Starfeature: Steven Soderbergh kritisiert Hollywood | FILMREPORTER.de
Filmreporter-RSS

Starfeature

Steven Soderbergh verteidigt den guten Deutschen auf der Berlinale PK (2007)
Der sichere Weg führt geradeaus

Steven Soderbergh kritisiert Hollywood

Steven Soderbergh hielt beim San Francisco Film Festival am 27. April 2013 eine Rede, in der er seinem Unmut über das Studiosystem in Hollywood Luft machte. Soderbergh möchte die Studios nicht abschaffen. Er hat selbst Star besetzte Hollywoodblockbuster wie "Ocean's Eleven", "Contagion" oder aktuell "Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen" inszeniert. Die heben sich in ihrer Thematik, Figurenzeichnung und Erzählstruktur von anderen Produktionen dennoch ab. Er hätte einfach gern, dass sich die Studios mehr trauen und die Produzenten etwas mehr Ahnung von der Materie haben und neue Projekte nicht nur nach Marketinggesichtspunkten entscheiden.
Von  Tatjana Niezel, Filmreporter.de, 23. Mai 2013

Contagion

Contagion

Jude Law: Mistkerl oder Held?
Soderbergh unterscheidet zwischen Filmen mit kommerziellem und welche mit künstlerischem Anspruch. Letzteren liegt eine besondere Idee zugrunde und sie setzen auf eine Filmästhetik, welche diese Idee transportiert. Das Problem sei, dass in Hollywood die Vermarktbarkeit eines Filmes darüber entscheide, ob er überhaupt gedreht werde. Die Studios wollen die Sicherheit, dass ein Film nicht nur in den USA zum Kassenschlager wird, sondern auch im Ausland. Dafür muss der Film jedoch eine allgemein verständliche Geschichte erzählen, möglichst frei von kulturellen Besonderheiten sein, auf erzählerische Komplexität verzichten und die Charaktere sollten nicht zu vielschichtig sein, fasst Soderbergh die gängigen Kriterien zusammen.

Alles was nicht leicht verständlich ist, irritiert die Zuschauer, weiß der Regisseur und belegt dies mit einem Beispiel. Bei einer Testvorführung seines Thrillers "Contagion" habe ein Mann gesagt, dass er die Figur, die Jude Law spielte, hassen würde, weil er nicht einordnen könne, ob Law ein Mistkerl oder Held sei. Vor solchen Reaktionen haben die Studiobosse Angst, denn was nicht verstanden wird, wird auch nicht gemocht und folglich bezahlt auch niemand, um es im Kino anzusehen.

In seiner Rede nennt Soderbergh auch einige Zahlen. Im Jahr 2003 wurden in den USA 455 Filme veröffentlicht, von denen wurden 180 von oder für die Studios produziert währen 275 unabhängig finanziert wurden. 2012 gelang 677 Filmen der Sprung ins Kino, von denen 549 unabhängig produziert waren und 128 aus einer Studioschmiede kamen. Die Rate der Indie-Filme ist in knapp zehn Jahren sogar um 100 Prozent gestiegen, während die Studioproduktionen um 28 Prozent zurückgingen. Das ist jedoch nur im ersten Moment ein Grund zur Freude, denn wo die Studios 2003 noch 69 Prozent der Gewinne für sich verbuchen konnten, war die Rate im letzten Jahr auf 76 Prozent angestiegen. Weniger Studiofilme haben also mehr Gewinn gemacht und die unabhängigen Filmemacher müssen ein geschrumpftes Stück Kuchen unter mehr Filmen aufteilen.

Steven Soderbergh auf der Pressekonferenz zu "Haywire"

Steven Soderbergh auf der Pressekonferenz zu "Haywire"

Vorang der Ökonomie über die Filmkunst
Die Produzenten und Manager, die darüber entscheiden, ob ein Film grünes Licht bekommt, tun dies laut Soderbergh nach rein ökonomischen Gesichtspunkten und haben vom Filmemachen wenig Ahnung. Ihre Rechnung geht so: Je mehr ein Film kostet, umso mehr muss er auch einspielen und umso einfacher muss seine Geschichte sein. In Zahlen: Die Vermarktung eines Mainstreamfilms in den USA fängt ungefähr bei einem Budget von 30 Millionen US Dollar an, soll die Produktion es auch ins Ausland schaffen, muss man nochmals mindesten 30 Millionen draufpacken. Um also gut aus der Geschichte herauszukommen, muss der Film dann an den Kinokassen mindesten 120 Millionen einspielen. Jetzt kommt das große Problem bei der Sache, warum es den Studios leichter fällt, Unsummen für teure Blockbuster als für kleinere Produktionen auszugeben. Sie geben lieber 60 Millionen für die Werbung eines Films aus, der in der Produktion schon 100 Millionen Dollar verschlungen hat, als für einen Film, der nur zehn Millionen gekostet hat. Das fühle sich psychologisch einfach besser an, argumentiert Soderbergh in seiner Rede.

Ein Problem ist außerdem, dass die Kosten für die Werbung nicht im Verhältnis zu den Produktionskosten stehen und auch keine Garantie sind, wie erfolgreich ein Film später sein wird. Es gibt nur wenige Zehn-Millionen-Dollar-Filme, die ein Einspielergebnis von 140 Millionen erreichen, die Quote der 100-Millionen-Blockbuster, die mindestens 320 Millionen Dollar in die Kassen spülen, ist hingegen deutlich höher, sogar einigermaßen verlässlich. Wenn ein Film im Kino erfolgreich ist, wird er später auch auf DVD/Blu-ray/Download sowie der Vermarktung im Fernsehen für höhere Umsätze sorgen.

Seite: 1 Seite vor >>

Zum Thema

Porträt zu Steven Soderbergh

Steven Soderbergh

Schnitt, Darsteller, Regisseur, Drehbuch, Kamera, Produzent
Steven Soderbergh besuchte nie eine Filmhochschule. Der Sohn eines Lehrers und Bruder von fünf Geschwistern drehte bereits als Jugendlicher... weiter

Porträt zu Zach Braff

Zach Braff

Darsteller, Regisseur, Drehbuch, Produzent
Geboren in South Orange, New Jersey, USA. weiter

Filmplakat zu Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen

Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen

Emily Taylor (Rooney Mara) leidet an Depressionen. Als sie nach einem Selbstmordversuch bei Psychiater Dr. Banks (Jude Law) landet, verschreibt der ein neues... mehr
Jason Lee in "My Name is Earl"

Weitere Starfeatures: Sein Name ist Jason Lee

Jason Lee gehörte schon lange zu den Darstellern, deren Gesicht man kennt, deren Name... weiter
Tom Hardy in "Dame, König, As, Spion"

Chamäleon Tom Hardy

Wenn es um die Vorbereitung auf eine Rolle geht, scheut Tom Hardy keine Mühen, um sich... weiter
Mia Wasikowska auf der Londonder Premiere von "Alice im Wunderland"

Mia Wasikowska im Wunderland

Unter der heißen australischen Sonne erblickt am 14. Oktober 1989 Mia Wasikowska das... weiter
© 2017 Filmreporter.de