Interview: Nick Park zu Early Man - Steinzeit bereit | FILMREPORTER.de
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Interview

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Bei Aardman Animations wird in Handarbeit Bild für Bild kreiert...

Bei Aardman Animations wird in Handarbeit Bild für Bild kreiert...

Nick Park: Stop-Motion hat sich nicht verändert
Ricore Text: Ich denke auch an das Wildschwein, das bei Ihnen nicht gegessen, sondern zum Helfer wird...

Nick Park: Diese Verbindung habe ich überhaupt nicht gesehen.

Ricore Text: Was sprach dafür, die Erfindung des Spiels bereits den Urmenschen zuzuschreiben?

Nick Park: Im Studio spukt schon lange die Idee rum, Urmenschen ins Zentrum einer Geschichte zu stellen. Ich habe mir überlegt, was Urmenschen in ihrer Freizeit und Kindheit machten und kam schnell auf den Sport. Ihre Aggression wird vom Spiel kanalisiert. Die Spiele zwischen den einzelnen Stämmen passen zu den Riten, die die Fußball-Fankultur heute prägen. Bei manch Match habe ich den Eindruck, als stände der Untergang einer Nation bei einer Niederlage bevor.

Ricore Text: Interessieren Sie die Urmenschen, weil wir wenig von ihrem Leben wissen und daher alles in diese Ära hinein interpretieren können?

Nick Park: Meine Generation ist mit "Fred Feuerstein" aufgewachsen, andererseits wissen wir wenig von dieser Periode. Nach den Historikern führten die Urmenschen ein hartes, entbehrungsreiches Leben. Sie starben früh. Das ist alles andere als ein Stoff für eine Komödie. Aber warum sollten sie keinen Spaß gehabt haben? Dazu kam, dass wir Animatoren uns selbst oft als Urmenschen fühlen. Wir pflegen eine einfache Technik, die sich seit den Anfängen des Kintop kaum verändert hat inmitten einer Filmlandschaft, deren Technik sich grundlegend gewandelt hat.

Ricore Text: Was hat sich durch die Digitalisierung in Ihrem Arbeitsprozess verändert?

Nick Park: Die Stop-Motion-Technik an sich hat sich nicht verändert. Die Animatoren bringen die Geduld auf, jedes Bild mit den Puppen extra einzurichten und abzulichten. Dafür nutzen wir heute digitale statt Filmkameras. Die CGI-Technologie hilft uns, die Welt um die Puppen herum vielfältiger und reicher zu gestalten. Lavaspuckenden Vulkanen oder Tausenden Puppen als applaudierende Zuschauer könnten wir ohne Effekte nicht auf die Leinwand zaubern.

25 Bilder pro Sekunde werden bei Aardman Animations mit viel Geduld fotografiert

25 Bilder pro Sekunde werden bei Aardman Animations mit viel Geduld fotografiert

Wes Anderson und Tim Burton nutzten Stop-Motion
Ricore Text: Wie viele Leute haben an dem Film wie lange gearbeitet?

Nick Park: Für den Film haben ungefähr 150 Leute im Studio gearbeitet, darunter waren 40 Animatoren. Jeder schafft rund drei Sekunden am Tag, als Team brauchen wir eine Woche für eine Minute. Der Dreh und die digitale Nachbearbeitung dauerten 18 Monate, davor wurden die Designs entworfen, die Puppen und die Hintergründe gebaut. Seit den Anfängen der Entwicklung der Geschichte saß ich vier bis fünf Jahre an dem Film.

Ricore Text: Wie haben Sie sich Ihre Faszination bewahren können?

Nick Park: Als die CGI-Technik vor 20, 30 Jahren ihren Siegeszug antrat, habe ich oft überlegt, wie viele Jahre uns noch bleiben. Dass es heute so viele ausgezeichnete CGI-Filme gibt, hilft uns sogar. Unsere Filme sind Unikate in der Filmlandschaft. Die Aardman-Studios sind zur Marke geworden. Wes Anderson und Tim Burton haben die Technik genutzt. Ich bin auch regelmäßig auf Kurzfilmfestivals, wo ich immer wieder erstaunt bin über die Vielfältigkeit der Geschichten.

Ricore Text: Finden Sie ausgebildete Animatoren oder bilden Sie selbst aus?

Nick Park: Wir finden genug ausgebildete Leute, aber wir bilden auch selbst aus und durch das Learning by Doing weiter. Einige Mitarbeiter begannen als Assistenten und stiegen vom Animator zum Chefanimator einer Figur auf.

Ricore Text: Arbeiten Sie bereits an einem neuen Projekt?

Nick Park: Im Moment sitzen alle am zweiten Teil von "Shaun das Schaf". Ich habe auch viele Ideen für neue Geschichten meiner Babys "Wallace & Gromit". Ich stehe nur vor dem emotionalen Problem, dass Peter Sallis, der Wallace seine unverwechselbare Stimme gab, im vergangenen Jahr verstorben ist. Es fällt mir schwer, über einen Nachfolger nachzudenken.

Ricore Text: Dann bleibt mir nur, Ihnen und dem englischen Team alles Gute zu wünschen!

Nick Park: Danke, der Film, aber noch viel mehr unsere Fußballer werden es brauchen.

Ricore Text: Danke für das Gespräch.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de - 8. Mai 2018

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