Interview: Helen Mirren zu Dame zu Die Queen | FILMREPORTER.de
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Interview

Helen Mirren in Venedig
Helen Mirren über die Monarchie

Auch die Queen ist nur ein Mensch

Nach jahrelangen Recherchen blickt der britische Starregisseur Stephen Frears mit "Die Queen" hinter die Fassade der königlichen Familie und erzählt von den Tagen nach Lady Dianas Tod. Helen Mirren, in der britischen Film- und Theaterlandschaft selbst eine Art Königin - gilt dank ihrer sensationellen Darstellung als heißeste Anwärterin auf den Oscar. In Venedig trafen wir die 61-Jährige zum Gespräch.
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de, 21. Januar 2007

Helen Mirren mit Regisseur Stephen Frears in Venedig

Helen Mirren mit Regisseur Stephen Frears in Venedig

Ricore: Mrs. Mirren, wie einschüchternd war es, die Queen zu spielen?

Helen Mirren: Die Rolle hat mir so Angst gemacht, wie kein anderer Job zuvor. Da die Queen immer noch auf Gottes Erde wandelt, musste meine Imitation zwangsläufig eine Imitation bleiben. Egal wie sehr ich mich als Schauspielerin bemüht habe: Ich konnte nicht gewinnen. Es gab während der ersten Kostümprobe sogar einen Moment, wo ich in Tränen ausbrach. Die unbequemen Schuhe, das steife Korsett und dann noch die Ungewissheit, ob ich damit wirklich das Richtige tue: Ich war fertig mit en Nerven.

Ricore: Warum haben Sie trotzdem zugestimmt?

Mirren: Weil ich die Menschen hinter dem Projekt sehr gut kannte. Hätte es sich bei dem Drehbuch um eine der üblichen TV-Ausschlachtungen gehandelt, hätte ich nie meine Zusage gegeben. Anfangs war ich mir auch hier sehr unsicher, wollte eigentlich absagen. Aber weil das Drehbuch für mich immer oberste Priorität hat, habe ich es zuerst gelesen. Und das hat mich dann doch überzeugt: Es war auf seine ganz brillante Art und Weise objektiv, sensibel und emotional. Es schilderte die Ereignisse hinter den verschlossenen Türen des Palastes, ohne die königliche Familie lächerlich zu machen.

Ricore: Wie sind Sie weiter vorgegangen?

Mirren: Ich wollte die Person hinter der Fassade zeigen. Denn so seltsam die Welt ist, in der sich die Queen bewegt: Letztlich ist sie doch ein Mensch. Um das zu schaffen, musste ich jedoch zuerst ihre Art möglichst exakt kopieren. Also nahm ich Sprachunterricht und zog mich anschließend in mein Ferienhaus in Frankreich zurück, um mich für zwei Wochen ausschließlich mit der Materie zu beschäftigen. Dort habe ich Bücher über die Queen gelesen und mich durch alte Video-, Foto- und Tonaufnahmen gekämpft.

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