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Karoline Herfurth mit Fans der kleinen Hexe (2018)

Karoline Herfurth mit Fans der kleinen Hexe (2018)

Karoline Herfurth: wichtig zu wissen, wo die Grenzen sind
Ricore Text: Wie lange haben Sie in der Maske gesessen?

Herfurth: Am Anfang waren es zweieinhalb Stunden, relativ schnell wurden es eineinhalb. Ich habe während der Verwandlung geschlafen und geschnarcht - ich musste ja zurückgelehnt durch die Nase atmen.

Ricore Text: Verstehen Sie jetzt Menschen, die ihre Nase operieren lassen?

Herfurth: Ich würde lieber daran arbeiten, mit mir zufrieden und glücklich zu sein, als mich operieren lassen. Auch wenn es nicht immer leicht wäre.

Ricore Text: Wer hat sich das charakteristische, ansteckende Lachen der kleinen Hexe ausgedacht?

Herfurth: Das ist mein normales Lachen. Der Regisseur wollte, dass ich noch mehr lache. Die kleine Hexe ist ebenso oft traurig, das ist gut ausbalanciert. Die anderen Hexen sind zu ihr oft gemein, aber niemals richtig bedrohlich. Für die Kinder ist das ganz wichtig, dass die gruslige Stimmung aufgelöst wird.

Ricore Text: Die kleine Hexe wird von den älteren Hexen gemobbt und hilft gemobbten Kindern. Was würden Sie Kindern und Eltern raten, die in dieser Situation sind?

Herfurth: Sie sollten sich professionelle Hilfe suchen. Ich finde Mobbing furchtbar, schon als Kind konnte ich es nicht ertragen. Und gegenüber dem Cybermobbing wäre ich heute ebenso hilflos wie die meisten Betroffenen.

Ricore Text: Wie lief die Zusammenarbeit mit Axel Prahl?

Herfurth: Wir haben uns nie am Set gesehen. Beim Spiel habe ich mir Axel mit Liebe im Herzen vorgestellt. Er hatte den Text vorher eingesprochen, der am Set wiederum von einem anderen Schauspieler gesprochen wurden.

Ricore Text: Wäre es ein Kompliment, wenn Ihnen ein Mann sagen würde, sie sind total süß als kleine Hexe?

Herfurth: Natürlich, das wollten wir ja erreichen. Wenn er mir dabei über den Kopf tätschelt, wäre ich konsterniert. Aber nicht zwingend belästigt. Durch die Metoo-Debatte macht sich heute hoffentlich jeder Gedanken über Tabus und zum Überschreiten der Grenzen seines Gegenübers. Es ist aber auch wichtig zu wissen, wo meine Grenzen sind und wie ich diese anzeige. Die Diskussion zeigt Frauen, dass sie gesetzt werden dürfen. Und Männern, was sie nicht mehr dürfen. Aber eigentlich geht es in der ganzen Diskussion um andere Themen.

Karoline Herfurth auf der Premiere (2018)

Karoline Herfurth auf der Premiere (2018)

Wo sollen Kinder lernen, dass es anders geht?
Ricore Text: Um die Rolle der Geschlechter in der modernen Gesellschaft und Macht?

Herfurth: Die strukturellen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern beschäftigen mich seit Beginn des Bachelor-Studiums vor gestrichen zehn Jahren. Je älter ich werde, umso mehr wird mir bewusst, wie drängend das Problem ist. Die traditionell gewachsenen Geschlechterrollen müssen aufgebrochen und modernisiert werden. Zuvor müssen sie in den Fokus der Wahrnehmung und der Selbstwahrnehmung rücken. Damit zum Beispiel der Arbeitsmarkt nicht länger Paare geschlechtsspezifisch aufteilt und sie in traditionelle Rollenbilder drängt, wenn sie Eltern werden.

Ricore Text: Was kann der Einzelne tun?

Herfurth: Ich habe mich vor zehn Jahren noch über die Gendersprache lustig gemacht. Heute bin ich glücklich, dass alle Professoren sie benutzen. Ich fühle mich dadurch viel selbstverständlicher zugehörig. Es ist aber noch ein weiter Weg, diese Ungleichheiten zu ändern, weil das Thema auch vielen Menschen unangenehm ist.

Ricore Text: Weil es auch ein soziales Problem ist, traditionelle Frauenberufe werden mieser bezahlt als die der Männer?

Herfurth: Das ist ein wichtiger Teilaspekt. Geschlechterrollen werden früh geprägt und heutzutage durch die Industrie noch extremer. Ich glaube, dass alle Kinder pink, rosa und Glitzer mögen. Aber die Jungen müssen grau, blau und grün tragen. Und auch manche Kinderbücher von heute regen mich auf. Ärzte sind darin immer Männer, Krankenschwestern Frauen. Kranke Kinder werden von Mama gepflegt während die Papis erst nach der Arbeit Zeit dazu haben. Wo sollen Kinder lernen, dass es anders geht? Oder auch, wenn man sich alte Filme anschaut. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Frauen darin fast moderner waren als zum Beispiel jetzt "Sex in the City". Darin geht es doch hauptsächlich darum, wann Mr. Big Carry endlich heiratet und welche Schuhe sie dabei trägt. Eine Journalistin nannte dieses Frauenbild 'Cinderalla mit Gleitmittel'. Das finde ich eine schöne Umschreibung.

Ricore Text: Kann man denn Verhaltensmuster verordnen, so wie die Drogenbeauftragte der Bunderegierung gerade gefordert hat, in Filmen weniger zu rauchen?

Herfurth: Da scheiden sich so die Geister in meinem Kopf. Grundsätzlich finde ich es nicht falsch, dafür ein Bewusstsein zu schaffen. Und der Film, ein wie ich finde sehr politisches Medium, da es die Werte und Überzeugungen vieler Menschen prägt, ist dafür der richtige Ort. Es wäre daher falsch, wenn in Kinderfilmen viel geraucht wird. Aber bei Filmen, die 16 Jahren zugelassen sind, bin ich mir unsicher. Erziehung heißt doch nicht, Kindern eine Straße aus Watte zu bauen. Sondern ihnen Lederschuhe anzuziehen, damit sie sicher laufen können.

Ricore Text: Wieviel Zeit haben Sie noch zum Lesen?

Herfurth: Weihnachten habe ich viel gelesen, nachdem ich keine Lust mehr auf die Welle immer neuer Serien mehr hatte.

Ricore Text: Was empfehlen Sie?

Herfurth: Ich lese gerne seichte Krimis, ich liebe die Kluftiger-Romane. Es gibt nichts Entspannenderes für mich als ein Puzzle mit 1.000 Teilen, dazu Tee mit Honig und ein Hörspiel der Romane mit der Stimme von Christian Berkel. Hört sich mega spießig an, aber ich liebe es.

Ricore Text: Ist Ihr zweiter Film schon in Vorbereitung.

Herfurth: Ja. Ich will noch nicht zu viel verraten, aber es wird auf jeden Fall lustig, dramatisch und emotional.

Ricore Text: Danke für das Gespräch.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de - 8. Februar 2018

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