Interview: Senta Berger zu Ob ihr wollt oder nicht! | FILMREPORTER.de

Interview

Senta Berger in "Ob ihr wollt oder nicht"
Senta Bergers Ängste und Sehnsüchte

Bühne ist Tohuwabohu

Sie ist eine Ikone der deutschen Kino- und Fernsehlandschaft. Die Bühne war ihr zweites Zuhause. Nun kehrt sie nach mehreren Jahren der Abstinenz wieder auf die Kinoleinwand zurück. In Ben Verbongs "Ob ihr wollt oder nicht!" ist Senta Berger als Mutter zu sehen, die verzweifelt um das Leben ihrer krebskranken Tochter kämpft. Mit uns sprach sie über Sterbehilfe, Tod, die Angst vor der Bühne und der Sehnsucht nach ewiger Jugend.

Senta Berger in "Ob ihr wollt oder nicht!"

Senta Berger in "Ob ihr wollt oder nicht!"

Ricore: Guten Morgen, wie geht es Ihnen?

Senta Berger: Danke, mir geht es sehr gut. Wir haben einen wunderschönen Frühlingstag. Ich befinde mich derzeit in Bath, in der Nähe von London, wo ich einen vierteiligen Fernsehfilm drehe. Heute ist mein freier Tag, darum kann ich mich auch mit Ihnen unterhalten.

Ricore: Dann kommen wir gleich zum Thema: "Ob ihr wollt oder nicht!". Darin sind Sie zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder auf der Kinoleinwand zu sehen. Musste Sie Regisseur Ben Verbong überzeugen?

Berger: Nein, die Geschichte hat mich überzeugt. Ich habe das Buch gelesen und mir gedacht, diese Geschichte würde ich gerne mit erzählen.

Ricore: Sie spielen eine Mutter von vier Töchtern, die es anfangs ablehnt, ihre krebskranke Tochter aufzunehmen. Können Sie diese Haltung verstehen?

Berger: Ich bin überhaupt nicht, wie meine Filmfigur Dorothea. Aber man kann nur etwas spielen, was man sich vorstellen kann. Durch eine gewisse Lebenserfahrung kann man sich vorstellen, dass jemand den Gedanken an den Tod der eigenen Tochter verdrängen und nicht zulassen will. Daraus entsteht eine Haltung wie: "Wenn du nicht zur Chemo gehst, kannst du gar nicht gesund werden." Keiner in der Familie lässt diesen Gedanken zu. Alle setzen sich anfangs darüber hinweg. Daher sagt auch Laura, passend zum Titel: "Ob ihr wollt oder nicht, ich muss sterben, ihr müsst euch damit beschäftigen und auseinandersetzen." Diese Angst vor Verlust kann ich sehr gut verstehen.

Ricore: Haben Sie sich während der Dreharbeiten besonders intensiv mit "Verlust" und "Tod" auseinandergesetzt?

Berger: Nein, in meinem Alter sind diese Themen gegenwärtig. Es sterben Freunde oder Eltern. Der Verlust war in meinem Leben deutlich spürbar. Es ist nicht so, dass ich angestoßen werde durch eine bestimmte Lektüre oder diesen Film, mich damit zu beschäftigen. In meinem Alter beschäftigt man sich sowieso damit. Das ist ganz klar. Aber man sollte dieses Thema enttabuisieren. Unser Film versucht genau dies. Man soll damit aufrichtig umgehen.

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