Not" und "Der dritte Mann".

James Mason wurde immer öfter nach Hollywood gebeten, wo er sowohl unsympathische als auch glamouröse Rollen angeboten bekam. Er spielte unter anderem Kapitän Nemo in "20.000 Meilen unter dem Meer", Feldmarschall Erwin Rommel in "Rommel, der Wüstenfuchs" und Brutus in der Shakespeare-Verfilmung von "Julius Caesar". Auch als Bühnenschauspieler erfreute sich Mason großer Beliebtheit. Ein Grund dafür war seine wohlklingende Stimme und die Fähigkeit, starke Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Seine Ausdrucksstärke und der Mix aus brutalen und eleganten Charakterzügen machten ihn zum Wunschkandidaten für die Rolle des ersten James Bond. Doch dazu kam es nicht.
Jens Christian Johannsen, Filmreporter.de - 14. April 2018
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