Starfeature: Verführer Willem Dafoe | FILMREPORTER.de
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Starfeature

Willem Dafoe
Teufel im Schafspelz

Verführer Willem Dafoe

Sein unverwechselbares Lächeln hat etwas Diabolisches. Die markanten Gesichtszüge deuten auf ein Geheimnis hin. Von Willem Dafoe geht eine trügerische Ruhe aus, die im Verdacht steht, sich im Handumdrehen in ungezügelte Explosivität zu verwandeln. Er ist ein Allrounder, der sowohl im Mainstream als auch im Independent-Genre Anerkennung bekommt. Ob als Wissenschaftler, Ingenieur, Religionsstifter, Psychiater, Drogendealer oder Frauenverführer - Dafoe setzt sich in seinen Darbietungen von der schauspielenden Masse ab.
Von  Timo Buschkämper, Filmreporter.de,  7. November 2009

Willem Dafoe in "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected"

Willem Dafoe in "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected"

Karrierebeginn
William J. Dafoe kommt 1955 als eines von acht Kindern eines Chirurgen und einer Krankenschwester im US-Bundesstaat Wisconsin zur Welt. Aus Angst, dass er den Spitznamen Billy verpasst kriegt, nennt er sich Willem. Früh begeistert sich der Teenager fürs Theater und agiert schon zu Schulzeiten auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Folgerichtig geht Willem nach dem Schulabschluss nach Milwaukee und studiert an der University of Wisconsin Theaterwissenschaft. Die Theorie ist ihm zu trocken und so schließt er sich nach zwei Semestern der experimentellen Theaterformation Theatre X an, mit der er fortan durch Europa und die USA tourt. Mitte der 1970er Jahre hat er genug vom Vagabundenleben und zieht nach New York. Dort sieht er eine Aufführung der avantgardistischen Theatergruppe The Wooster Group und ist begeistert. Er wird Mitglied und gehört der Formation 30 Jahre lang an.

Willem Dafoes Markenzeichen: der ernste Blick

Willem Dafoes Markenzeichen: der ernste Blick

Filmerfolge
Im Jahr 1981 hat er als Komparse seinen ersten Filmauftritt. Michael Ciminos Western "Heaven's Gate" gilt als einer der größten Flops in Hollywoods Geschichte. Aufgrund vernichtender Kritiken in den USA, exzessiver Budgetüberschreitung und einer viel zu langen Produktionszeit markiert "Heaven's Gate" einen Wendepunkt. Seither nehmen die großen Studios wieder mehr Einfluss auf ihre Projekte und schauen den zuständigen Regisseuren verstärkt auf die Finger. Kein guter Start für eine erfolgreiche Schauspielkarriere, sollte man meinen, aber Dafoe wird im Abspann nicht mal erwähnt. Fünf Jahre danach feiert er als aufrichtiger Sergeant Elias Grodin in Oliver Stones "Platoon" seinen Durchbruch als Filmschauspieler. Eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller adelt seine Arbeit. Am Ende von "Platoon" wird Grodin in aufopfernder Christus-Pose erschossen - ein prophetischer Verweis auf eine spätere Rolle Dafoes. Unvergessen auch seine Darbietung an der Seite von Gene Hackman als FBI-Agent Ward in "Mississippi Burning - Die Wurzel des Hasses" von Alan Parker aus dem Jahr 1988. Martin Scorsese hingegen sieht in dem US-Schauspieler gar eine Figur historischen Ausmaßes. In "Die letzte Versuchung Christi" besetzt er Dafoe als Jesus Christus. Im Laufe seiner weiteren Karriere spielt er unter der Regie renommierter Filmemacher wie Anthony Minghella, Lars von Trier, Wim Wenders oder David Lynch.

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