Interview: Robert Gustafsson zu Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand | FILMREPORTER.de
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Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand (Hundraettåringen som smet från notan och försvann, 2016)

Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand (Hundraettåringen som smet från notan och försvann, 2016)

Robert Gustafsson: Kopf mit Eiswürfeln gekühlt
Ricore: Für die Sie mehr als fünf Stunden im Maskenraum saßen?

Gustafsson: Ich musste regelmäßig um drei Uhr früh aufstehen, damit ich pünktlich am Set sein konnte. Unter der Maske habe ich geschwitzt, es war vor allem bei der feuchten Hitze in Thailand unerträglich. Regelmäßig wurde mein Kopf mit Eiswürfeln gekühlt. Nach Drehschluss hatte ich mir geschworen, das war's mit Allan Karlsson für mich. Aber auch für diese Einwände fand Herngren eine Lösung. Ich bekam für den zweiten Teil eine leichtere Maske, für die ich nur vier Stunden sitzen musste. Diese Stunde Schlaf macht eine Menge aus.

Ricore: Sind Sie vorsichtiger geworden, weil Sie 2015 einen Zusammenbruch nur knapp überlebten?

Gustafsson: Ich konnte damals nicht nein sagen, ich wurde zum Workoholik. Zwei Jahre lang fand ich ohne Tabletten keinen Schlaf. Ich wurde abhängig, erst nahm ich eine Tablette, dann 2,3 oder vier am Tag. Irgendwann schluckte ich zehn Tabletten, ich habe länger als 24 Stunden geschlafen. Als ich aufwachte, bin ich zu Tode erschrocken. Ich hätte sterben können. Diese Angst vor einer erneuten Überdosis hat mich wach gerüttelt. Ich habe sie genutzt, um mich meinem Problem mit Hilfe eines Arztes zu stellen. Langsam habe ich die Dosis der Tabletten reduziert, heute komme ich ohne sie aus.

Ricore: Warum haben Sie offen darüber gesprochen?

Gustafsson: Viele Freunde und Kollegen haben ähnliche Probleme, denken sie an Mikael Persbrandt und sein Drogenproblem. In Schweden sprechen wir offen über die negativen Folgen der Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen, um anderen Menschen zu helfen.

Szene aus "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand"

Szene aus "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand"

Ricore: In Ihrem Film jagen alle die Volks-Limo. Haben Sie ein wenig bei Billy Wilders "Eins, Zwei, Drei" abgeschrieben, in dem die Sowjets vergeblich fordern, das Cola-Rezept zu erhalten?

Gustafsson: Die Komödie stand nicht Pate, wir haben vielleicht ähnliche Quellen. Cola und Pepsi lieferten sich lange ein unerbittliches Duell um den Weltmarkt, der über 100 Menschen das Leben kostete. Und für die Sowjetunion hätte es sich gelohnt, den Markt mit einer eigenen Limo zu mischen. Es ist ja ein Fakt, dass der Umsatz von Cola größer war als ihr Militärhaushalt.

Ricore: Allan spricht mehrere Sprachen. Kommt Ihnen ihr Imitations-Talent entgegen?

Gustafsson: Deutsch fällt mir leicht, die Sprachen sind sich so ähnlich, dass ich einige Worte verstehe. Russisch liebe ich, aber ich spreche kein Wort. Ich habe die paar Sätze mit einem Programm und einem Trainer gelernt. Es durfte nur nicht zu perfekt sein, Allan hat die Sprache schließlich fünf Jahre im Gulag gelernt. Ich muss es allerdings ganz gut gemacht haben, in Russland sprachen mich die Zuschauer mit großer Selbstverständlichkeit in ihrer Sprache an.

Ricore: Geht es weiter mit dem Hundertzweijährigen?

Gustafsson: Im Moment würde ich sagen nein, aber wer weiß, ob mich der Regisseur wieder mit einer runden Geschichte überzeugt. Allans Freund Julius ist dann vielleicht gestorben, Allan muss sich mit den Jüngeren auseinandersetzen. Aber irgendwann ist eine natürliche Grenze erreicht. Als ich jung war, erreichte kaum ein Mensch die 100 Jahre. Jetzt ist das keine Seltenheit mehr. Rentner sind heute fitter als noch vor 40 Jahren, weil die körperliche Arbeitsbelastung geringer wurde. Die rüstige Dame, mit der Allan im Altersheim flirtet, ist 104. Also sage ich niemals nie.

Ricore: Also könnte Allan ebenso viele Auftritte wie Sid haben?

Gustafsson: Ich liebe Sid ebenso wie Allan. Sie sind Underdogs, die nie richtig erwachsen wurden. Beide eint, dass sie sich nicht unter kriegen lassen und das Leben mit einer positiven Grundeinstellung angehen. Und das ist mir sehr sympathisch.

Ricore: Danke für das Gespräch
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de - 25. März 2017

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