Interview: Pierre Richard: Dany Boon zu Die Sch'tis in Paris - Eine Familie auf Abwegen | FILMREPORTER.de
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Pierre Richard vor dem Interview mit Filmreporter.de

Pierre Richard vor dem Interview mit Filmreporter.de

Pierre Richard: Wer kann so eine Figur verkörpern?
Ricore Text: In "Die Sch'tis in Paris" ist das Thema Schein und Sein von großer Bedeutung, was auch in Ihrer Branche eine große Rolle spielt. Wie sehr gelingt es Ihnen im Filmgeschäft und in der Öffentlichkeit sich selbst treu zu bleiben? Wie sehr müssen Sie sich selbst verleugnen?

Dany Boon: Man sollte sich niemals in irgendeiner Form zurücknehmen oder Kompromisse machen. Das ist genau das, was einen Künstler ausmachen muss und auch mich ausmacht. Das Kino ist natürlich eine sehr elitäre Branche, ein sehr geschlossener Kreis und es ist unglaublich schwer dort hineinzukommen. Selbst wenn du auf der Bühne stehst und alleine oder mit anderen große Erfolge feierst, kann einem der Schritt ins Kino sehr schwer gemacht werden. Man fängt meistens mit kleinen Rollen an und mit viel Glück, schafft man dann im Kino den Durchbruch. Es gibt aber auch sehr viele Theaterstars, die hohes Ansehen genießen, die im Kinobusiness jedoch nie Fuß fassen konnten. Das liegt zum Teil daran, dass manche Menschen auf der Bühne anders wirken, als vor der Kamera. Die Bühne zeigt einen in etwas weicherem Licht, eine Filmkamera nimmt hingegen wirklich alles auf und so wirkt eventuell jemand, der eigentlich ganz weich ist, vor der Kamera ganz anders und kommt härter beim Publikum an, was dann aber nicht die Erwartungshaltung des Publikums erfüllt. Kino ist daher etwas, dass sehr hart sein kann. Wichtig ist in dieser Branche vor allem, dass man das Kino mit der größtmöglichen Ernsthaftigkeit angeht, dabei aber nicht die Emotionen vergisst.

Ricore Text: Wie gut gelingt es Ihnen Herr Richard in der Öffentlichkeit und im Filmgeschäft Sie selbst zu bleiben?


Pierre Richard: Ich habe mich für das, was ich bisher beruflich gemacht habe, noch nie geschämt. Auch für meine frühen Erfolge nicht. Ich wurde schon oft gefragt, ob mir dieser oder jene Film nicht peinlich sei - vor allem in frühen Jahren. Ich habe dies aber stets verneint, weil es immer genau der Film war, auf den ich in dem jeweiligen Moment Lust hatte. Man kann sich nur für Dinge schämen, die man nicht aus Lust gemacht hat, sondern weil man zum Beispiel Geldsorgen hatte. In dieser Situation war ich aber nie und deshalb kann ich mich nicht für das schämen, was ich gemacht habe. Ich habe bis heute nur das gemacht, wozu ich Lust hatte und habe auch diverse Rollen abgelehnt, die durchaus lukrativ schienen. Zum Beispiel habe ich Rollen in den Filmen von Louis de Funès abgelehnt, weil ich merkte, dass diese nicht zu mir passten. Anders ist es bei "Die Sch'tis in Paris". Ich kann genau wie der Vater im Film ein richtig grantiger Kerl werden und finde mich daher gut in der Figur wieder.

Ricore Text: Ihr Beruf bringt Ihnen viel Anerkennung ein, zum Beispiel hat François Hollande, als er noch Präsident war, mit Ihnen zu Abend gegessen. Besteht der Kontakt noch?


Pierre Richard: Das war damals ein Zufall. Hollande war auf Dienstreise in Berlin, um sich mit Frau Merkel zu treffen. Er hatte zwischendurch noch etwas Zeit und irgendwie erfahren, dass ich auch in Berlin bin, um einen Film zu bewerben. Daraufhin haben wir uns zum Essen getroffen, seitdem dann aber nie mehr gesehen.

Dany Boon: Es kommt immer mal wieder vor, dass man als Filmschaffender Politiker trifft. Zum Beispiel wollten Emmanuel Macron und seine Frau "Die Sch'tis in Paris" sehen, zumal Macron ebenfalls aus dem Norden kommt. Daraufhin wurde der Kontakt hergestellt und wir sahen uns den Film gemeinsam an.

Ricore Text: Vielen Dank für das Interview.
Heiko Thiele, Filmreporter.de - 21. März 2018

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