Interview: Dome Karukoski zu Tom of Finland | FILMREPORTER.de
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Dome Karukoski am Set von "Tom of Finland" (2017)

Dome Karukoski am Set von "Tom of Finland" (2017)

Dome Karukoski: erst nach seinem Tod anerkannt
Ricore Text: Sind die Comics in Finnland populär?

Karukoski: Seine Kunst wurde erst nach seinem Tod Ende der 1990er anerkannt. Bis 1971wurde Homosexualität in Finnland als Krankheit eingestuft, seine Zeichnungen waren illegal und wurden unter der Hand weiter gegeben. Mit der Legalisierung der Homosexualität änderte sich aber nicht schlagartig die Einstellung der Menschen, auch die Antischwulenpropaganda machte munter weiter. Keiner wagte, seine Zeichnungen offiziell auszustellen. Daher kannte bis in die 1990er Jahre nur ein kleiner Kreis seine Zeichnungen. Im Ausland war er dagegen anerkannt. Seine erste Ausstellung hatte er 1959 in Hamburg. Auch in den USA, in Dänemark, Schweden und Deutschland war er populär.

Ricore Text: Warum folgen Sie seinem Weg über viele Jahre und haben sich nicht für einen Lebensabschnitt entschieden?

Karukoski: Wir haben fünf Jahr nach der passenden Form gesucht, 39 Versionen des Drehbuches habe ich geschrieben. Laaksonen konnte seine Utopien und Wünsche erst in den USA ausleben, in der Comunity fand er endlich Partner, mit denen er normal leben konnte. Daher begannen einige Bücher in den USA und gingen in Rückblenden zurück in seine Kindheit. Andere hatten seine Zeichnungen als Klammer der Geschichte. Doch keine der Konzeptionen überzeugte mich. In seinem Leben gibt es keine Schlüsselepisode, die alles erklärt. Daher sind wir zum klassischen Biopic zurückgekehrt.

Ricore Text: Um auch die Zeit mit zu erzählen?

Karukoski: Wir können den gesellschaftlichen Kontext natürlich nur andeuten. Ansonsten sind all die verrückten Dinge, die der Film zeigt, wirklich passiert. Wir haben uns genau an seine Biografie gehalten, auch wenn vieles im Dunkeln liegt.

Ricore Text: Hat die Zensur, auch die innere Zensur, seine Kunst beflügelt?

Karukoski: Das lässt sich nicht leugnen. Kunst entsteht nie durch Kompromisse, durch eine Vision und den Willen, sie durchzusetzen. Touko Laaksonen musste vorsichtig und zugleich mutig sein, um seine Comics zu gestalten. Und er musste sich stets Veränderungen stellen. Als die Pornoindustrie in den 1960ern den Markt mit Fotos homosexueller Handlungen flutete, mussten seine Zeichnungen subtiler werden.

Ricore Text: Wie weit wollten Sie bei den Sexszenen gehen?

Karukoski: Sex im Film ist nie so gut wie im Film, daher sind etliche Szenen im Papierkorb gelandet. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie die Geschichte weiter bringen. Das waren eher seine Zeichnungen, die die Atmosphäre sehr gut wiedergaben. Aki Kaurismäki

Ricore Text: Danke für das Gespräch.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de - 10. Oktober 2017

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