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Interview

Jonathan Demmes, Anne Hathaway
Eine schrecklich nette Familie

Außenseiter Jonathan Demme

In "Rachel Getting Married" geht es ans Eingemachte. Eine streitlustige Außenseiterin mischt die Hochzeit ihrer Schwester auf und sorgt für Wirbel in ihrer Sippe. Familienkrach und Wiederannährung der Beteiligten machen die Feier zu einer turbulenten Angelegenheit. Gut gelaunt stellen sich Regisseur Jonathan Demme, Drehbuchdebütantin Jenny Lumet, Hauptdarstellerin Anne Hathaway und Produzentin Neda Armian den Fragen zu ihrem gemeinsamen Werk.
Von  Michael Wenk,  4. September 2008

Jonathan Demme in Venedig 2008

Jonathan Demme in Venedig 2008

Ricore: Mr. Demme, in Ihrem Film zeigen Sie eine vielschichtige, multikulturelle Gesellschaft. Glauben Sie, dass diese Verhältnisse dem realen Amerika von heute entsprechen?

Jonathan Demme: Die Hochzeitsgesellschaft im Film repräsentiert jenes Amerika, dem ich mich zutiefst verbunden fühle. Das sind ganz normale, durchschnittliche Verhältnisse. Ein Zuschauer, der nur ein Szenenfoto gesehen hatte, meinte, es ginge im Film wohl um die Hochzeit zweier Menschen aus verschiedenen Kulturen. Aber darum geht es nicht in erster Linie. Tunde Adebimpe, der Rachels Bräutigam Sidney spielt, war der zweite Schauspieler, dem ich diese Rolle angeboten habe. Der erste war Paul Thomas Anderson. Es wäre ein komplett anderer Film herausgekommen, hätte Paul die Rolle angenommen. Es geht eben eine sehr vielschichtige und gegensätzliche Gruppe von Menschen. Genau das ist jenes Amerika, das ich liebe. Ein Zusammentreffen solcher Menschen habe ich zuletzt erlebt, als Barrack Obama zum Präsidentschaftskandidaten ernannt wurde.

Ricore: Mrs. Lumet, die im Film dargestellte Familie erscheint als eine Art Metapher für die US-Gesellschaft in ihrem gegenwärtigen Zustand. Inwiefern hat das öffentliche Klima in Amerika die Handlung Ihres Films beeinflusst?

Jenny Lumet: Das ist ein wunderbarer Gedanke, der mir so bisher noch nicht gekommen ist: Dass das Zusammenrücken einer Familie Vorbote für kommende Veränderungen im Land sein könnte. Veränderungen, auf die wir alle hoffen. Ich bin selbst Mutter und kämpfe ständig dagegen, dass meine eigenen Kinder sich von der Gesellschaft absondern und sich bloß noch Videospielen widmen. In unserem Land ist das ein Massenphänomen. Die Familie im Film muss darum kämpfen, wieder zusammenzurücken. Und das ist ein Prozess, was die amerikanische Gesellschaft derzeit durchmacht.

Ricore: Mrs. Hathaway, im Film gibt es mehrfach Szenen des Streits und der Auseinandersetzung zwischen beiden Schwestern. Sie selbst sind ohne Schwestern, aber dafür mit zwei Brüdern aufgewachsen. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Anne Hathaway: Weder Rosemarie DeWittt, die im Film die Rolle der Rachel gespielt hat, noch ich haben Schwestern. Aber wir haben gute Freundinnen, die für uns zu so etwas wie Schwestern geworden sind. So wie im Film habe ich mich mit meinen Freundinnen noch nie gestritten. Ich glaube auch nicht, dass ich jemals so mit anderen Menschen aneinandergeraten bin wie die von mir dargestellte Kim. Und was meine beiden Brüder betrifft: Die sind meine allerengsten Freunde. Ich bin schon deshalb nie mit ihnen in Streit geraten bin, weil ich mehr zur Passivität neige als Kim. Was ich an Kim bewundere, ist der Kampf, den sie führt. Sie muss sich den Platz in ihrer Familie erkämpfen. Das musste ich selbst nie, schon gar nicht unter solch dramatischen Umständen. Aber natürlich kann ich diese Sehnsucht nachvollziehen, dazu zu gehören. Die Sehnsucht, als das anerkannt zu werden, was man ist. Nicht den Vorstellungen Anderer folgen zu müssen, nur um akzeptiert zu werden.

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