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Interview

Helen Mirren in "Trumbo"
'Heute bin ich viel entspannter'

Helen Mirren - stark und gelassen

Er war ein Mann, der sich klar positionierte und dafür einen hohen Preis bezahlte: Schriftsteller und Drehbuchautor Dalton Trumbo. Als Mitglied der Kommunistischen Partei wird er 1947 vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe geladen, wegen Verweigerung der Aussage zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und anschließend von den Hollywoodstudios auf die Schwarze Liste gesetzt. Das Ende seiner Karriere bedeutet das nicht. Es folgen Arbeiten für Stanley Kubrick und Otto Preminger sowie das Drehbuch und die Regie zum Klassiker "Johnny zieht in den Krieg". Nun wurde die außergewöhnliche Lebensgeschichte des Kinorebellen mit Bryan Cranston und Helen Mirren in den Hauptrollen verfilmt.
Von  Alessandra Mattanza, Filmreporter.de, 14. März 2016

Helen Mirren in "Trumbo"

Helen Mirren in "Trumbo"

Das ist so unamerikanisch!
Ricore Text: Frau Mirren, "Trumbo" behandelt ein politisches Kapitel im ansonsten eher unpolitischen Hollywood.

Helen Mirren: Ja, viele junge Menschen werden sich fragen, ob das wirklich passiert ist. Als ich davon hörte, war mein erster Gedanke: Es ist so unamerikanisch. Gilt Amerika nicht als Land der Freiheit? Was ist Freiheit, wenn man seine Gedanken und politischen Ansichten nicht zum Ausdruck bringen darf? Es ist doch absurd, wenn man glaubt, dass man durch freie Meinungsäußerung die Freiheit bedroht.

Ricore: Sie stammen aus einer politisch interessierten Familie, nicht?

Mirren: Ja, mein Vater nahm in den 1930er Jahren im Eastend bei den Märschen gegen die Faschisten teil. Er war bei der berühmten Schlacht in der Cable Street dabei [blutige Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der British Union of Fascists und Gegendemonstranten; Red.].

Ricore: So weit ging sein Engagement?

Mirren: Wenn man sich damals nicht engagierte, dann war man ... [überlegt eine Weile] ... nun, man war nicht gleich ein Idiot, aber jeder hatte sich Gedanken gemacht, wie das Leben sein sollte. Wer auch nur ein bisschen Anstand hat, wird sich auf dieser Seite des Zauns befinden. Intellektuelle sind im Allgemeinen links eingestellt. Wenn man über das Leben nachdenkt, kommt man zwangsläufig zu einer solchen Haltung.

Ricore: In einer Zeit politischer Ideologien war es einfacher, Stellung zu beziehen...

Mirren: Sicher herrschte auch ein gewisses Maße an Naivität. Davon war auch mein Vater nicht ausgenommen. Wenn das Gespräch auf die Gulags kam, tat mein Vater das Thema als Propaganda ab. Die Wahrheit kam erst mit Alexander Solschenizyn ans Tageslicht, der schilderte, wie es wirklich war. Das erst öffnete die Augen der Linken. Plötzlich sahen sie, was alles furchtbar schief gelaufen ist. Sie waren Idealisten.

Ricore: Stimmt es, dass in der ursprünglichen Fassung von "Trumbo" der konservative John Wayne eine negative Rolle hatte?

Mirren: Das weiß ich nicht. John Wayne und viele andere betrachteten sich damals als große Patrioten. Er liebte Amerika. Ich glaube, in der Art, wie sich sein Patriotismus manifestierte, wurde er vielfach missverstanden. Er war patriotisch, aber nicht zynisch. Es hatte nichts Diktatorisches an sich. Trotzdem war er nicht weniger naiv als die Linksorientierten. Beide Seiten hatten etwas Naives an sich. Beide Lager hatten aber auch extremistische Züge, die ihre Ursprünge im Zweiten Weltkrieg hatten.

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